Digitalisierung der Arztpraxis: Die Folgen der Veränderung des Fernbehandlungs­verbotes für die Online-Videosprechstunde

Worum es geht

Das Deutsche Ärzteblatt berichtete in seiner Online-Ausgabe, dass nun auch der Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer, Max Kaplan, im Mai eine Veränderung des Fernbehandlungs­verbotes erwartet, so dass dann mit Patienten, zu denen noch kein persönlicher Kontakt besteht, Online-Videokonsultationen durchgeführt werden können. Doch die Auswirkungen auf die Verbreitung dieser Sprechstunden-Form werden nur gering sein.

Ein klares Umfrage-Resultat

Das zeigt das Ergebnis einer aktuellen Blitzumfrage bei Haus- und Fachärzten. Lediglich 12% der mehr als dreihundert Befragten gaben an, bei Freigabe der Fernbehandlung Online-Sprechstunden einzuführen. 17% äußerten sich unentschieden und 71% ablehnend.

Drei Verbreitung-Barrieren

Neben der Frage, ob Praxisinhaber Video-Kontakte persönlich überhaupt befürworten und auf diese Weise mit Patienten in Kontakt treten möchten, behindern vor allem drei Aspekte die breite Diffusion dieses Prinzips:

(1) Fehlender strategischer Weitblick

Gruppendiskussionen, Interviews und Befragungen zeigen, dass die meisten Ärzte das Potenzial der Online-Videosprechstunden nicht erkennen. Sie achten allein auf die anstehenden Kosten und die Abrechnungs-Möglichkeiten, sehen aber die qualitativen und quantitativen Chancen nicht, die erst durch nachgelagerte Effekte indirekt entstehen.

(2) Unzureichende organisatorische Basis

Die neue Sprechstunden-Form muss in die bestehende Praxis-Organisation integriert werden. Da die vorherrschenden Strukturen und Abläufe häufig kaum ausreichen, das Tagesgeschäft adäquat abzuwickeln, stellen Online-Kontakte eine Zusatzbelastung dar, die man lieber vermeidet.

(3) Mangelnde Medien-Kompetenz

Und selbst Ärzte, die diese beiden Hürden meistern, sind mit ihrem Angebot nicht zwangsläufig erfolgreich, denn erste Patienten-Zufriedenheitsbefragungen mit Online-Konsultationen ergaben, dass Praxisinhaber oft noch zum wenig mit den Anforderungen der Video-Kommunikation vertraut sind und vor allem die Fehler der persönlichen Kommunikation im Netzkontakt fortführen.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

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Roadmap für die Digitalisierung der Arztpraxis: Diese Publikation vermittelt auf der Basis der Erkenntnisse des Marktforschungs-Projektes „d-change©“ einen Einblick, was Digitalisierung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte tatsächlich bedeutet bzw. bedeuten kann, warum es sich lohnt, sich jetzt mit dem Thema zu beschäftigen und wie man als Praxisinhaber für seinen Praxisbetrieb ein passende Digital-Konzept vorbereiten kann.