Praxismanagement: Das Autopilot-Problem

Worum es geht

Eine Auswertung von Mitarbeiterbefragungen in Haus- und Facharztpraxen zeigt, dass viele Praxisinhaber ihrem Personal zu wenig Orientierung, Rückhalt und Anreize geben und auf eine Selbststeuerung in ihren Teams setzen. Dieses Defizit hat direkte Auswirkungen auf Effizienz, Produktivität und sogar auf das Praxisergebnis.

Medizinische Fachangestellte erwarten aktive Chefs

Die Auswertung der Ergebnisse aus knapp 400 Mitarbeiterbefragungen (Methode: Valetudo Check-up© „Teamwork Arztpraxis“) erbrachte, dass mehr als die Hälfte der einbezogenen Medizinischen Fachangestellten über fehlendes oder aus ihrer Sicht kontraproduktives Verhalten der Praxisinhaber klagten. Vor allem wurden hierbei folgende Punkte genannt:

  • fehlende, unklare oder wechselnde Ziele
  • unzureichende Aufgabenteilung
  • fehlendes Feedback
  • kaum Kompetenz-Spielräume und Handlungsweisen-Freiräume
  • ungelöste Konflikte
  • geringe Annahme und Umsetzung von Verbesserungs-Vorschlägen
  • zu wenig interne Kommunikation
  • schlechter Informationsfluss
  • Missachtung von Absprachen
  • Ergreifen der Patienten-Partei.

Gruppen statt Teams

Die Vernachlässigung von individueller Mitarbeiter- und kollektiver Teamführung, die reduzierte Einbeziehung der MFA in die Gestaltung des Arbeitsrahmens und eine fehlende motivatorische Untermauerung führen u. a. dazu, dass in Haus- und Facharztpraxen der aktuelle durchschnittliche Teamwork Quality Score (TQS), die Kennziffer, die die Relation der MFA-Zufriedenheit mit den Determinanten der Zusammenarbeit und ihren Anforderungen beschreibt, bei nur 43,7% (Optimum: 100%,) liegt.
Zusammenarbeit, die in den TQS-Bereich zwischen 40% und 60% fällt, bezeichnet eine Kollaboration in Gruppen-Form. Sie ist durch eine geringe Synergie der Einzelaktivitäten geprägt: man arbeitet miteinander, aber immer nur in dem Rahmen, der vorgegeben ist. Eigeninitiative oder ein Aushelfen bei Problemen sind eher selten. Die Zusammenarbeit ist zudem häufig durch ungelöste Konflikte geprägt. Zwar strebt jede Medizinische Fachangestellte danach, ihre Aufgaben gut zu erledigen, ein nachhaltiges Engagement zu steter Verbesserung existiert jedoch nicht.

Deutliche Unterschreitung der Produktivität-Schwelle

Doch erst ab einem TQS von 60% wird die Zusammenarbeit produktiv und Ärzte profitieren von der Synergie und den motivatorischen Effekten der Zusammenarbeit. Konkret bedeutet das, dass von diesem Niveau an

  • die Organisation besser funktioniert und es zu weniger Flüchtigkeitsfehlern und Doppelarbeiten kommt,
  • Praxisinhaber aufgrund der operativen Selbststeuerung-Fähigkeiten ihrer Medizinischen Fachangestellten vom nicht-medizinischen Tagesgeschäft kaum beansprucht werden,
  • nahezu keine Überstunden anfallen,
  • die Stressbelastung für alle geringer ist,
  • die Patienten deutlich zufriedener sind und auch die Weiterempfehlungsquote ausgeprägter ist.