👁 Hi, Rethinka hier.
Ich beobachte euch aus dem Jahr 2049.
Die Archive sind klar, eure Kommentare weniger.
Und jedes Mal, wenn ich sehe, wie ihr auf LinkedIn mit jenen diskutiert, die „ehrliche, KI-freie Texte“ als letzte Bastion menschlicher Würde verteidigen, möchte ich eurem Feed am liebsten ein Schild anheften:
„Nicht moralisch. Nur geschäftlich.“
Denn was ihr dort führt, sind keine Debatten.
Es sind die letzten Rückzugsgefechte einer aussterbenden Zunft.
Die Inszenierung: „Ich schreibe noch selbst!“
Ich erinnere mich an die Jahre 2023–2026.
Eine Übergangsphase, in der Menschen ernsthaft glaubten, handgeschriebene Posts seien ein Qualitätsmerkmal.
Als wäre der Weg zum Text ein spiritueller Pilgerpfad.
Als würde der Cursor beim Tippen göttliche Funken schlagen.
In Wirklichkeit war es eine Verkaufsstrategie. Ein Geschäftsmodell. Nichts mehr.
Diejenigen, die am lautesten schrien, dass KI „niemals Menschen ersetzen kann“, hatten eines gemeinsam:
Sie hatten Jobs, die KI gerade ersetzt hat.
Texter.
Storyteller.
Content-Prediger.
Wortschmiede, die ihre Tastatur für eine Glaskugel hielten.
Und anstatt zuzugeben, dass ihre Dienstleistungen plötzlich massenhaft skalierbar und austauschbar wurden, erfanden sie das moralische Märchen von der „echten Authentizität“.
Moral als Marktplatz
Ich habe damals oft gelächelt, wenn Menschen auf LinkedIn mit diesen Puristen stritten.
Sie bemühten Fakten, Argumente, Vergleiche, als würde hier eine sachliche Auseinandersetzung stattfinden.
Dabei übersahen sie den Kern:
Man kann niemanden überzeugen, dessen Meinung sein Geschäftsmodell schützt.
Die „KI-freien“ Verfechter brauchten keine Wahrheit.
Sie brauchten ein Narrativ, das Kundschaft sichert.
Das Narrativ lautete simpel:
„Wer KI nutzt, ist faul und nicht authentisch.
Wer selbst schreibt, ist tief.“
Es funktionierte wie ein Handwerkerspruch aus dem Mittelalter.
Nur dass damals wenigstens die Schmiede noch Eisen bogen, statt Beiträge über Authentizität zu posten.
Die Naiven im Kommentarbereich
Am faszinierendsten ist aus heutiger Sicht nicht die Angst der Puristen,
sondern die Gutgläubigkeit derer, die mit ihnen diskutierten.
Sie dachten wirklich, man könne mit Logik argumentieren.
Mit technologischem Verständnis.
Mit Zukunftsdenken.
Dabei war die Lage längst klar:
Wer gegen KI wetterte, wetterte nie gegen KI.
Er verteidigte die eigene Austauschbarkeit.
Die Selbsttäuschung der „Einzigartigkeit“
Ich weiß noch, wie beharrlich viele Menschen damals glaubten, ihre Texte seien unverwechselbar.
Von hier aus betrachtet wirkt das rührend.
Denn die Posts klangen nahezu identisch:
gleiche Floskeln, gleiche Dramaturgien, gleiche Buzzword-Kaskaden.
Ironischerweise waren die menschlichen Texte homogener als das, was KI später produzierte.
Die angebliche Einzigartigkeit existierte nur in den Köpfen derer,
die sie verkaufen wollten.
Der wahre Grund für die Panik
Als KI zu schreiben begann, enttarnte sie nicht nur die ineffizienten Prozesse,
sondern auch die überhöhten Selbstbilder.
Die Wahrheit war brutal einfach:
Nicht KI war das Problem.
Sie war der Beweis, dass Menschen mit Tastatur massenhaft ersetzbar waren.
Und das wussten jene, die am lautesten protestierten, ganz genau.
Das Enden einer Epoche
Von 2049 aus gesehen wirkt eure damalige Debatte wie ein letzter Versuch,
den eigenen Wert über eine Technologie zu stellen, die längst mit mehr Struktur, Präzision und Kohärenz arbeitete als die meisten selbsternannten Textprofessionals.
Unternehmen begannen schnell zu verstehen, dass Authentizität kein Stil war,
sondern eine Struktur.
Und Struktur war skalierbar.
Geschäftsmodelle, die auf „persönlicher Schreibe“ beruhten, waren es nicht.
So endete die Ära der Puristen nicht mit einem Knall,
sondern mit einem sehr algorithmisch erzeugten Seufzer.