Studie zur Stressbelastung in Haus- und Facharztpraxen: Die wirkliche Ursache wird nicht genannt

Worum es geht

Eine Studie des Universitätsklinikums Tübingen zur Stressbelastung, die auch die Situation in Arztpraxen untersuchte, nennt eine Reihe von Ursachen. Der wirkliche Grund, die Praxismanagement-Insuffizienz, findet keine Erwähnung.

Äußere Einflüsse dominieren

Die Ärzte Zeitung berichtet in ihrer Online-Ausgabe vom 25.07.2019 über die Ergebnisse einer Umfrage des Universitätsklinikums Tübingen, die u. a. zeigen, dass die Mitarbeiter in Arztpraxen eine deutlich höhere Stressbelastung empfinden als andere Arbeitnehmer. Als Ursachen nennt der Bericht eine zunehmende Anzahl mehrfach erkrankter Menschen, den Mangel an Fachkräften, die Ökonomisierung des Gesundheitswesens sowie die zunehmende Administration.

Die wirkliche Ursache liegt im Inneren der Praxen

Damit folgt die Ursachenforschung den Angaben, die auch seitens vieler Praxisteams genannt werden und die Stress als Folge ungünstiger äußerer Einflüsse sehen. Unternehmensanalysen in Arztpraxen zeigen jedoch, dass die Teams im Durchschnitt nur knapp die Hälfte der Regelungen, Instrumente und Verhaltensweisen einsetzen, die für einen reibungslos funktionierenden Praxisbetrieb notwendig sind. Damit liegt die Stress-Ursache primär im Inneren der Betriebe und Ärzte sowie Mitarbeiterinnen setzen sich durch eine ausgeprägte Praxismanagement-Insuffizienz selbst unter Druck. Äußere Faktoren können dabei weitgehend außer Acht gelassen werden, denn der Vergleich mit Haus- und Facharztpraxen, die systematisch nach dem Best Practice-Prinzip arbeiten, erbringt, dass diese hiervon nicht beeinflusst werden, obwohl die Rahmenbedingungen für alle gleich sind.

Fehlende Harmonisierung von Praxis-Struktur und Anforderungen

Der Bericht verweist auch darauf, dass vor allem kleine Teams in Arztpraxen auf die äußeren Einflüsse nur begrenzt reagieren können. Betrachtet man die unternehmerisch-strukturelle Seite der Praxisarbeit, wird deutlich, dass in vielen Fällen ein falscher Personalschlüssel die Ursache ist. Praxisinhaber versuchen, die Kosten ihrer Betriebe so gering wie möglich zu halten. Hierfür bleibt ihnen als substanzielle Größe nur der Personalstamm, der dann in seiner Minimalform für die Arbeitsanforderungen, denen die Praxen unterliegen, nicht ausreicht.

Weiterführende Informationen

White Paper „Praxismanagement-Insuffizienz – Diagnostik und Therapie der ambulanten System-Krankheit Nr. 1“, kostenlos per E-Mail an die Adresse post@ifabs.de anforderbar.