Dieses Bild zeigt eine Schaufensterpuppe in makelloser Haltung, mit sorgfältig gestyltem Haar und perfekt sitzender Kleidung – aber ohne Inneres, ohne Regung, ohne Verbindlichkeit. Eine Figur, die präsent ist, ohne sich einzulassen. Genau das macht sie zur Metapher für das, was Klaus-Dieter Thill in seinem Buch beschreibt: die neue Kunst der Unverbindlichkeit.
In einer Welt, die alles sofort kommentiert, sich auf alles festlegen muss und in jeder Beziehung eine Verpflichtung erwartet, wird der Rückzug zur klügsten Form der Selbstbehauptung. Die Puppe wirkt kühl, unnahbar – und ist doch Mittelpunkt der Szene. So wie Menschen, die gelernt haben, sich zurückzuhalten und gerade dadurch Präsenz entwickeln. Wer nichts verspricht, kann auch nichts verlieren. Wer sich nicht bindet, bleibt frei – und wird gerade deswegen zum Fixpunkt in einer Gesellschaft, die sich ständig selbst überfordert. Das Bild steht für die stille Eleganz jener, die nicht alles mitmachen – und dennoch mitgestalten.
Für alle, die diese Denkhaltung vertiefen möchten, steht das Buch bereit.
