Du bist verantwortlich. Für deinen Job. Für dein Team. Für dein Kind. Für den Projektstatus. Für das Arbeitsklima. Für die Präsentation, die deine Kollegin versemmelt hat. Für die Deadline, die dein Chef gestern Abend geändert hat. Für die Stimmung im Raum. Für die Erwartungen deiner Eltern. Für das Budget, das nie zu dir gehört hat. Für das Kundenversprechen, das jemand anderes gegeben hat. Für die Ehe deines Bruders. Für den Lebenssinn deines Partners. Für das Glück deiner Mitarbeiter. Für die Fehler deines Vorgängers. Für die Kränkungen deiner Vergangenheit.
Und jetzt sag mir: Wofür genau bist du eigentlich nicht verantwortlich?
Die Wahrheit ist brutal. Du wurdest sozialisiert, alles zu schultern – und nichts zu hinterfragen. Verantwortung ist in unserer Kultur ein Gütesiegel. Wer viel trägt, ist viel wert. Wer wenig trägt, gilt als schwach, egoistisch, unreif, unzuverlässig. Also lädst du weiter auf, was nicht zu dir gehört – mit dem lächelnden Stolz eines Packesels, der für seine Last noch bewundert werden will.
Doch irgendwann bricht das stärkste Tier zusammen. Und du merkst, dass es nie um Stärke ging. Sondern um Klarheit. Und die hattest du nie.
Weil man dir nie beigebracht hat, wo Verantwortung aufhört.
Die perfide Aufladung des Wortes „Verantwortung“
Verantwortung klingt edel. Aber in deinem Alltag ist es oft ein Euphemismus für Grenzlosigkeit.
Wer Verantwortung übernimmt, ohne das Spielfeld zu definieren, spielt ein Spiel ohne Regeln. Und in diesem Spiel gewinnst du nie – du verlierst nur systematisch deine Energie, deine Identität, deine Wirksamkeit.
Weil du dich für Dinge abarbeitest, die du weder beeinflussen noch verändern noch kontrollieren kannst.
Ein Beispiel? Du willst das Team zusammenhalten, obwohl drei Leute längst innerlich gekündigt haben. Du versuchst, den Kunden zufriedenzustellen, obwohl das Produkt nicht hält, was es verspricht. Du bemühst dich, die Launen deines Vorgesetzten aufzufangen, obwohl du seine Gefühle nicht steuern kannst.
Du trägst Verantwortung in Räume, in denen du keine Macht hast.
Und das ist kein Heldentum. Das ist Selbstverleugnung.
Die Ownership-Illusion: Warum du dich für fremde Schulden ins Gefängnis setzt
Wenn du ständig Dinge verantwortest, die nicht dir gehören, verstrickst du dich in eine perfide psychische Architektur:
Du hältst dich für loyal – dabei bist du abhängig.
Du nennst dich engagiert – dabei bist du übergriffig.
Du glaubst, du seist empathisch – dabei verleugnest du dich selbst.
Denn jedes Mal, wenn du Verantwortung übernimmst, ohne sie zu prüfen, bezahlst du mit etwas Kostbarem:
Deinem Fokus. Deiner Energie. Deiner Würde.
Ownership ist kein All-you-can-eat-Buffet. Es ist ein Menü mit klarer Zutatenliste.
Aber du isst seit Jahren von Tellern, die nicht dir gehören – und wunderst dich über das Sodbrennen.
Wie du erkennst, was wirklich dein Job ist
Stell dir dein Leben als Bühne vor. Dort laufen viele Stücke gleichzeitig. Manche davon hast du geschrieben. Andere wurden dir einfach zugeteilt. Wieder andere hast du nie hinterfragt.
Frage 1: Habe ich in diesem Spiel wirklich eine Rolle, oder wurde ich nur auf die Bühne geschubst?
Frage 2: Habe ich das Drehbuch mitverfasst, oder improvisiere ich ständig im Skript anderer?
Frage 3: Ist meine Verantwortung hier konstruktiv – oder kompensiere ich nur die Fehler von Menschen, die sich ihrer Verantwortung entziehen?
Wenn du nicht mindestens zwei dieser Fragen mit einem klaren „Ja“ beantworten kannst, dann gehörst du nicht auf diese Bühne.
Die radikale Verantwortung für dich selbst
Hier ist der Mindfuck:
Erst wenn du aufhörst, alles zu verantworten, übernimmst du wirklich Verantwortung.
Nicht die Masse deiner Zuständigkeiten zeigt deine Reife – sondern die Präzision deines Grenzziehens.
Nicht das Ja zu allem macht dich stark – sondern das nein zu all dem, was nicht deins ist.
Du bist nicht auf der Welt, um das emotionale Sicherheitssystem anderer zu sein.
Du bist nicht hier, um Struktur in Chaos zu bringen, das du nicht verursacht hast.
Du bist nicht geboren, um der seelische Mülleimer fremder Konflikte zu sein.
Du bist hier, um dein Denken zu klären. Deine Verantwortung zu definieren. Und deine Rolle selbst zu wählen.
Das neue Paradigma: Ownership by Design
Es wird Zeit, dass du aufhörst, Verantwortung passiv zu übernehmen – und beginnst, sie aktiv zu designen.
Das bedeutet:
- Du definierst dein Spielfeld selbst.
- Du setzt Verantwortung in Relation zu deinem Einfluss.
- Du sagst nicht mehr reflexhaft „Ich mach das“, sondern „Ist das mein Job?“
- Du führst nicht durch Überlastung, sondern durch Bewusstheit.
- Du trägst nicht mehr alles, was liegenbleibt – du entscheidest, was du tragen willst.
Verantwortung wird dann kein Hamsterrad mehr sein.
Sondern ein Hebel. Ein präziser. Ein klarer. Ein bewusst gewählter.
Einer, der zu dir passt – weil du ihn gewählt hast.
Dein Ownership beginnt mit einer Entscheidung
Nicht mit einem Meeting. Nicht mit einem Coaching. Nicht mit einem Jobwechsel.
Sondern mit einem Satz, den du heute denkst – und morgen lebst:
Ich bin nicht für alles verantwortlich. Aber für das, was ich verantworten will – da bin ich voll da.
Und wenn du genau das lernen willst – jenseits von Rollen, Reflexen und Romantisierungen –
dann gibt es ein Buch, das dir diesen Denkraum öffnet.
Es wartet auf dich. Wie die Verantwortung, die wirklich zu dir gehört.
