Gesundheitswesen: Das ambulante Führungs-Vakuum

Worum es geht

Das Praxismanagement fungiert als Transmitter der medizinischen ärztlichen Kompetenz und der Tätigkeiten der Medizinischen Fachangestellten in die konkrete Versorgung der Patienten. Von der Qualität seiner Gestaltung hängt es ab, wie umfassend das Können der Ärzte und die Fähigkeiten des Personals den Patienten in Form umfassender Hilfestellungen zuteil werden. Darüber hinaus bestimmt sie, wie schnell Praxisteams auf Veränderungen jeglicher Art reagieren, diese implementieren und von ihrem Nutzen profitieren können (Beispiel: Digitalisierung).

Systemkrankheit Praxismanagement-Insuffizienz

Sind die von Praxisteams ausgewählten Regelungen des Praxismanagements nicht geeignet, den Praxisbetrieb so zu gestalten, dass er den Anforderungen des Arbeitsalltages gerecht wird und grundsätzlich reibungslos funktioniert, spricht man von Praxismanagement-Insuffizienz (PMI). Grund für ihr Auftreten ist, dass

  • die Auswahl der getroffenen Vorkehrungen und realisierten Maßnahmen unvollständig und / oder falsch bzw.
  • ihre Umsetzung unzureichend und / oder fehlerhaft ist.

Die Best Practice-Leitlinie und das Führungs-Vakuum

Ein reibungslos funktionierendes Praxismanagement basiert dabei auf der Umsetzung des Best Practice-Standards, d.h. dem systematischen Einsatz betriebswirtschaftlicher Methoden, Instrumente und Management-Verhaltensweisen, die gewährleisten, dass interne und externe Anforderungen an die Praxisarbeit erfüllt werden.

Je weniger Best Practice-Standardelemente eingesetzt werden, desto größer ist das Leistungs-Vakuum eines Praxisbetriebes. Ein zentrales Vakuum ist – wie eine Key Performance Indikatoren-Analyse zeigt – die Mitarbeiterführung:

  • der gegenwärtige Leadership Materialization Score deutscher Haus- und Facharztpraxen (LMS, Einsatz der Führungsinstrumente im Vergleich zum Best Practice-Standard) beläuft sich auf 41,9% (Optimum: >80%),
  • sein Gegenstück, der Leadership Impact Score (LIS, Mitarbeiterzufriedenheit in Relation zu den Anforderungen), liegt bei 32,7% (Optimum: >80%).

Die niedrigen Umsetzungs- und Wirkungsquoten haben – zusammen mit anderen Vakuum-Bereichen – erhebliche Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung, aber auch auf die Effizienz und die Produktivität der Arbeitsprozesse sowie vor allem auf die Zukunftssicherung der Arztpraxen.

Die Arztpraxis der Zukunft benötigt ein agiles Management

War das gesundheitspolitische, medizinische, gesellschaftliche und unternehmerische Handlungsumfeld von Haus- und Fachärzten bislang durch relative Konstanz und Vorhersehbarkeit geprägt, sehen sich die Mediziner seit einiger Zeit zunehmend mit Veränderungen konfrontiert, die zu Unbeständigkeit und Desorientierung führen und denen mit den bisherigen, meist statisch angelegten Praxisführungs-Konzepten nicht adäquat begegnet werden kann.

Die Lösung dieses Problems, das zukünftig deutlich an Intensität zunehmen wird, ist ein agiles Praxismanagement, sein Gestaltungs-Prinzip der bereits erwähnte Best Practice-Standard. Das Buch „Agiles Praxismanagement für Haus- und Fachärzte“ beschreibt die wichtigsten Best Practices, d.h. die Bestandteile eines agilen Praxismanagements und ihre konkrete Umsetzung im Arbeitsalltag. Zum E-Book…