Digitalisierung der Arztpraxis: In wenigen Jahren wird es ein Kunstfehler sein, auf die Assistenz von KI-Expertensystemen zu verzichten

Worum es geht

Eine falsche Sichtweise der Transformation verhindert, dass niedergelassene Ärzten den zentralen Nutzen der Digitalisierung erkennen.

Die Transformation ist eine praxisstrategische Entscheidung

Die Einstellung niedergelassener Ärzte zur Transformation ihrer Arbeit ist zurückhaltend bis ablehnend. Eine Vielzahl von Einflüssen und Prägungen ist hierfür verantwortlich, begonnen bei fehlendem Wissen über mangelnde Orientierung bis hin zu Desinteresse und Vorurteilen. Ärzten ist zudem bislang generell noch kaum bewusst, dass die Digitalisierung – abgesehen von Grundanforderungen wie z. B. der Vernetzung über die Telematikinfrastruktur – eine praxisindividuell zu treffende unternehmerische Entscheidung ist. Sie hängt von der ärztlichen Bereitschaft ab, aber auch von der Patientenstruktur oder den diagnostischen und therapeutischen Schwerpunkte. Das unterscheidet die Transformation grundlegend von bisherigen Veränderungen in der ambulanten Medizin, beispielsweise der Einführung des Qualitätsmanagements oder des Medikationsplans, die dem One-size-fits-all-Prinzip folgten.

Expertensysteme assistieren dem Arzt

Hinzu kommt die in der öffentlichen Diskussion häufig fehlende Differenzierung zwischen der Technik, z. B. in Form von Geräten oder Apps und den datentechnischen Möglichkeiten, die durch die Digitalisierung geschaffen werden. Ein Beispiel sind KI-Expertensysteme, die in der Lage sind, aus großen Patientenkollektiven spezifische diagnostische sowie therapeutische Empfehlungen abzuleiten. Die Systeme erweitern hierdurch in ihrer Assistenzfunktion die ärztliche Entscheidungs-Grundlage, in die ebenso – wie bisher – die individuelle Kenntnis des einzelnen zu behandelnden Patienten und die eigenen Erfahrungen einfließen.

Der Arzt bleibt Entscheider

Wie die konkrete Versorgung dann im Einzelfall aussieht, bestimmt nach wie vor der Arzt. Dabei müssen die Mediziner nicht den Empfehlungen der Systeme folgen, allerdings enthalten sie ihren Patienten bei einem generellen Verzicht auf die verfügbaren Informationen u. U. für deren Gesundung wichtige Optionen vor. Deswegen ist zu erwarten, dass es bereits in wenigen Jahren ein Kunstfehler sein wird, auf die Unterstützung durch verfügbare Expertensystemen zu verzichten.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

Diesen Beitrag zitieren

Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

Bildnachweis

©IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES


Einfach optimieren.

Der Valetudo Check-up© „Praxismanagement“ für Haus- und Fachärzte mit Best Practice- und Fachgruppen-Benchmarking.

In 30 Minuten zu Ø 38 Verbesserungsmöglichkeiten.

3324ef94-6a46-4656-b858-39e4ca585af3

Alle Informationen im Überblick…