Perspektiven der ambulanten Medizin: Ein Drittel der Ärzteschaft wird die Standards der zukünftigen Arbeit definieren

Worum es geht

Wie sieht die Arztpraxis von morgen aus? Folgt man der Berichterstattung und den Inhalten von Veranstaltungen, Workshops und Kongressen, ist sie vor allem digital. Das trifft zu, doch ein technischer Ansatz allein kann keine Zukunftsperspektive für die ambulante Patientenversorgung sein, denn Digital-Lösungen sind nur Hilfsmittel, die Ärzte und Medizinische Fachangestellte bei ihrer Arbeit unterstützen.

Digital-Lösungen wirken systemisch

Aufgrund der ständig wachsenden Anzahl von eHealth-Möglichkeiten müssen Praxisinhaber, die ihre Arbeit transformieren wollen, zunächst eine Reihe von Entscheidungen treffen, die strategisch u.a. die Digitalisierungs-Richtung, -Breite sowie -Tiefe betreffen und operativ die notwendigen Veränderung des Praxismanagements, denn digitale Instrumente und Verfahren sind keine – wie es derzeit die meisten Ärzte sehen – Add-ons oder Ersatzlösungen. Ihr Nutzen kommt erst im Kontext einer „echten“ Transformation zur Entfaltung, bei der auch die bestehenden Prozesse und Strukturen mit dem Ziel einer synergistischen Synthese verändert werden.

Der Arzt der Zukunft handelt unternehmerisch

Um auf diese Entwicklungs-Stufe zu gelangen, bedarf es – und hier beginnt die Zukunft der Arztpraxis – einer unternehmerischen Grundhaltung, die mit der Zielsetzung einer optimalen Patientenversorgung vor allem durch Aspekte wie Neugier, Flexibilität, Motivation, aber auch durch struktuierte Arbeit sowie Effizienz- und Produktivitätsorientierung und Investitions-Bereitschaft geprägt ist. Die unternehmerische Komponente ist das stärkste Kennzeichen der Arztpraxis der Zukunft, da sich die ambulante Versorgung durch die Digitalisierung und ihre Effekte von einer weitgehenden Standardisierung und Konformität zu Individualisierung und Vielfalt entwickelt.

Die heutigen Best Practice-Betriebe setzen den Referenz-Standard

Die Ansätze hierzu finden sich heute in etwa 1/3 der deutschen Arztpraxen. Für die dort arbeitenden Teams sind digitaler Support ihrer Arbeit, agiles Management, professionelle Mitabeiterführung, eine reibungslos funktionierende Organisation und eine systematisch-konsequente Patientenorientierung keine Absichtserklärungen, sondern im Arbeitsalltag zum großen Teil umgesetzte Realität. Diese Praxisbetriebe sind Patienten-Magneten und haben bereits heute Referenz-Charakter für andere. Ihre Arbeit und Erfahrungen werden mittelfristig die Standards für die Tätigkeit in Haus- und Facharztpraxen definieren.

Ihre Nutzung der Best Pratices aus Medizin, unternehmerischem Handeln und digitalen Lösungen unterscheidet sie stark von der Arbeit in der deutschen Durchschnittspraxis, die durch ein ausgeprägtes Sicherheitsstreben, betriebswirtschaftliche Abstinenz und vor allem durch eine ausgeprägte und unkorrigierte Praxismanagement-Insufizienz gekennzeichnet ist.