Healthcare-Optimierungsforschung: Durch selbstkritische Analysen der Arbeits-Organisation könnten in der ambulanten Medizin täglich Tausende von Arbeitsstunden eingespart werden

Worum es geht

Ärzte und Medizinische Fachangestellte assoziieren mit Organisations-Analysen vor allem Begriffe wie „Fließband-Medizin“ und „Ökonomisierend der Patientenbeziehung“. Doch tatsächlich sind derartige Untersuchungen der Weg zu verbesserten Arbeitsbedingungen und intensiverer Patientenbetreuung.

Schwachpunkt Praxisorganisation

Die Ergebnisse von Praxisanalysen zeigen es – leider – immer wieder: täglich werden in Arztpraxen durch fehlende Koordination, unzureichende Kommunikation und fehlende Regeln unzählige Arbeitsstunden vergeudet und hierdurch unnötiger Arbeitsdruck erzeugt. Insgesamt betrachtet setzen Praxisteams gegenwärtig – über alle Fachgruppen und Praxisformen bzw. –größen untersucht – durchschnittlich nur 46,8% der für eine reibungslos funktionierende Praxisorganisation notwendigen Regelungen und Instrumente ein. Die hieraus resultierende Patientenzufriedenheit erfüllt lediglich 58,3% der Anforderungen und Wünsche. Und selbst in Betrieben, in denen die Teams akut keine Beeinträchtigung ihrer Arbeit verspüren, existieren häufig organisatorische Risikofaktoren, die mittel- bis langfristig zu Problemen führen.

Organisation verfolgt vor allem das passive Ziel der Bewältigung, nicht das aktive der Steuerung

Der Grund: bislang wurden nur in einem Drittel der deutschen Arztpraxen professionelle Arbeitsanalysen durchgeführt. In den übrigen Praxen existieren vielfach noch die Abläufe, die bei Gründung oder Übernahme etabliert wurden, im Zeitablauf modifiziert durch eine Vielzahl von Routinen, mit denen man versucht, den sich verändernden Anforderungen gerecht zu werden. Das Ganze funktioniert auch irgendwie, ist aber ein Ansatz, der das passive Ziel der Bewältigung, nicht das aktive der Steuerung verfolgt. Zudem wird hierdurch eine Negativ-Spirale initiiert: Zeitdruck führt zu einer Vielzahl kleinerer und größerer Fehler, deren Korrektur wiederum zusätzliche und nicht vorhandene Zeit beansprucht.

Organisationsanalysen sind eine Investition in Arbeits- und Versorgungsqualität

Arbeits-Analysen, die in vielen Fällen sogar in Eigenregie durchführbar sind, bringen die Praxis-Gegebenheiten mit den Anforderungen in ein stabiles Gleichgewicht. Die hieraus resultierenden zeitlichen Freiräume sind dabei das Ergebnis der synergistischen Wirkung vieler meist kleiner Veränderungen. Der hierfür notwendige Aufwand ist eine Investition in ruhigere Praxisabläufe, mehr Zeit für die Patienten und natürlich auch für die Administration. Der Zusammenhang macht auch deutlich, dass Versorgungsqualität vor allem eine Frage der Organisationsqualität ist.

Eine funktionierende Praxisorganisation ist auch eine Zukunftsinvestition

Derartige Optimierungen haben nichts mit Fließband-Medizin zu tun, denn was unter Effizienz oder Produktivität zu verstehen ist, definiert jedes Praxisteam, in Abhängigkeit von seiner Patienten- und Praxisstruktur selbst. Überdies gewinnt die Praxisorganisation zukünftig an Bedeutung, denn in Zusammenhang mit der Digitalisierung werden sich viele Arbeitsprozesse verändern und durch neue ergänzt werden. Arztpraxen, in denen die Funktionalität der Organisation Best Practice-orientiert ausgebildet ist, werden nicht nur weniger Arbeit haben, Digital-Lösungen einzuführen, sondern auch sehr schnell und umfassend von deren Vorteilen profitieren, zum Wohl der Patienten.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

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©IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES


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