Arztpraxen: Fehlende Management-Fähigkeiten behindern die Digitalisierung und gefährden den zukünftigen Praxiserfolg

Worum es geht

Fehlende oder unzureichende Management-Fähigkeiten wirken sich nicht nur einschränkend auf die Qualität der Patientenversorgung aus, sondern auch auf die Transformation und in der Konsequenz auf den Praxiserfolg.

Die Transformation benötigt einen funktionierenden Einsatzrahmen

Digitale Lösungen zur Unterstützung der medizinischen Patientenversorgung und der Administration bieten eine Vielfalt an Funktionen zur Qualitätsverbesserung sowie zur Effizienz- und Produktivitätssteigerung. Doch das Ausmaß der tatsächlichen Entfaltung des Nutzens hängt entscheidend von der Management-Qualität in den Praxisbetrieben ab. Ist sie nur gering ausgeprägt, sind Digital-Lösungen zwar grundsätzlich einsetzbar, können aber nur geringe Effekte entfalten.

Professionelles Management: kein Thema für Haus- und Fachärzte

Dass es um die Management-Fähigkeit deutscher Ärzte schlecht bestellt ist – vor allem in den Bereichen „Organisation“, „Kommunikation“ und „Führung“ – erleben Medizinische Fachangestellte und Patienten in den negativen Auswirkungen täglich leidvoll. Der Grund: in Arztpraxen werden – über alle Fachgruppen und Praxisformen bzw. –größen betrachtet – durchschnittlich nur 53% der für ein reibungslos funktionierendes Management notwendigen Regelungen, Verhaltensweisen und Instrumente eingesetzt. Und selbst in Betrieben, in denen die Teams akut keine Beeinträchtigung ihrer Arbeit verspüren, existieren häufig Management-bedingte Risikofaktoren, die mittel- bis langfristig zu Problemen führen.

Ärzte sind auch Unternehmer, akzeptieren diese Rolle aber nicht

In der Konsequenz ist hierdurch nicht nur die medizinische Versorgungsqualität geringer als sie sein könnte, sondern viele Praxisteams arbeiten am Limit ohne es eigentlich zu müssen. Ärzte sehen die Gründe für die Arbeitsüberlastung jedoch fast ausschließlich im Außenbereich der Praxen, vor allem in Form ausufernder Administration und überhöhter Patientenanforderungen. Das eigene Management ist für sie keine Stellgröße, da sie die unternehmerische Komponente ihrer Arbeit ausblenden und sich als Mediziner, nicht als Manager sehen. Doch das ist ein Irrtum, denn mit Hilfe des Managements erfolgt der Transfer der medizinischen Kompetenz zu den Patienten. Die besten Therapie-Lösungen kommen nicht zum Tragen, wenn das Management nicht adäquat ausgerichtet ist.

Die Digitalisierung ist eine individuelle unternehmerische Entscheidung

Der gleiche Zusammenhang gilt für Digital-Lösungen. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung – abgesehen von grundsätzlichen Anforderungen wie die TI – eine individuelle unternehmerische Entscheidung ist. Neben der Transformations-Bereitschaft der Ärzte spielen bei der konkreten Ausgestaltung in einem Praxisbetrieb die medizinischen Schwerpunkte und die Patienten-Zielgruppen eine wichtige Rolle. Doch Praxisinhaber sind es bislang gewohnt, bei Veränderungen nach Standards und Vorgaben mit langen Vorlaufzeiten zu handeln. Die Transformation vollzieht sich aber ganz anders. Zudem werden sich zukünftig – beginnend mit der Aufhebung des Fernbehandlungs-Verbotes – immer mehr Bereiche der medizinischen Versorgung für neue Leistungsanbieter öffnen und zu ansteigender Konkurrenz führen. Die Ausgangs-Situation der Ärzte ist hierzu momentan aufgrund der Management-Defizite und ihrer Konsequenzen denkbar schlecht und ein Aufbau entsprechender Kompetenz ist dringend notwendig. Hiervon würden alle Akteure der ambulanten Medizin profitieren.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

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©IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES


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