Entwicklung des Gesundheitswesen: Das unbeachtete Problem der Management-Insuffizienz

Worum es geht

Bei der Entwicklung des Gesundheitswesens stehen vor allem der medizinische Fortschritt, strukturelle und Finanzierung-Fragen sowie aktuell in besonderer Intensität die Digitalisierung im Vordergrund. Weitgehend unbeachtet bleibt dabei eine zentrale Voraussetzung, um die genannten Aspekte in konkrete Versorgungsqualität umzusetzen: die Management-Fähigkeiten der Akteure. Sie ist gegenwärtig nur gering ausgebildet.

Der Transfer ist das Problem

Wer heute Berichte zu medizinischen, medizin- und digitaltechnischen Entwicklungen liest, gewinnt den Eindruck, dass die Zukunft des Gesundheitswesens im Grunde bereits begonnen hat. Und tatsächlich stehen immer mehr erprobte, zugelassene und einsatzbereite Verfahren und Produkte für einen Einsatz zur Verfügung. Der Nutzen, den sie bei einer entsprechenden Implementierung für die Gesundheitsversorgung haben, ist aber häufig nur gering, denn der Transfer an die Leistungsempfänger funktioniert nur unzureichend. Verantwortlich ist hierfür die geringe Management-Fähigkeit vieler Akteur des Gesundheitswesens.

Ein Beispiel zeigt das Defizit

Ein einfaches, aber prägnantes und vor allem repräsentatives Beispiel ist der elektronische Arztbrief. Die Technik ermöglicht einen schnellen Versand sowie umfassende Verfügbarkeit und spart Kosten. Doch die Defizite, die in Zusammenhang mit diesem Medium ambulant und stationär beklagt werden, haben sich bislang nur wenig verändert: die Informationen werden zu spät bereitgestellt und stimmen nicht mit den Anforderungen der Empfänger überein. Der Grund sind Management-Defizite.

Eine Exploration zum Thema

Die ersten Ergebnisse einer Exploration zur Management-Qualität im Gesundheitswesen zeigen, dass beispielsweise niedergelassene Ärzte in den Management-Bereichen „Analyse“, „Planung“, „Organisation“ und „Kontrolle“ lediglich knapp 40% der für ein professionelle Praxismanagement notwendigen Instrumente einsetzen. Diese Größenordnung zeigt auch, warum Eingriffe des Gesetzgebers in Praxisprozesse nicht sinnvoll ist, denn das eigentliche Problem liegt in den fehlenden Management-Fähigkeiten, die ganz besonders an Schnittstellen der Versorgung offensichtlich werden.
Aber auch in Unternehmen der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie, in denen eigentlich die Management-Spezialisten arbeiten, werden im Mittel nur 60% der für diesen Arbeitsbereich notwendigen Basics realisiert.

Es muss gehandelt werden

Eine qualitativ optimierte Gesundheitsversorgung und vor allem eine nutzenmaximale Digitalisierung sind ohne ein reibungslos funktionierendes Management nicht möglich. Hierbei steht vor allem die Methoden-Kompetenz der Mediziner im Vordergrund, die einer grundsätzlichen und schnellen Entwicklung bedarf, damit Patienten tatsächlich (noch) besser versorgt werden.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

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©IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES


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