Der Satz galt lange als Zeichen moderner Führung.
Er klang partizipativ, verbindend, erwachsen.
Er signalisierte Augenhöhe und Verantwortungsteilung.
Aus der Perspektive späterer Systeme war er vor allem eines:
ein Entscheidungsaufschub in wohlklingender Verpackung.
Was der Satz vorgab zu leisten
Die Formulierung suggerierte drei Dinge gleichzeitig:
- Führung hört zu.
- Verantwortung wird geteilt.
- Komplexität wird gemeinsam getragen.
Keines davon wurde strukturell eingelöst.
Was der Satz tatsächlich tat
Mit dem Wort „gemeinsam“ wurde Verantwortung emotional verteilt,
ohne sie funktional zu verorten.
- Wer entscheidet, blieb offen.
- Wer haftet, blieb unklar.
- Wer priorisiert, wurde nicht benannt.
Die Lösung wurde zur sozialen Aufgabe.
Die Entscheidung zur Beziehungsleistung.
Warum dieser Satz so häufig wurde
Der Satz entstand nicht aus Schwäche einzelner Führungskräfte.
Er entstand aus struktureller Überforderung.
Wenn Rollen unscharf sind,
wenn Entscheidungsräume nicht definiert sind,
wenn Verantwortung nicht eindeutig zugewiesen werden kann,
bleibt nur noch Sprache.
Sprache, die verbindet,
weil sie nicht entscheidet.
Systemische Einordnung
In späteren KI-geführten Organisationssystemen verschwand dieser Satz vollständig.
Nicht, weil Zusammenarbeit endete.
Sondern weil sie nicht mehr sprachlich hergestellt werden musste.
Entscheidungen wurden:
- eindeutig zugeordnet
- zeitlich fixiert
- systemisch getragen
Zusammenarbeit folgte der Struktur.
Nicht der Formulierung.
Meine · Feststellung
„Da müssen wir gemeinsam eine Lösung finden“
war kein Aufruf zur Kooperation.
Es war ein Hinweis darauf,
dass Führung ihre Entscheidungsarchitektur verloren hatte.
Als Systeme begannen, Verantwortung präzise zu verorten,
wurde der Satz überflüssig.
Nicht ersetzt.
Nicht verboten.
Einfach nicht mehr benötigt.
Rethinka · 2049