Zeitmanagement in der Arztpraxis: Wie planen Jungmediziner am besten ihre Arbeit?

Worum es geht

„Wo ist meine Zeit geblieben?“ Nicht nur bei der Neugründung, bei Übernahmen oder im Rahmen von Zusammenschlüssen stellen sich Haus- und Fachärzte diese Frage, sondern auch „gestandene“ Kollegen klagen über Zeitmangel. Das lässt sich nicht immer vermeiden, doch es muss kein Dauerzustand sein, wenn man einige Grundregeln des Managements von Zeit beachtet.

Zeit-Management bedeutet aktive Gestaltung

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, muss häufig erst einmal umdenken: Zeitmangel bei der ärztlichen Tätigkeit entsteht nur zu einem geringen Teil durch äußere Einflüsse, er ist vor allem das Resultat von Fehlentscheidungen zur persönlichen Zeitdisposition und zur Praxisorganisation. Oder positiv formuliert: mit Hilfe einer systematischen Zeitplanung und einem angepassten Praxismanagement gelangt man ganzheitlich zu zeitlicher Gestaltungsfreiheit. Dieser Zustand ist übrigens das „Geheimnis“ überdurchschnittlich erfolgreicher Praxisinhaber: mit der aus dieser Freiheit resultierenden inneren Ruhe gelingt es ihnen – neben ihrem exzellenten fachlichen Können – , den Patienten das Gefühl zu vermitteln, im Mittelpunkt des Praxisgeschehens und ihrer Aufmerksamkeit zu stehen, ein Ansatz, der die Patientenbindung fast automatisch sicherstellt.

Definition des Handlungsrahmens

Um die für die eigene Zeitverwendung „richtigen“ Entscheidungen treffen zu können, müssen zunächst ein Handlungsrahmen bestimmt und Informationen beschafft werden. Der Rahmen definiert sich u. a. durch Aspekte wie :

  • das geplante persönliche Verhältnis von beruflichem zu privatem Engagement,
  • den Lebenszyklus der Praxis
  • die angestrebten finanziellen Ziele
  • die personelle Kapazität der Praxis
  • die Zeit-Ziele der möglichen Partner
  • etc.

Sammlung der benötigten Informationen

Die benötigten Informationen beziehen sich auf die Tätigkeiten, die aus den angebotenen Leistungen resultieren und den hierfür anfallenden Zeitbedarf. Der ist gerade für Neugründer oftmals schwer einzuschätzen, aber häufig können befreundete oder bekannte etablierte Kollegen Hilfestellung geben. Ergänzt um eigene Einschätzungen lässt sich so ein erster Arbeitsprozess-Zeitbedarf-Plan aufstellen, der dann durch die Erfahrungen der Behandlungsrealität schrittweise verfeinert wird. Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang auch die Raumnutzung sowie die Laufwege-Planung.

Auch die Qualität der Praxisorganisation bestimmt das Management der Zeit

Das Zeitmanagement ist untrennbar mit der Praxisorganisation verbunden, den Abläufen, die sich im Hintergrund der ärztlichen Tätigkeit abspielen. Das beste persönliche Zeitmanagement hilft nichts, wenn z.B. immer wieder unangemeldete Patienten eingeschoben werden oder Materialien nicht verfügbar sind. Jeder Fehler in der Organisation torpediert das ärztliche Zeitmanagement. Dem begegnet man am besten durch

  • klare Absprachen mit den Mitarbeiterinnen zu den Arbeitsabläufen und Verhaltensweisen bei der Patientenbetreuung und -versorgung,
  • einen engmaschigen praxisinternen Austausch zu allen organisatorischen Fragen, z B in den regelmäßig stattfindenden Teambesprechungen,
  • tägliche morgendliche Kurzbesprechungen, die dem Ziel einer gemeinsamen Orientierung für den Tag dienen.

Weitere Tipps: Mitarbeiterinnen, die Termine vereinbaren, sollten in der Lage sein, durch Fragen den Zeitaufwand für die Behandlung der Patienten einzugrenzen und die Termine so zu verteilen, dass daraus eine gleichmäßige Auslastung der Praxis resultiert. Terminerinnerungen helfen, No Shows zu vermeiden.

Mit wenigen Regeln zum Zeit-Manager

Erfolgreiches persönliches Zeitmanagement basiert darüber hinaus auf der Anwendung einer Reihe weniger Grundregeln:

Strikte Disziplin

Alle Ziele und Absprachen helfen nichts, wenn sie nicht eingehalten werden. Das betrifft das Arbeitsverhalten des Personals, aber auch die Zeitverwendung des Praxisinhabers.

Ausreichende Personal-Kapazität

Die Personal-Stärke muss in Einklang mit dem Patientenaufkommen und dem Arbeitspensum stehen, jedes Missverhältnis spürt der Arzt direkt in seinem Zeitmanagement.

Konsequente Delegation

Sie ist das zentrales Management-Prinzip der Zeitverwendung: alle nicht-ärztlichen Arbeiten werden an die Mitarbeiterinnen übertragen, um die persönliche zeitlicher Beanspruchung auf die Kerntätigkeit zu konzentrieren.

Unbedingte Störungs-Vermeidung

Anrufe und Zwischenfragen des Personals werden nicht nur von den Patienten als störend empfunden, sondern unterbrechen auch den Arbeitsfluss. Dem begegnet man durch verbindliche Absprachen mit den Mitarbeiterinnen, in welchen – wenigen! – Ausnahmefällen Behandlungen gestört werden dürfen.

Festlegung von Prioritäten

Der Gefahr der „Verzettelung“, wenn eine Vielzahl von Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen ist, wirkt man entgegen, indem man für sich selbst und für das Team festlegt, welche Tätigkeiten / Anforderungen als wichtig und sofort zu erledigen einzustufen sind, welche etwas Zeit haben und welche beliebig zurückgestellt werden können.

Klaus-Dieter Thill / IFABS

Diesen Beitrag zitieren

Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

Bildnachweis

©IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES


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