TSVG und überlange Wartezeiten: Die kleinteilige und symptombezogene Diskussion lenkt von der Beschäftigung mit der Ursache ab

Worum es geht

Mit immer mehr Statistiken werden im Vorfeld der Verabschiedung des TSVG die Wartezeiten von Privat- und Kassenpatienten bei Haus- und Fachärzten durchleuchtet. Doch wirklich zielführend ist das Ganze nicht, den es wird lediglich die Symptomatik analysiert, nicht aber über die Ursache gesprochen: die unzureichende Organisation der Arbeit in Arztpraxen.

Wer sucht, der findet

Praxis-Teams, die ihre Strukturen und Abläufe einmal komplett auf den Prüfstand gestellt haben, sind stets erstaunt bis entsetzt, wie viel Zeit sie durch Fehljustierungen und ungenutzte Verbesserungsmöglichkeiten regelrecht verschwenden. Hieraus resultieren nicht nur überlange Wartezeiten und unzufriedene Patienten, sondern auch Arbeitsdruck und Überstunden.

Problembewusstsein und Selbstkritik fehlen

Wartezeiten in Praxen und auf Termine werden nie vollständig vermeidbar sein, könnten aber auf einem Niveau liegen, das der jeweiligen Versorgungs-Dringlichkeit absolut gerecht wird. Voraussetzung ist jedoch ein Problembewusstsein und die Bereitschaft zu Selbstkritik in den Praxisbetrieben, doch nur ein geringer Teil der Ärzteschaft konnte sich bislang entschließen, ihre bei Praxisgründung oder -Übernahme etablierten und im Laufe der Zeit kaum veränderte Routinen zu überprüfen. Die meisten Praxisinhaber sehen die Gründe für organisatorische Verzögerungen in ausufernder Administration oder undisziplinierten Patienten. So haben bislang auch erst knapp 30% der Haus- und Fachärzte eine professionelle Organisations-Analyse durchgeführt haben.

Es geht auch einfach

Doch auch „kleine“ Lösungen sind möglich, z. B. in Form von Stärken-Schwächen-Analysen oder Brainstormings anlässlich von Teambesprechungen. Besonders die Medizinischen Fachangestellten – das zeigen die Resultate von Mitarbeiterbefragungen immer wieder – sehen die Schwachstellen der Praxis-Prozesse ganz genau und haben auch gute Lösungen parat. Doch umgesetzt werden die meist nicht, denn: “…der Chef will das nicht…!”.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

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