Welche Kennzahl beschreibt eigentlich die Organisation von Haus- und Facharztpraxen?

Praxisführung braucht Informationen

Wer eine Arztpraxis führt, trifft täglich Entscheidungen auf der Grundlage sehr unterschiedlicher Informationen. Die betriebswirtschaftliche Auswertung zeigt, wie sich Einnahmen und Kosten entwickeln. Die Liquidität gibt Auskunft über die finanzielle Beweglichkeit. Fallzahlen und Leistungsdaten vermitteln einen Eindruck von der Entwicklung des Praxisbetriebs. Hinzu kommen Personalinformationen wie Mitarbeiterschlüssel, Fehlzeiten oder Arbeitszeitvolumen.

Keine dieser Kennzahlen beschreibt die Praxis vollständig. Das sollen sie auch nicht. Jede Kennzahl beleuchtet einen bestimmten Ausschnitt und hilft dadurch, einen betrieblichen Zustand besser einzuordnen.

Bemerkenswert ist allerdings, dass ein Bereich der Praxisführung bislang nur selten über eine vergleichbare Statusinformation verfügt: die Organisation selbst.

Natürlich kennen Praxisinhaber ihre Organisation sehr genau. Sie erleben täglich, wie Termine koordiniert, Patientenanliegen aufgenommen, Informationen weitergegeben, Entscheidungen getroffen und Vorgänge abgeschlossen werden. Diese Erfahrung vermittelt jedoch zunächst ein Bild des laufenden Betriebs. Sie beantwortet noch nicht die Frage, wie die organisatorische Struktur als solche ausgeprägt ist.

Genau an dieser Stelle setzt Struction an.

Jede Praxis besitzt eine Struction

Struction bezeichnet die grundlegende strukturelle Ausprägung einer Organisation. Bezogen auf eine Arztpraxis geht es darum, wie organisatorische Vorgänge aufgebaut sind und unter welchen strukturellen Bedingungen sie im Praxisalltag ablaufen.

Damit beschreibt Struction weder die wirtschaftliche Situation noch die Qualität der medizinischen Versorgung oder die Leistung einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es handelt sich um eine eigene Informationsebene.

So wie jede Praxis eine bestimmte Rentabilität, Produktivität oder Personalstruktur besitzt, verfügt sie auch über einen bestimmten strukturellen Organisationsstatus – unabhängig davon, ob dieser bislang systematisch betrachtet wurde.

Deshalb lautet auch die zentrale Frage nicht, ob eine Praxis Struction überhaupt „benötigt“, denn: Jede Praxis hat eine Struction. Die Frage ist, ob ihr Struction-Status bekannt ist.

Vom Eindruck zur Statusinformation

Viele organisatorische Einschätzungen entstehen aus dem täglichen Erleben. Ein Praxisinhaber weiß beispielsweise, wie eingespielt das Team arbeitet, wie zuverlässig Termine eingehalten werden oder wie schnell Informationen ihren Adressaten erreichen. Solche Beobachtungen sind wichtig. Sie ersetzen jedoch keine strukturierte Statusinformation.

Der Unterschied ist aus anderen Bereichen der Praxisführung vertraut. Auch die wirtschaftliche Lage wird nicht ausschließlich danach beurteilt, wie sich der Praxisbetrieb subjektiv anfühlt. Kennzahlen ergänzen die Erfahrung um eine zusätzliche, systematisch ermittelte Perspektive.

Für die Organisation verfolgt Struction denselben Grundgedanken.

Dabei wird nicht zunächst danach gefragt, was verändert werden sollte. Im Vordergrund steht eine vorgelagerte Frage: Wie ist die Organisation strukturell aufgestellt?

Damit unterscheidet sich die Struction-Perspektive bewusst von einer unmittelbar auf Maßnahmen ausgerichteten Betrachtung. Zunächst geht es um Information. Welche Schlussfolgerungen eine Praxisleitung daraus zieht, bleibt eine nachgelagerte Entscheidung.

Der Struction Score als organisatorische Statuskennzahl

Um den strukturellen Organisationsstatus nicht nur beschreiben, sondern auch verdichtet darstellen zu können, wird er im Struction Score zusammengeführt. Der Score ist damit keine Bewertung der Praxis im Sinne einer Schulnote oder Leistungsziffer. Ebenso wenig beschreibt er, ob eine Praxis insgesamt „gut“ oder „schlecht“ geführt wird. Er erfüllt eine ähnliche Funktion wie andere betriebliche Kennzahlen: Er macht einen definierten Sachverhalt erfassbar und vergleichbar.

