Organisation in der Arztpraxis: 50 Sekunden sind nicht das Problem

Worum es geht

Im Vergleich benötigt die Erstellung einer elektronischen Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung (eAU) 50 Sekunden mehr Zeit als die Abwicklung über den „klassischen Weg“. Haus- und Fachärzte erachten diesen organisatorischen Mehraufwand als deutliches Hemmnis für ihre Produktivität. Doch das eigentliche Problem ganz woanders liegt in einem anderen Bereich.

Die eAU, eine weitere TI-Baustelle

Es ist absolut richtig: digitale Lösungen sollten in Arztpraxen dazu führen, den Arbeitsablauf zu verbessern, zu automatisieren und auch zeitlich – im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen – zu verkürzen. Die 50 Sekunden, die die Bearbeitung einer eAU länger benötigt, als das konventionelle Verfahren, passen nicht in diesen Rahmen, aber hervorragend in die unendliche Geschichte (und Polemik) der immer weiter ins Negative abdriftenden TI-Diskussion.

Grundsätzlich liegt es im Wesen der Digitalisierung, dass nicht alles bereits bei der Einführung perfekt ausgerichtet ist, man denke nur an Smartphone-Betriebssysteme oder Apps und notwendige Updates. Daran muss man bei der Transformation stets denken.

Der ambulante Sektor leidet an einer Organisations-Insuffizienz

Viel mehr kommt es aber auf die Verhältnismäßigkeit und die Vergleichsbasis der Kritik an: Praxismanagement-Betriebsvergleiche zeigen, dass in Arztpraxen gegenwärtig durchschnittlich nur knapp 43% der für eine reibungslos funktionierende Praxisorganisation notwendigen Regelungen und Instrumente eingesetzt werden. Das führt dazu, dass fast ein Drittel der Arbeitszeit in Praxisbetrieben (Minuten und Stunden, keine Sekunden) ineffizient und unproduktiv eingesetzt wird. Das Resultat sind die bekannten Phänomene wie Arbeitsüberlastung, Überstunden, Druck, Demotivation, aber für Patienten auch überlange Wartezeiten auf Termine und in den Praxen selbst.

Die Bürokratie ist nicht die primäre Ursache

Zur Erklärung dieser Probleme verweisen Praxisinhaber gerne auf die Bürokratie, doch die – so existent und ärgerlich sie ist – hat nur eine geringe Auswirkung, denn es finden sich genügend Betriebe, die trotz der administrativen Regelungen perfekt organisiert arbeiten. Ursächlich sind primär eine zu gering ausgeprägte systematische Analyse-Tätigkeit, zu wenig Berücksichtigung von organisationsbezogener Mitarbeiter-Vorschläge und eine mangelnde Bereitschaft zu Veränderungen.

Die originäre Aufgabe besteht also darin, zunächst die Organisations-Insuffizienz in deutschen Arztpraxen zu beseitigen und parallel das digitale eAU-Verfahren zu optimieren.

Worauf Ärzte bei der Organisation besonders achten sollten, beschreibt der Ratgeber „100 Best Practice-Tipps für eine noch bessere Praxisorganisation“…