Digitalisierung der Arztpraxis: Haus- und Fachärzte im Rückspiegel des Transformations-Fortschritts

Worum es geht

Eine kontinuierlich zunehmende Anzahl von Veranstaltungen und Publikationen beschäftigt sich mit der digitalen Zukunft des Gesundheitswesens, den Möglichkeiten, Szenarien und vor allem mit dem zu erwartenden Nutzen. Parallel kommen fast täglich neu entwickelte Apps, digitale Medizintechnik, Internet-Portale und KI-Diagnoseverfahren auf den Markt. Doch was passiert konkret im Breiteneinsatz, z. B. im ambulanten Sektor?

Unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten

Die Antwort ist – leider – sehr einfach: wenig. Wie weit die Digitalisierung in den Betrieben niedergelassener Ärzte und der Transformation-Fortschritt voneinander entfernt sind, zeigt eine beispielhafte Gegenüberstellung: für jeden Smartphone-Besitzer ist es heute problemlos möglich, mittels eines entsprechenden Brustgurtes / Kabels eine EKG-Auswertung mit Handlungsempfehlungen zu generieren, ein vor wenigen Jahren noch fast undenkbarer Ansatz. Gleichzeitig gelingt es nur äußerst schleppend, Arztpraxen im Rahmen der Telematikinfrastruktur zu vernetzen, d. h. überhaupt die Voraussetzung für den Einsatz transformierender Lösungen in den Betrieben zu schaffen. Die Applikationen entwickeln sich mit einer hohen Eigendynamik, die Akteure im niedergelassenen Bereich bewegen sich kaum. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Ärzte an der Digitalisierung gar nicht interessiert ist, eine Konstellation, die für sie durchaus problematisch werden kann.

Prävention schlägt Kuration

Die Gegenüberstellung verdeutlicht nämlich noch einen ganz anderen Aspekt, auf den Haus- und Fachärzte – vor allem aufgrund ihres Desinteresses – bislang gar nicht eingestellt sind: die Transformation führt fast automatisch zu einer stärkeren Betonung von Prävention und Früherkennung bzw. einer früh- / rechtzeitigen Intervention („Disease Interception“), eine reale Option, die die Arbeit in Arztpraxen und die Tätigkeit von Ärzten grundlegend verändern wird.

Verstellter Blick

Die Digitalisierung im ambulanten Bereich steht aber noch vor einem weiteren Problem: viele Praxisinhaber und ihre Teams sind derzeit auch gar nicht in der Lage, Digital-Lösungen adäquat einzusetzen und ihre Vorteile zu nutzen, da ihnen wichtige Anwendungs-Voraussetzungen in Form von Management- und Kommunikations-Fähigkeiten fehlen. Konkret an einer häufig zu beobachtendem Situation formuliert bedeutet das: ein Arzt, der nicht erkennt, dass er für eine Zeitspanne von sechzig Minuten nicht Behandlungen einplanen kann, die neunzig Minuten in Anspruch nehmen, wird auch von Digital-Konzepten und Assistenten nicht profitieren.

Die Versorgungsqualität der Patienten könnte schon heute besser sein

Würde diese „Praxismanagement-Insuffizienz“ nicht existieren, wäre man auch bei der Umsetzung des Ziels einer verbesserten Patientenversorgung, das ja ebenfalls mit der Transformation eng verbunden ist, bereits weiter vorangekommen. Doch im Mittel setzen Haus- und Fachärzte die Hälfte der für einen reibungslos funktionierenden Praxisbetrieb notwendigen Regelungen, Instrumente und Verhaltensweisen gar nicht ein. Hieraus resultieren die täglich spürbaren negativen Konsequenzen für die Praxisteams selbst, aber auch für die Patienten und ihre Betreuung. Aber erst nach einer Beseitigung dieser Defizite kann der Digitalnutzen für Patienten überhaupt greifen.

Mehr Aktivität ist notwendig

In Anbetracht der dynamischen Entwicklung der Transformations-Möglichkeiten müssten niedergelassene Ärzte und vor allem ihre Vertretungen heute weitaus aktiver werden, um auf der Höhe des Fortschritts zu sein und zu bleiben, Stärken und Schwächen, Bedrohungen und Chancen konkret auszuloten und so sicherzustellen, dass sie an den Weichenstellungen für die Zukunft überhaupt noch beteiligt sind und Einfluss nehmen können.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

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