Während beispielsweise die Liquidität eine finanzielle Perspektive und die Arbeitsproduktivität eine leistungsbezogene Perspektive eröffnet, richtet sich der Struction Score auf die strukturelle Organisation. Seine Grundlage bilden fünf definierte Struction-Dimensionen: Eintrittsorientierung, Reihenfolgelogik, Übergabestabilität, Entscheidungsdichte und Abschlussklarheit.

Diese Dimensionen beschreiben unterschiedliche Eigenschaften organisatorischer Abläufe und ergeben zusammen ein strukturelles Profil der Praxis. Für die Praxisleitung entsteht dadurch neben dem Gesamtwert eine differenzierte Information darüber, wie die einzelnen Bestandteile der organisatorischen Struktur ausgeprägt sind.

Eine Kennzahl gewinnt erst durch eine Verlaufsbetrachtung an Bedeutung

Betriebliche Kennzahlen sind dann besonders aussagekräftig, wenn sie nicht nur einmalig betrachtet werden. Die Entwicklung der Produktivität, der Liquidität oder der Fehlzeiten über mehrere Zeitpunkte hinweg liefert häufig mehr Information als ein isolierter Einzelwert.

Dasselbe Prinzip lässt sich auf Struction übertragen: wird der strukturelle Organisationsstatus in regelmäßigen Abständen ermittelt, entsteht eine zusätzliche Perspektive auf die Entwicklung der Praxis. Veränderungen der Arbeitsweise, neue Kommunikationswege, personelle Entwicklungen, Digitalisierung oder eine veränderte Aufgabenverteilung können sich auch in der strukturellen Ausprägung der Organisation niederschlagen.

Der Struction Score macht diese Entwicklung beobachtbar. Damit wird Organisation nicht erst dann zum Gegenstand systematischer Betrachtung, wenn ein besonderer Anlass besteht. Sie wird, ebenso wie Finanzen, Leistung oder Personal, zu einem regulären Informationsbereich der Praxisführung.

Eine bislang fehlende Perspektive

Praxisinhaber müssen heute eine Vielzahl von Informationen zusammenführen. Medizinische, wirtschaftliche, personelle und organisatorische Entscheidungen greifen zunehmend ineinander. Umso wichtiger wird es, die Praxis aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten zu können.

Struction ergänzt diese Perspektiven um eine Information, die im klassischen Kennzahlensystem einer Arztpraxis bislang kaum vertreten ist: den strukturellen Organisationsstatus.

Der Struction Score macht diesen Status als Kennzahl zugänglich.

Damit entsteht keine weitere Managementtheorie, sondern zunächst etwas wesentlich Nüchterneres: eine zusätzliche Information über die eigene Praxis.

Denn wer eine Praxis führt, sollte nicht nur wissen, was sie leistet, wie wirtschaftlich sie arbeitet und wie sie personell aufgestellt ist. Er sollte auch wissen, wie ihre Organisation strukturell aufgestellt ist. Genau diese Information beschreibt Struction.

Transparenz

Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Konzepts „Der zweite Denkraum“ unter Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz entwickelt. KI dient dabei der Exploration von Fragestellungen, der Erweiterung von Perspektiven, der Generierung von Text und alternativer Formulierungen, der Mustererkennung sowie der intellektuellen Auseinandersetzung mit Ideen und Annahmen.

Der Beitrag wurde vom Autor inhaltlich geprüft, redaktionell bearbeitet und freigegeben. Sämtliche redaktionellen Entscheidungen, Bewertungen, Interpretationen und Schlussfolgerungen liegen ausschließlich in seiner Verantwortung.

Zusammenfassung

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte verfügen über zahlreiche Informationen zur wirtschaftlichen und personellen Entwicklung ihrer Praxis. Umsatz, Kosten, Liquidität, Produktivität, Fallzahlen, Mitarbeiterschlüssel oder Fehlzeiten lassen sich erfassen und im Zeitverlauf beobachten. Für die Organisation selbst fehlt eine vergleichbare Statusinformation bislang meist. Struction setzt genau hier an. Der Struction Score beschreibt den strukturellen Organisationsstatus einer Praxis und ergänzt damit die bekannten Kennzahlen der Praxisführung um eine bislang wenig systematisch betrachtete Perspektive.