Veranstaltungen zum Thema „Digitalisierung des Gesundheitswesens“: Jubel-Tweets statt Fakten

Worum es geht

Verfolgt man in den Sozialen Medien die Berichterstattung zu Workshops, Kongressen oder Symposien, die sich mit der Transformation des Gesundheitswesens beschäftigen, ist sie vor allem durch unspezifische Erfolgs- und Qualitätsbeschreibungen geprägt (…tolle Veranstaltung…“). Die Darstellung zentraler Ergebnisse und Fakten sowie konkrete Hilfen für die Umsetzung suchen interessierter Anwender hingegen vergeblich.

Die Community feiert sich, der interessierte Anwender geht leer aus

Dass Veranstaltungen ein Eigen-Marketing benötigen ist unbestritten, ebenso muss es einen Unterschied im Informations-Transfer an zahlende Teilnehmer und an das Breiten-Publikum geben. Doch die Zielsetzung der meisten Events ist es, die Thematik zu entwickeln und in der Anwendung voranzubringen. Hierfür wäre es nützlich, zumindest einige Schlüsselerkenntnisse auch in die Breite zu kommunizieren. Doch das wirkliche Problem liegt auf einer anderen Ebene: spricht man z. B. mit niedergelassenen Ärzten, die sich für eine Digitalisierung ihrer Praxisarbeit interessieren, äußern sie die Ansicht, dass sich im Zeitablauf eine Art „Experten-Community“ gebildet hat, die für sich selbst arbeitet und von der Anwender-Basis weit entfernt ist. Der Eindruck lässt sich erhärten, wenn man auf Veranstaltungen nach Konkretisierungen für den Praxisalltag sucht und fragt: weder findet man sie – Ausnahmen bestätigen hier die Regel – noch erhält man Antworten („…das müsste dann im Einzelfall entschieden werden…“), denn die Vortragenden sind vor allem Generalisten, die in Szenarien, Visionen und Strategien denken. Diese Aspekte sind für die Entwicklung der Digitalisierung wichtig, aber was helfen sie, wenn die Umsetzung ausbleibt?

Auch der Arztbereich ist mehr durch Jubel als durch Fakten gekennzeichnet

Wenn der Markt zu diesem Aspekt keine Hilfestellung bietet, sind vor allem die ärztlichen Institutionen und Verbände gefragt, ihren Mitgliedern entsprechenden Support zu liefern, doch der steckt noch in den Kinderschuhen. Vielmehr wird auch in diesem Bereich vor allem gejubelt, dass Befragungen das grundsätzliche Digital-Interesse der Ärzteschaft belegen und in ausgewählten Praxisbetrieben eine Handvoll Digital-Lösungen getestet werden, eine substanzielle Hilfe für den Breiten-Einsatz ist das jedoch auch nicht.

Weiterführende Informationen

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