Worum es geht
In der modernen Geschäftswelt wird Teamarbeit oft als Schlüssel zum Erfolg angesehen. Unternehmen investieren erheblich in Teambuilding, Kollaborations-Tools und Führungsprogramme, um eine effektive Zusammenarbeit zu fördern. Doch trotz dieser Bemühungen sind viele Teams eine Fiktion und keine Realität.
Was ist Teamfiction?
Der Begriff beschreibt die Diskrepanz zwischen der behaupteten Existenz von Teams in Unternehmen und der tatsächlichen organisatorischen Realität, in der echte Teamarbeit gemäß der Definition eines Teams oft nicht stattfindet. “Teamfiction” verweist auf eine Art Scheinwelt, in der Teams zwar nominell existieren, die Arbeitsweise jedoch nicht den grundlegenden Kriterien echter Teamarbeit entspricht.
Teamfiction ist messbar
Setzt man die Grundanforderungen an eine optimal funktionierende Zusammenarbeit in Relation zur Zufriedenheit der Mitarbeiter mit diesen Parametern, lässt sich hieraus der Teamwork Quality Score (TQS) ableiten. Er macht die Kollaborations-Qualität des Personals messbar. Hierbei gelten folgende Kriterien:
TQS > 80 %: Team
Die Zusammenarbeit ist durch gemeinsame Ziele, eine weitgehend autonome Aufgabenerledigung, gegenseitige Ergänzung und Unterstützung sowie durch eine Selbststeuerung zur Lösung von Problemen und eigeninitiativ entwickelte Maß-nahmen zur Verbesserung des Arbeitsergebnisses charakterisiert. Es existiert also tatsächlich ein Team.
TQS > 60 % bis <= 80 %: Gemeinschaft
Sie ist ein Mix aus den Eigenschaften der Gruppe und des Teams, es fehlen aber noch entscheidende Aspekte in der Zusammenarbeit, um eine vollständige Synergie der Kollaboration zu erreichen, die die Produktivität und Effizienz eines Teams ausmachen.
TQS > 40 % bis <= 60 %: Gruppe
Zusammenarbeit, die in diesen Bereich fällt, ist durch eine geringe Synergie der Einzelaktivitäten geprägt: man arbeitet miteinander, aber immer nur in dem vorgegebenen Rahmen. Eigeninitiative oder ein Aushelfen bei Problemen sind eher selten. Das Miteinander ist zudem häufig durch ungelöste Konflikte geprägt. Zwar strebt jede Mitarbeiter danach, seine Aufgaben gut zu erledigen, ein nachhaltiges Engagement zu steter Verbesserung existiert jedoch nicht.
TQS 0 bis <= 40 % Zweckverbund
Hier ist die Arbeitsleistung durch „Dienst nach Vorschrift“ und „Einzelkämper-Verhalten“ geprägt.
Die häufigste Form der Zusammenarbeit in Unternehmen ist die Gruppe.
Ursachen der Teamfiction
Mangelnde Klarheit in Zielen und Erwartungen: Werden die Ziele und Erwartungen an das Team nicht klar kommuniziert oder verstanden, führt das zu Desorientierung und ineffizienten Bemühungen. Jedes Teammitglied hat unterschiedliche Vorstellungen davon, was Erfolg bedeutet, woraus eine verzerrte Wahrnehmung von Effizienz resultiert.
Ineffektive Führung: Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Teamdynamik. Schwache Führung, die sich durch mangelnde Entscheidungsfähigkeit, unklare Kommunikation oder Unfähigkeit, das Team zu motivieren, auszeichnet, präformierte immer Teamfiction.
Fehlende Verantwortlichkeit: Ohne ein klares System der Verantwortlichkeit werden Aufgaben unvollständig erfüllt oder entsprechen in der Umsetzung nicht den Standards, ohne dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird. Das fördert eine Kultur, in der Mittelmäßigkeit toleriert und sogar unbewusst gefördert wird.
Vermeidung von Konflikten: Konflikte sind in Teams unvermeidlich und können, wenn sie konstruktiv gehandhabt werden, zu besseren Lösungen und Innovationen führen. Teams, die Konflikte vermeiden oder unterdrücken, neigen dazu, in eine Fiktion der Harmonie zu verfallen, die tiefgreifende Probleme und Unzufriedenheit verbirgt.
Auswirkungen der Teamfiction
Reduzierte Produktivität und Effizienz: Teams, die unter Teamfiction leiden, verbringen oft mehr Zeit mit der Bewältigung interner Probleme als mit der produktiven Arbeit. Dadurch verlängern sich Projektzeiten, erhöhen sich Kosten und werden Chancen verpasst.
Demotivation und Burn-out: Mitarbeiter, die in einer Umgebung der Teamfiction arbeiten, werden zunehmend frustriert und demotiviert. Sie fühlen sich missverstanden oder übersehen und können im Extremfall Symptome des Burn-outs entwickeln.
Qualitätsverlust: Die Qualität der Arbeit leidet oft unter ineffizienten Prozessen, mangelnder Koordination und unklarer Verantwortlichkeit. Fehler können häufiger auftreten, und die Endprodukte oder Dienstleistungen erreichen möglicherweise nicht die erwarteten Standards.
Hohe Fluktuation: Talentierte Mitarbeiter sind oft die Ersten, die eine Umgebung der Teamfiction verlassen. Sie suchen nach Arbeitsplätzen, wo ihre Fähigkeiten anerkannt und effektiv genutzt werden, und wo eine echte Teamarbeit möglich ist.
Fazit
Teamfiction ist ein ernsthaftes Hindernis für Effizienz und Erfolg in Unternehmen. Sie entsteht, wenn Teams ineffektiv geführt werden, Ziele unklar sind, Konflikte vermieden werden und es an Transparenz und Verantwortlichkeit mangelt. Die Auswirkungen reichen von reduzierter Effizienz und Qualität bis zu Mitarbeiterunzufriedenheit und erhöhter Fluktuation. Um Teamfiction zu überwinden, müssen Unternehmen in klare Kommunikation, starke Führung, effektives Konfliktmanagement und Systeme der Verantwortlichkeit investieren. Indem sie diese Schritte unternehmen, können sie eine Umgebung schaffen, die echte Teamarbeit fördert und die Grundlage für langfristigen Erfolg und Zufriedenheit im Team legt. Es ist eine kontinuierliche Aufgabe, die Aufmerksamkeit, Engagement und die Bereitschaft erfordert, bestehende Strukturen und Prozesse zu überdenken und zu verbessern.
Weiterführende Informationen
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