VIVY, ADA und. Co.: Haben die Digitalisierungs-Gegner doch recht?

Worum es geht

Nach der E-Akte VIVY kämpft auch der Betreiber von ADA HEALTH gegen Vorwürfe der Vernachlässigung des Datenschutzes. Das Problem bestätigt – zu Recht – die Argumente von Skeptikern und Gegnern der Digitalisierung des Gesundheitswesens, aber spricht es generell gegen die Transformation?

Ein Markt (fast) ohne Limits

Die Anbieter von Digital-Lösungen entfalten zur Zeit immense Markt-Energien, um frühzeitig in der Breite etabliert zu sein. Die Erfolgs-Formel ist dabei einfach: je mehr Nutzer und Daten gewonnen und erhoben werden, umso besser. Die Entwicklung grundlegender Kontroll-Mechanismen konnte bislang mit der stark dynamischen Entwicklung des innovativen Marktes nicht Schritt halten. Die existierenden Qualitätsstandards, aber auch die DSGVO-Regelungen reichen für eine Grundsicherung, aber perspektivisch nicht für mehr. Überdies bestehen bei vielen Vorschriften Interpretations-Spielräume und es herrscht in Bezug auf Gesundheitsdaten eine Art „Goldrausch“, denn ihre Marktwert-Entwicklung kennt gegenwärtig nur eine steile Aufwärts-Entwicklung. Dass hierbei natürlich auch die Grenzen des Zulässigen ausgetestet werden, ist systemimmanent, aber nicht akzeptabel.

Auch der User hat eine Verpflichtung

Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Selbstverantwortung der Anwender von Gesundheits-Apps zu gering ausgeprägt ist, die zum Teil fahrlässig mit ihren persönlichsten Daten umgehen. Eine Exploration bei mehreren hundert Nutzern derartiger Anwendungen ergab, dass sich bis auf einzelne Ausnahmen niemand mit den AGBs und Datenschutz-Erklärungen der Anbieter beschäftigt hatte. Ebenso sollten sich Anwender darüber im Klaren sein, welche Risiken beispielsweise App-Anmeldung über soziale Netzwerke mit sich bringen können.

Ohne Transformation geht es nicht

Das alles spricht jedoch nicht gegen die Digitalisierung des Gesundheitswesens, deren Möglichkeiten und Chancen-Potenziale für die Weiterentwicklung der Patientenversorgung und des Gesundheits-Systems dringend benötigt werden. Vielmehr müssen das Management der Rahmenbedingungen inhaltlich und organisatorisch der Marktdynamik angepasst und deutlich mehr Anstrengungen zur Information über die adäquate Verwendung persönlicher Daten unternommen werden.