Rethinking: Unternehmerische Eigenverantwortung in Arztpraxen – Wie mangelhafte Führung den Praxiserfolg gefährdet (THOR5058)

Ein Rethinking-Impuls von Klaus-Dieter Thill

Worum es geht

Die unternehmerische Eigenverantwortung von Haus- und Fachärzten ist die zentrale Grundlage eines erfolgreichen Praxismanagements. Ein elementarer Baustein dieser Verantwortung ist die Führung der Mitarbeiter, die nicht nur organisatorisch, sondern auch strategisch und psychologisch einen entscheidenden Einfluss auf den Gesamterfolg der Praxis hat. Doch eine erschreckende in Praxismanagement-Betriebsvergleichen festzustellende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zeigt, dass viele Ärzte ihrer Führungsverantwortung nicht gerecht werden. Wie sich dies auf die Mitarbeiter, die Patienten, die Ärzte selbst und das Praxisergebnis auswirkt und wie der Weg zur Transformation durch Best-Practice-Standards und die R2A-Formel geebnet werden kann, beleuchtet dieser Beitrag.

Die Dimension der Führungsverantwortung in Arztpraxen

Auswirkungen auf die Mitarbeiter

Die Führungskultur in einer Arztpraxis prägt die Arbeitswelt der Mitarbeiter maßgeblich. Wertschätzung, klare Ziele, regelmäßige Feedback-Gespräche oder die Berücksichtigung von Verbesserungsvorschlägen sind entscheidende Faktoren für die Arbeitszufriedenheit und Motivation. Fehlende Führungsstrukturen führen jedoch dazu, dass Mitarbeiter sich oft orientierungslos und wenig geschätzt fühlen. Dies äußert sich in mangelndem Engagement, erhöhtem Krankenstand und einer hohen Fluktuationsrate.

Auswirkungen auf die Patienten

Die Qualität der Patientenversorgung steht in direktem Zusammenhang mit der Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit des Praxispersonals. Eine unzureichende Führungskultur kann dazu führen, dass Patienten eine unfreundliche Atmosphäre, längere Wartezeiten und unklare Abläufe wahrnehmen. Das Vertrauen in die Praxis sinkt, was langfristig das Patientenaufkommen und den Ruf der Praxis gefährdet.

Auswirkungen auf den Arzt selbst

Für Ärzte bedeutet schlechte Führung häufig zusätzlichen Stress. Das Gefühl, ständig Probleme lösen zu müssen, die eigentlich durch klare Strukturen vermeidbar wären, führt zu Überlastung und einer Einschränkung der eigenen Arbeitszufriedenheit. Ein Mangel an Führungskompetenz wirkt sich somit direkt auf die mentale und physische Gesundheit des Arztes aus.

Auswirkungen auf das Praxisergebnis

Das finanzielle Ergebnis einer Praxis ist untrennbar mit der Effizienz der internen Abläufe und der Zufriedenheit aller Beteiligten verbunden. Fehlende Führungsstandards und ein unmotiviertes Team führen zu ineffizientem Arbeiten, mehr Fehlern und einem schlechteren wirtschaftlichen Ergebnis.

Die Realität: Defizite in der Führungsverantwortung

Wie bereits dargestellt, offenbaren die Resultate. aus Benchmarking-Analysen des Praxismanagements, dass Ärzte ihrer unternehmerischen Eigenverantwortung im Führungsbereich nur unzureichend nachkommen.

Gerade einmal ein Viertel des Best-Practice-Standards für Führung wird in den meisten Praxen umgesetzt.

Dieser Standard, der als validierte Leitlinie zur unternehmerischen Eigenverantwortung gilt, umfasst sämtliche Instrumente, Regelungen und Verhaltensweisen, die für eine professionelle Führung unerlässlich und unbedingt notwendig sind. Die häufigsten Beschwerden von Mitarbeitern – fehlende Wertschätzung, unklare Ziele, mangelnde Einbindung in Entscheidungsprozesse – spiegeln die Defizite im Führungsverständnis wider.

Der Weg zur Transformation: Die synergistische Wirkung von Best-Practice-Standard und R2A-Formel

Um ihre unternehmerische Eigenverantwortung in der Führung nachhaltig zu stärken, können Haus- und Fachärzte die R2A-Formel des Rethinkings nutzen:

  • Reflect: Ärzte sollten ihre aktuelle Führungssituation ehrlich reflektieren. Welche Defizite bestehen in der Kommunikation? Wie zufrieden sind die Mitarbeiter? Welche Beschwerden oder Anzeichen für Unzufriedenheit gibt es? Eine umfassende Selbstevaluation bildet die Basis für Verbesserungen.
  • Analyze: Mithilfe des Best-Practice-Benchmarkings analysieren Praxisinhaber, welche Führungsaspekte in ihrer Praxis fehlen. Ein Abgleich mit der validierten Leitlinie des Praxismanagements zeigt konkret, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Die strukturierte Analyse offenbart zudem die Wechselwirkungen zwischen Führung und Praxis-Performance.
  • Advance: Mit den Erkenntnissen aus Reflexion und Analyse können Ärzte gezielt Maßnahmen zur Optimierung einleiten. Dies umfasst die Einführung oder Verbesserung von Führungsinstrumenten, das Etablieren einer wertschätzenden Unternehmenskultur und die kontinuierliche Überprüfung der Fortschritte.

Die unternehmerische Eigenverantwortung als Leitprinzip

Eine professionelle Personalführung ist kein optionaler Zusatz, sondern ein zentrales Element der unternehmerischen Eigenverantwortung. Durch die konsequente Umsetzung des Best-Practice-Standards und die Anwendung der R2A-Formel können Ärzte nicht nur die Zufriedenheit und Motivation ihrer Mitarbeiter steigern, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung und ihre eigene Arbeitszufriedenheit verbessern. Gleichzeitig sichert eine effiziente Führungsstrategie die langfristige wirtschaftliche Stabilität der Praxis.

Die Transformation hin zu einer professionellen Führungskultur ist eine Herausforderung, aber sie ist machbar. Indem Ärzte sich ihrer Rolle als Unternehmer bewusst werden und die richtigen Werkzeuge nutzen, können sie ihre Praxis auf ein neues Niveau heben – zum Wohl der Mitarbeiter, der Patienten und ihrer eigenen Gesundheit.

Reflect. Analyze. Advance.
Reflect. Analyze. Advance.

Weiterführende Literatur

Unternehmerische Eigenverantwortung bezieht sich auf das gesamte Praxismanagement. Wie man ihr nachkommen kann, zeigt die Publikation:

Thill, K.-D.: Das Benchmarking des Praxismanagements für Haus- und Fachärzte: Methode, Anwendung und Nutzen, Neobooks, 2024 oder als PDF-Download

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