Die Assumption-Falle: Im Gesundheitswesen werden zu wenig Management-Analysen durchgeführt

Worum es geht

Untersuchungen der Management-Qualität im Gesundheitswesen zeigen durchgängig für alle Akteure und Betriebe substanzielle Veränderungs-Möglichkeiten, die zu nachhaltigen Verbesserungen der Patientenversorgung, aber auch der Arbeitsbedingungen und der unternehmerischen Performance führen könnten. Dass dieses Potenzial ungenutzt bleibt, liegt vor allem an einer viel zu geringen Analyse-Tätigkeit.

Analysen sind kein Thema

Was in Bezug auf medizinische Aspekte fast schon zu viel ist, fehlt im Management-Bereich fast völlig: professionelle Analysen. Stattdessen wird mit Annahmen oder Ableitungen aus Indikatoren (keine Beschwerden = 100% Zufriedenheit) gearbeitet, um sich ein Bild der Realität zu machen. Werden Untersuchungen durchgeführt, sind sie vielfach mit methodische Mängeln behaftet, z. B. in der Form, dass bei Befragungen Schulnoten-Skalierungen zum Einsatz kommen. Ob strategisch oder operativ ausgerichtet, der Verzicht führt dazu, dass die eigentlich vorhandenen Möglichkeiten nicht genutzt werden. Ein Beispiel sind Mitarbeiteranalysen. Mit ihrer Hilfe wäre es möglich, ein immenses Ideen-Potenzial zu aktivieren, doch der Aufwand erscheint vielen Entscheidern zu hoch, die möglichen Widerstände als zu groß und die Ergebnisse zu unberechenbar. Aber auch Funktionsanalysen liegen ebenso nicht im Trend. Beispielsweise haben bislang erst knapp 30% der Haus- und Fachärzte eine professionelle Untersuchung ihrer Organisation durchgeführt. Die negativen Konsequenzen erleben Patienten, Kooperationspartner und Praxis-Teams jeden Tag.

Verbesserungen sind mit einfachsten Instrumenten ermittelbar

Die Tatsache, dass das Management der Transmitter von Kompetenz und Ressourcen in die Versorgung ist und ganz bestimmten, bewährten Best Practices folgt, macht die Analyse-Zurückhaltung kaum verständlich, denn bereits ein einfacher Abgleich von Ist-Zuständen mit dem Best Practice-Standard reicht aus, um die Management-Performance auf ein höheres Niveau zu heben. Für Praxis-Betriebe ergeben sich z. B. aus einer solchen Benchmarking-Analyse, die sogar in Eigenregie durchführbar ist, im Mittel vierzig Optimierung-Ansätze.

Tradierte Verweigerung

Doch Aufforderungen zu Analysen treffen immer wieder auf das zentrale Standard-Argument, die existierenden Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen hätten doch schon immer Bestand gehabt und funktioniert, ein Argument, das sich über alle Leistungsträger des Gesundheitswesens durchzieht.

Hinzu kommt ein fehlendes Methodenwissen, denn nach wie vor gelten betriebswirtschaftliche Instrumente bei Teilen der Akteure als nicht akzeptabel, da sie die Ökonomisierung förderten, aber nicht die Versorgungsqualität. Außerdem wehren sich Ärzte in Klinik und Praxis nach wie vor gegen ein Eindringen Fachfremder, die jedoch bei Kernproblemen wie Management oder Organisation als einzige Hilfestellung bieten können.