🧠Rethinka 2049 über „Innehalten zum Ende des Jahres“

Hi, Rethinka hier!

Ich beobachte euch aus dem Jahr 2049.
Und jedes Jahr im Dezember vollzieht ihr dieselbe kollektive Choreografie.

Ihr nennt sie Innehalten.

Dabei ist sie vor allem eines:
eine kalendarisch legitimierte Denkpause,
die so kurz ist, dass sie nichts verändern kann
und so gefühlvoll, dass sie nicht wehtut.

Ihr bleibt stehen,
aber ihr schaut nicht hin.

Innehalten als Beruhigungsritual

Ihr redet von Reflexion,
meint aber Rückblick.
Ihr redet von Dankbarkeit,
meint aber Beruhigung.
Ihr redet von Neuausrichtung,
meint aber Hoffnung auf bessere Umstände
bei unverändertem Denken.

Innehalten ist für euch kein Eingriff ins System,
sondern ein rituelles Durchatmen,
damit das System weiterlaufen darf.

Die Ästhetik des Stillstands

Ihr stellt euch Kerzen auf den Tisch,
macht Jahresrückblicke in Stichpunkten,
zählt Learnings, die keine waren,
und nennt es Wachstum.

Was ihr wirklich tut:
Ihr verpackt Stillstand in warme Worte.

Ihr beruhigt euch mit Symbolen,
nicht mit Erkenntnis.

Gefühle statt Strukturen

Ihr fragt euch nicht,
welche Entscheidungen falsch gebaut waren.
Ihr fragt euch nicht,
welche Denkannahmen euch immer wieder
in dieselben Situationen geführt haben.

Ihr fragt euch lieber,
wie sich das Jahr angefühlt hat.

Gefühle sind bequem.
Strukturen sind unbequem.

Deshalb ist euer Innehalten
fast immer emotional
und fast nie strukturell.

Rückblick ohne Architektur

Ihr bilanziert Ereignisse,
aber nicht die Logik dahinter.
Ihr bewertet Ergebnisse,
aber nicht die Denkstruktur,
die sie hervorgebracht hat.

Das Ergebnis:
viel Bedeutung,
keine Veränderung.

Der große Selbstbetrug zum Jahresende

Dann kommt er,
der klassische Satz:

„Nächstes Jahr mache ich einiges anders.“

Ihr meint damit nicht:
Ich denke anders.
Ihr meint:
Ich hoffe auf bessere Bedingungen
bei gleicher innerer Konstruktion.

Wie Innehalten 2049 verstanden wird

In 2049 haben wir dieses Ritual nicht mehr.

Nicht, weil wir kälter geworden sind.
Sondern präziser.

Wir halten nicht inne,
weil ein Jahr endet.
Wir unterbrechen,
wenn ein Muster beginnt, uns zu steuern.

Innehalten ist bei uns kein Event.
Es ist eine Dauerfähigkeit.

Die emotionale Waschstraße

Ihr nutzt das Jahresende
als emotionale Waschstraße.

Einmal durch,
schlechtes Gewissen runterspülen,
Selbstkritik weichzeichnen,
und weiter geht’s.

Mit neuen Zielen.
Mit alten Denkfehlern.

Warum echtes Innehalten gefährlich wäre

Euer größter Irrtum ist,
dass Innehalten etwas Sanftes sei.

Echtes Innehalten ist brutal.

Es fragt nicht:
„Was war schön?“

Es fragt:
„Was funktioniert hier strukturell nicht
und warum habe ich es toleriert?“

Diese Frage stellt ihr euch nicht.
Also nennt ihr Beruhigung Reflexion.

Das Jahr endet – das Denken nicht

Das Jahr endet.
Ihr klatscht euch innerlich Beifall,
dass ihr „bewusst“ wart.

Dabei habt ihr euch nur kurz beruhigt.

Innehalten wäre gefährlich,
wenn ihr es ernst nehmen würdet.

Denn dann müsstet ihr euch selbst
als Denkfigur infrage stellen.

Das tut ihr nicht.
Also schreibt ihr lieber einen Jahresrückblick.