Kurzer Reminder: Algognosismus und die 9er-Matrix
Algognosismus heißt: Du führst nicht aus Routine, sondern aus bewusster, überprüfter Erkenntnis.
Du ersetzt den Reflex durch die Struktur, den Mythos durch die geprüfte Wahrheit, das Bauchgefühl durch nachvollziehbare Logik.
Die 9er-Matrix ist dein Kompass:
Drei Denkbewegungen (UNLEARN, DISRUPT, REINVENT) × drei Umsetzungsebenen (REFLECT, ANALYZE, ADVANCE) ergeben neun präzise Felder, die dich Schritt für Schritt aus dem automatischen Handeln in eine klare, gegenwartsfähige Praxisführung bringen.
Heute bewegen wir uns im Feld:
UNLEARN – ANALYZE → Mythen und Gewohnheiten nicht nur erkennen, sondern ihre Mechanik verstehen.
Prinzip 2 – UNLEARN & ANALYZE: Unsichtbare Denkfallen aufdecken
Das Problem: Du bist nicht nur von Gewohnheiten umgeben – du bist in ihnen gefangen
Denkfallen sind wie optische Täuschungen des Geistes: Sie lassen dich glauben, dass du frei entscheidest, während du in Wahrheit nur auf Schienen läufst, die du selbst nicht mehr siehst.
In einer Arztpraxis sind diese Schienen besonders stabil, weil:
– der medizinische Alltag stark durch feste Abläufe strukturiert ist,
– Zeitdruck Reflexhandlungen belohnt,
– Team- und Patientenerwartungen unausgesprochen Normen setzen,
– administrative Anforderungen wenig Raum für kreatives Denken lassen.
Das Ergebnis: Du hältst Dinge für alternativlos, die in Wahrheit nur gewohnheitsstabilisierte Entscheidungen sind.
Die 5 häufigsten Denkfallen in Praxen – und wie sie sich tarnen
- Die Effizienz-Falle
„Schneller ist besser.“
Du glaubst, jede Verkürzung der Konsultationszeit sei ein Gewinn – und übersiehst, dass dadurch Komplexität unter den Tisch fällt, die später doppelte Arbeit erzeugt. - Die Loyalitäts-Falle
„Mein Team weiß, was richtig ist.“
Du vertraust blind auf alte Abläufe, weil sie von langjährigen Mitarbeitern getragen werden – ohne zu prüfen, ob sie noch optimal sind. - Die Erfahrung-Falle
„Das habe ich schon oft erlebt, also weiß ich, wie es läuft.“
Du interpretierst neue Situationen durch den Filter alter Fälle – und übersiehst, dass kleine Abweichungen große Wirkungen haben können. - Die Patienten-Falle
„Die Patienten wollen das so.“
Du unterstellst Bedürfnisse, ohne sie jemals systematisch erhoben zu haben. - Die Rechts-Falle
„Das ist gesetzlich so vorgeschrieben.“
Du übernimmst Vorschriften ungeprüft als unveränderlich – auch wenn es legale, bessere Alternativen gibt.
Warum Denkfallen gefährlicher sind als offensichtliche Fehler
Ein klarer Fehler ist sichtbar und kann korrigiert werden.
Eine Denkfalle dagegen erzeugt falsche Gewissheit – du bist überzeugt, das Richtige zu tun, und hörst auf, Alternativen zu prüfen.
In der Medizin ist das besonders kritisch: Du kannst tagelang „alles richtig“ machen und trotzdem systematisch am Bedarf vorbei handeln, weil dein geistiger Referenzrahmen zu klein ist.
Algognosistische Diagnose-Methoden für Denkfallen
Wenn du Algognosismus praktizierst, gehst du Denkfallen wie eine klinische Diagnose an:
- Symptomerhebung:
Frage dich und dein Team: Wo wiederholen wir uns, ohne dass der Effekt besser wird? - Anamnese:
Wie ist dieser Ablauf oder diese Entscheidungspraxis entstanden? Aus eigener Wahl oder aus Fremdvorgabe? - Befund:
Welche messbaren Folgen hat diese Denkweise – Zeitverlust, Überlastung, Patientenzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit? - Differenzialdiagnose:
Welche alternativen Denkansätze gibt es – und wie würden sie das Ergebnis verändern? - Therapie:
Teste im kleinen Rahmen eine neue Denkstruktur, bevor du sie groß ausrollst.
Fallbeispiel: Die Laborwert-Schleife
Eine Facharztpraxis für Innere Medizin bestand darauf, dass jeder Laborwert durch die Ärztin selbst telefonisch an den Patienten kommuniziert wurde – „weil das die Patientenbindung stärkt“.
Die Analyse zeigte:
– 70 % dieser Gespräche enthielten nur die Aussage „Alles unauffällig“.
– MFA hätten diese Information rechtlich und organisatorisch übermitteln können.
– Ärztliche Zeit wurde für Routinemitteilungen gebunden, statt für komplexe Fälle genutzt.
Nach Umstellung auf MFA-Kommunikation (mit ärztlicher Freigabe im System) sank die ärztliche Telefonzeit um 8 Stunden pro Woche – ohne Einbruch in der Patientenzufriedenheit.
Deine Denkfallensuche – Schritt für Schritt
- Wähle einen Bereich pro Monat (z. B. Terminplanung, Labor, Dokumentation).
- Dokumentiere den Ist-Ablauf mit allen Beteiligten.
- Identifiziere die impliziten Annahmen – Sätze, die keiner ausspricht, aber jeder glaubt.
- Stelle jede Annahme infrage: Stimmt sie heute noch? Ist sie belegt?
- Entwickle eine Alternative, teste sie für 2 Wochen, messe den Effekt.
Führungsverantwortung im Analyse-Modus
Hier bist du nicht der Visionär, sondern der Pragmatiker mit Röntgenblick.
Deine Aufgabe ist es, die unsichtbaren Strukturen sichtbar zu machen – nicht, um alles sofort zu verändern, sondern um bewusst zu entscheiden, was bleiben darf.
Der Unterschied zu klassischen Management-Analysen:
– Du schaust nicht nur auf Zahlen, sondern auf Denkmechanismen.
– Du bewertest nicht nur Effizienz, sondern Klarheit.
– Du definierst nicht nur Aufgaben, sondern geistige Bezugspunkte.
Dein Handlungsimpuls
- Starte eine Denkfallen-Sprechstunde mit dir selbst: einmal pro Woche 30 Minuten nur dafür, eine Annahme aus deinem Alltag zu prüfen.
- Lass dein Team mitmachen – jede identifizierte Denkfalle ist ein Fortschritt, kein Versagen.
- Dokumentiere die gefundenen Fallen in einer „Praxis-Klarheitsakte“.
- Entscheide bewusst, ob sie bleiben, angepasst oder entfernt werden.
Das ist der Kern von UNLEARN & ANALYZE:
Nicht nur den Ballast sehen, sondern die unsichtbaren Fesseln erkennen, die dich unbemerkt führen.
Die Analyse zum Thema
Der Praxismanagement-Betriebsvergleich© für Haus- und Fachärzte. Alle Informationen im Überblick…
