Management-Subkulturen: Wenn Führungskräfte das eigene Unternehmen unterwandern

Worum es geht

Ein Management-Thema, das bislang im Management nur wenig Beachtung gefunden, aber einen großen Einfluss auf den langfristigen Unternehmenserfolg hat, ist die Bildung von Management-Subkulturen. Eine gefährliche Unterlassung.

Der unsichtbare Feind

Subkulturen sind Unternehmensbereiche, Abteilungen oder Mitarbeiter-Gruppen, die innerhalb der eigenen Firmen konform auftreten und sich vordergründig zu den Unternehmenszielen bekennen, aber gleichzeitig abgekoppelt nach ganz eigenen Regeln arbeiten. Sie sind kaum erkennbar, agieren äußert geschickt und leisten durchaus einen Beitrag zur Unternehmens-Performance, schaden ihr aber in gleichem Ausmaß auch.

Ursachen der Subkultur-Bildung

Die Gründe für ihre Bildung lassen sich in drei Kategorien systematisieren:

  • Kommunikationsdefizite der Unternehmensleitung

Fühlen sich Führungskräfte auf Dauer von der Unternehmensleitung schlecht oder falsch informiert, besteht die Gefahr eines Abrückens. Sie ist besonders groß bei Firmenübernahmen.

  • Zu hoch gesetzte und nicht erreichbare Ziele

Unrealistische Ziele führen unweigerlich zu trotzhaften Gegenreaktionen, primär bei denjenigen, die mittels Fakten und Belegen im Vorfeld der Zielbildung auf den mangelnden Realitätsbezug hingewiesen haben.

  • Unzufriedenheit und Enttäuschung

Anhaltende Demotivation führt zu einem verdeckten Widerstand gegen die Demotivatoren und Manager schaffen sich ihre eigenen Erfolgserlebnisse.

Einbindung der Mitarbeiter

Die Initiatoren solcher Subkulturen, haben meist keine großen Probleme, ihre Mitarbeiter auf ihre Seite zu ziehen. Sie bilden mit ihnen eine „verschworene Gemeinschaft“, die eigene Verfahrens- und Kommunikationsroutinen entwickelt, teilweise sogar eigene Ziele, die später in die „offiziellen Ziele“ überführt werden. Subkultur-Manager verstehen es, ihren Mitarbeitern das Gefühl zu vermitteln, eine „Elite im Verborgenen“ zu sein. Deshalb sind sie häufig deutlich beliebter als andere Führungskräfte und auch angesehener, da sie für ihren Mut, einen „anderen Weg“ zu gehen, bewundert werden.

Vor- und Nachteile für ein Unternehmen

Management-Subkulturen haben positive und negative Effekte für ein Unternehmen. Sie können zu überdurchschnittlich guten Bereichsleistungen führen, insbesondere dann, wenn die Subkultur-Strategie besser ist als die für den Bereich vorgesehene Unternehmensstrategie.

Sie können aber auch – und das ist der häufigere Fall – ein Unternehmen gefährden, beispielsweise, wenn ein Area-Manager im Vertrieb vorgegebene Verkaufs-Konzepte umschreibt und Produkte oder Dienstleistungen anders positioniert als vorgegeben. Dieser Ansatz kann zu hervorragenden regionalen Marktergebnissen führen, die Markenbildung aber nachhaltig konterkarieren.

Die entscheidende Gefahr besteht im Transfer der Verselbständigungs-Tendenz, der im Extremfall eine umfassende Erosion des Unternehmens-Innenverhältnisses ermöglicht. Denn Subkultur-Manager sprechen mit Vertrauten aus anderen Bereichen oder Abteilungen über ihre Ansätze und können so eine „Subkultur-Infizierung“ einleiten, die langsam, aber stetig voranschreitet. Die Folge ist das Abrücken einer anwachsenden Mitarbeiter-Anzahl vom ideellen und realen Unternehmenskern.

Subkultur und innere Kündigung

Das Erstaunliche bei Subkultur-Managern ist, dass sie i. d. R. noch nicht innerlich gekündigt haben. Das erschwert ein frühzeitiges Erkennen derartiger Prozesse, verbunden mit der Chance, eine Subkultur-Bildung zu verhindern. Vorstände, Geschäftsführer und Bereichs- / Abteilungsleiter achten aber bislang viel zu wenig auf derartige Entwicklungen. Werden die Ziele erreicht, herrscht für sie Ordnung.

Hellhörig sollte man jedoch werden, wenn häufiger Aussagen fallen wie: „Wir machen das auf unsere Weise.“ oder: „Das Problem gehen wir bei uns individuell an.“ Besser als abzuwarten ist jedoch, regelmäßig Analyse-Gespräche mit einem „SubkulturCheck“ durchzuführen, um

  • die Unternehmensnähe der Mitarbeiter zu überprüfen,
  • die Loyalität zum Vorgesetzten zu bestimmen,
  • über Projektgespräche den Arbeitsstatus zu erheben. Je konkreter hierbei die Projekte beschrieben werden, desto weniger ausgeprägt ist die Gefahr einer Subkultur-Bildung.