Rethinking: Viele Stellenanzeigen sind für High Performer unattraktiv

Ein Beispiel

„Neue Herausforderung in der Indikation X gesucht? 🚀“

Du bist kommunikativ, hast ein gutes Gespür für Menschen und möchtest im Außendienst mehr bewegen als nur Zahlen? Dann könnte diese Stelle bei uns genau die richtige für dich sein:

Wir suchen Pharmareferent:innen (m/w/d) in der Indikation X für diese Gebiete:…

Was dich erwartet:

✔️ Ein vielfältiges Gebiet mit großem Gestaltungsspielraum

✔️ Der Austausch auf Augenhöhe mit Ärzt:innen und medizinischen Fachkräften

✔️ Ein starkes Team im Rücken – mit klarer Vision und echtem Zusammenhalt

✔️ Und vor allem: Die Möglichkeit, mit deiner Arbeit das Leben von Patient:innen nachhaltig zu verbessern

Klingt spannend? Dann freuen wir uns, dich kennenzulernen!

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Das Anzeigen-Assessment

Die Stellenanzeige wirkt auf den ersten Blick freundlich, zugänglich und emotional ansprechend – aber aus Sicht der High Performer-Gewinnung ist sie kritisch zu hinterfragen. Sie bleibt im kommunikativen Mainstream verhaftet, verfehlt zentrale psychologische Trigger leistungsstarker Persönlichkeiten und offenbart ungewollt ein unzureichendes Verständnis von deren Denk- und Motivationsstruktur. Hier eine detaillierte Bewertung entlang zentraler Aspekte:

🔍 1. Kein Denkrahmen, keine Relevanz – der Einstieg verpufft

„Neue Herausforderung in der Indikation X gesucht?“ ist ein Allerwelts-Einstieg. Für High Performer fehlt jeglicher kognitiver Reiz. Sie denken nicht in „Jobs“, sondern in Impact, Systemveränderung, Strategie und Bedeutung. Der Einstieg ist zu weich, zu generisch, zu bedürftig. Er wirkt wie eine Einladung an Bewerber mit Orientierungslosigkeit – nicht an Personen mit klarer Mission. Was fehlt, ist ein starkes Framing, das sofort signalisiert: „Hier wirst du als Denkarchitekt gebraucht – nicht als Verkäufer auf Autopilot.“

🧠 2. Fehlende kognitive Herausforderung – keine Einladung zur Komplexität

„Du bist kommunikativ, hast ein gutes Gespür für Menschen…“ – das sind weichgespülte, oberflächlich-soziale Merkmale, die nichts über die intellektuelle Flughöhe der Aufgabe aussagen. High Performer erwarten ein intellektuell reizvolles Spielfeld – keine Beschreibung von Soft Skills, die auch im Kindergarten nützlich wären. Kein Wort über:

  • systemische Komplexität der Versorgungslandschaft
  • strategische Bedeutung der Indikation im Markt
  • interdisziplinäres Denken in multiprofessionellen Settings
  • neuropsychologisches Verständnis für Entscheidungsprozesse im ärztlichen Gespräch

Stattdessen: Feelgood-Floskeln.

📉 3. Die Aufgabenbeschreibung ist rein reaktiv – nicht gestaltend

„Austausch auf Augenhöhe“, „ein starkes Team im Rücken“, „das Leben von Patient:innen verbessern“ – das sind noble Ziele. Aber sie sind vage, passiv und austauschbar. Kein Wort davon, welche Transformation, welche Marktdurchdringung, welcher Denkrahmenwechsel durch diese Rolle erfolgen soll.

High Performer wollen keine Aufgabe erledigen – sie wollen einen Gamechanger-Rahmen erkennen, in dem sie wirksam werden können.

🔎 4. Die Zielgruppe ist nicht definiert – „Everybody welcome“ ist „Nobody impressed“

Die Anzeige ist zu breit, zu gefällig, zu schwammig. Es fehlt jeglicher Schärfepunkt, der eine hochqualifizierte, ehrgeizige Persönlichkeit erkennt und anspricht. Eine High Performer-Stellenanzeige grenzt aus, um anzuziehen – sie fordert heraus, verschreckt Durchschnitt, magnetisiert Exzellenz.

Diese Anzeige hingegen sagt im Subtext: „Wir suchen jemanden Nettes, der gut ins Team passt und nicht aneckt.“ Das ist toxisch für echte Leistungsträger.

🧭 5. Es gibt keine Mission – nur Beschreibung

Die Anzeige gibt keine klare Antwort auf die zentrale High Performer-Frage: „Wofür lohnt es sich, hier zu denken?“

Stattdessen: „großer Gestaltungsspielraum“ – ohne zu sagen, was gestaltet werden soll. „Klares Team“, aber ohne zu erklären, was das Team bewegt. „Vision“, aber keine Richtung.

Das ist kein Leadership-Angebot, sondern ein Platz im warmen Nest.

🎯 Fazit: Für High Performer unattraktiv

Diese Anzeige spricht freundlich-ambitionierte Durchschnittsbewerber:innen an, aber keine High Performer. Sie verwechselt Emotion mit Wirkung, Teamgeist mit Exzellenz, Gestaltungsspielraum mit Verantwortung.

Sie ist solide – aber gerade das ist das Problem. High Performer wollen kein „solide“. Sie wollen ein Denkversprechen.