Worum es geht
Für den Begriff “Effizienz” existieren in der Ärzteschaft sehr unterschiedliche Definitionen, in der Gesamtbetrachtung ist er aber tendenziell negativ belastet, da viele Mediziner damit eine den individuellen medizinischen Notwendigkeiten der Patientenbetreuung entgegengesetztes Arbeitsprinzip assoziieren, das Orientierungsgrößen wie Fließband-Betreuung oder Gewinn-Maximierung dient. Ein Blick über den Tellerrand auf den Lebens-Alltag zeigt jedoch schnell, dass das Effizienz-Konzept für etwas ganz anderes, positives steht.
Effizienz bedeutet Entlastung
Angenommen, es sollen Kartoffeln gekocht werden, dann lässt sich dieses Ziel dadurch erreichen, dass man sie 15 bis 20 Minuten in einem normalen Kochtopf gart oder deutlich schneller und mit weniger Energieverbrauch in einem Schnellkochtopf. Übertragen auf das Praxismanagement bedeutet das, dass effiziente Arbeit für das Erreichen eines Zieles so organisiert ist, dass möglichst wenig Zeit, Ressourcen und Energie verbraucht werden. Alles sollte so reibungslos und problemlos wie möglich ablaufen, sodass mehr Freiraum für die wichtigen Dinge, wie z. B. eine intensivere Patientenbetreuung, bleibt.
Die Praxisarbeit leidet unter Effizienz-Killern
Doch das ist leider nicht die Realität der gegenwärtigen Praxisarbeit, hier findet sich oft eine Ineffizienz des Praxismanagements, d. h. die Arbeitsleistung wird aufgrund von Fehljustierungen mit einem deutlich höheren Aufwand erzielt als eigentlich notwendig ist. Verantwortlich für diese Fehljustierungen sind sog. “Effizienz-Killer”. Hierbei handelt es sich um Faktoren, die die effiziente Leistungserbringung in einer Haus- oder Facharztpraxis beeinträchtigen oder behindern. Sie entstehen dadurch, dass Haus- und Fachärzte knapp die Hälfte des Best Practice-Standards der Praxisführung nicht einsetzen. Die validierte Leitlinie beschreibt alle Regelungen, Instrumente und Verhaltensweisen, die für eine auch unter wechselnden Anforderungen reibungslos funktionierende Arbeit unerlässlich sind. Je umfassender sie im Praxismanagement Berücksichtigung findet, umso besser können Praxisinhaber auf die effizienzfordernden Entwicklungen im Gesundheitswesen reagieren:
📌 Demographischer Wandel und steigende Patientenzahlen
Einer der Hauptgründe für den wachsenden Fokus auf Effizienz ist der demographische Wandel. Eine alternde Bevölkerung bedeutet eine steigende Anzahl an chronischen Erkrankungen, die eine komplexe und langfristige Behandlung erfordern. Das erhöht den Druck auf die medizinische Infrastruktur und erfordert eine effiziente Ressourcen-Nutzung.
📌 Ressourcen-Knappheit
Im Gesundheitswesen sind die Ressourcen zunehmend begrenzt. Von der Verfügbarkeit von medizinischem Personal hin zu Finanzmitteln, der Zwang, mehr mit weniger zu erreichen, ist enorm. Nur effiziente Prozesse helfen, den Einsatz dieser begrenzten Ressourcen einzuschränken und gleichzeitig eine optimale Versorgungsqualität und wirtschaftlichen Erfolg zu realisieren.
📌 Patientenerwartungen
Viele Patienten sind heute hervorragend informiert und erwarten eine hochwertige Versorgung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ohne die Kosten zu erhöhen, ist Effizienz entscheidend.
Die technologische Entwicklung als Hilfe
Moderne Technologien wie Praxisverwaltungssysteme, Telemedizin und Künstliche Intelligenz bieten immense Chancen für Effizienzsteigerungen. Sie erlauben es, Arbeitsprozesse zu straffen und zu automatisieren, was einerseits den Aufwand zur Leistungserbringung verringert, andererseits die Behandlungsqualität erhöht.
Weiterführende Informationen
Die genannten Fakten machen die Effizienz zu dem zentralen Arbeitskonzept der Zukunft für Hausärzte und Fachärzte, da sie es ermöglicht, trotz steigender Anforderungen und begrenzter Ressourcen eine hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen. Die Publikation „Effizienz-Killer“ in der Arztpraxis – Factbook für Haus- und Fachärzte“ präsentiert sie in Form eines Factbooks, d. h. als kommentierte Sammlung kurzer Beschreibungen der Störgrößen.
Diese „Negativ-Darstellung“ wurde gewählt, weil die beschriebenen Sachverhalte in jeder betroffenen Praxis bei entsprechender Sensibilisierung auf einen Blick identifizierbar sind. Durch eine einfache Spiegelung lassen sie sich jedoch in die für die Schaffung von Effizienz notwendige Veränderung wandeln. Ergänzende „Positiv-Checklisten“ geben hierfür Hilfestellung.