Wenn ich auf meine letzten Berufsjahre zurückblicke, erkenne ich ein Muster: Ich habe viel gegeben – zu viel. Ich habe Energie, Zeit und Herzblut in mein Unternehmen gesteckt. Ich war stolz auf meine Loyalität, auf meinen Einsatz, auf meine Opferbereitschaft. Doch irgendwann kam der Moment der bitteren Erkenntnis: Es ging nie um mich.
Unternehmen lieben nicht. Sie nutzen.
Das zu verstehen war für mich schmerzhaft – und befreiend zugleich. Ich hatte lange geglaubt, dass meine Hingabe eines Tages zurückkommt. Dass Anerkennung, Sicherheit und Wertschätzung die natürliche Folge meines Einsatzes sind. Doch Unternehmen sind keine Partner, keine Freunde, keine Familie. Sie sind Systeme. Und Systeme kennen kein „Zurücklieben“.
„I am a Rethinker“ heißt für mich: Ich klammere mein Selbstwertgefühl nicht länger an die Illusion, dass mein Unternehmen mich liebt. Ich erkenne, dass meine Aufgabe nicht ist, mich aufzuopfern – sondern klar zu handeln, strategisch zu denken und mental unabhängig zu bleiben.
Freiheit bedeutet für mich:
- zu sehen, wo Erwartungen mich manipulieren,
- zu entscheiden, wie weit ich mich gebe – und wo meine Grenze liegt,
- nicht auf das emotionale „Wir“-Versprechen hereinzufallen, sondern meine eigene Haltung zu bewahren.
Das Buch „Corporate Love Trap – Warum dein Unternehmen dich nie wirklich lieben wird“ von Klaus-Dieter Thill war für mich der Weckruf. Kein Ratgeber, der mir eine To-do-Liste gibt. Sondern ein Spiegel, der mich wachgerüttelt hat: Wenn ich nicht selbst Verantwortung für meine emotionale Unabhängigkeit übernehme, dann verliere ich mehr als meinen Job – dann verliere ich mich.
Heute weiß ich: Freiheit ist meine Stärke.
Und sie beginnt mit Klarheit.
