Obstruktiv, Patchwork-strukturiert oder unternehmerisch ausgerichtet: Die drei Praxisführungs-Ansätze in der ambulanten Medizin

Worum es geht

Verwendet man den Best Practice-Standard als Referenz, lassen sich in Abhängigkeit von seinem Umsetzungsgrad drei grundsätzliche Praxisführungs-Stile identifizieren.

Orientierung an Notwendigem und Bewährtem

Betriebsvergleiche zeigen, dass der an externen und internen Kriterien gemessene Erfolg des Managements von Haus- und Facharztpraxen direkt vom dem Grad der Umsetzung des Best Practice-Standards abhängt. Der Begriff bezeichnet die Gesamtheit aller Regelungen, Instrumente, Maßnahmen und Verhaltensweisen, die fachgruppenübergreifend in den Aktionsbereichen

  • Planung,
  • Organisation,
  • Marktforschung,
  • Führung und Zusammenarbeit,
  • Zeit- und Selbstmanagement,
  • Patientenmanagement,
  • Marketing und
  • Finanzmanagement

eingesetzt werden müssen, um einen reibungslos funktionierenden Praxisbetrieb zu gewährleisten.

Unternehmerische Praxisführung

Ein Nutzungs-Grad des Standards ab 80% aufwärts charakterisiert High Performance-Praxen mit einer unternehmerischen Praxisführung. Den Inhabern derartiger Betriebe, die etwa 20% der deutschen Arztpraxen ausmachen, gelingt es hiermit, gleichzeitig und synergistisch

  • die Anforderungen an eine optimale Patientenversorgung sowie
  • die Belange des Personals in Bezug auf die Arbeitsqualität zu erfüllen und
  • ihre eigenen Ziele zu erreichen.

Stress, Burn-out, Arbeitsdruck, unzufriedene Patienten oder Team-Konflikte sind in diesen Praxen kein Thema. Sie sind Patienten-Magneten und haben bereits heute Referenz-Charakter für andere. Ihre betriebswirtschaftlich fundierte Arbeit und Erfahrungen werden mittelfristig die Standards für die Tätigkeit in Haus- und Facharztpraxen definieren.

Unternehmerisch bedeutet dabei nicht, wie oft falsch angenommen, vor allem den Praxisgewinn zu maximieren, eine bestimmte Betriebs-Größe zu erreichen bzw. zu überschreiten oder besonders viel und lange zu arbeiten, sondern die notwendigen Grundlagen für eine patientenzentrierte, effiziente und produktive Arbeit systematisch zu nutzen.

Ein Beispiel-Effekt

Die Deutlichkeit der Unterschiede zwischen Praxen mit unternehmerischer Praxisführung und anderen zeigen sich besonders gut in Vergleichen der Patientenzufriedenheit. Liegt der durchschnittliche Patient Care Quality Score (PCQS) von Arztpraxen, der die Betreuungsqualität aus der Gegenüberstellung von Patientenzufriedenheit und -anforderungen bestimmt, bei knapp 45%, sind HPP durch Werte oberhalb der 70%-Marke gekennzeichnet.

Obstruktive Praxisführung

Die unternehmerische Praxisführung unterscheidet sich stark von der obstruktiven, bei der weniger als 40% des Best Practice-Standards realisiert werden. Da das Praxismanagement der Transmitter zwischen den medizinischen Fähigkeiten der Ärzte, der Arbeit des Personals sowie den eingesetzten Ressourcen und der Patientenversorgung ist, kommt die Arbeit der Teams, die diesem Prinzip folgen und die etwa 35% der deutschen Arztpraxen ausmachen, bei den Patienten gar nicht adäquat an. Unterbrechungen der Patienten-Problemschilderungen nach wenigen Sekunden, eine Organisation, die Ärzte und MFA unter Druck setzt, aber auch durch Patientengespräche im Twitter-Format, zu wenig Informationen, lange Wartezeiten oder generell unkoordinierte Abläufe sind nur einige Beispiele für die ausgeprägte Praxismanagement-Insuffizienz. Diese Praxen arbeiten kontinuierlich an ihrem Limit und sind deshalb auch durch eine starke Mitarbeiter- und Patientenfluktuation geprägt. Punktuelle verbessernde Eingriffe in die Praxisarbeit zeigen keine Effekte, denn die Praxisführung müsste von Grund auf neu aufgebaut werden.

Patchwork-Praxisführung

Sie charakterisiert Betriebe – ca. 45%der deutschen Praxen – mit einem Umsetzungs-Grad des Best Practice-Standards zwischen 40% und 80%. Ihre Praxisführung kann man als Flicken-Teppich bezeichnen, der aus professionellen und unzureichenden Regelungen besteht, die sich gegenseitig behindern, so dass kaum Effizienz, Produktivität und Synergien entstehen. Veränderungen finden – selbst wenn ihre Notwendigkeit erkannt wird – häufig nicht statt, denn die Grundhaltung der Praxisinhaber ist durch ein ausgeprägtes Sicherheitsstreben und betriebswirtschaftliche Abstinenz geprägt. Die Arbeitsbedingungen sind zwar besser als bei obstruktiver Praxisführung, aber im Vergleich zur unternehmerischen Variante deutlich schlechter, ebenso die qualitativen und quantitativen Resultate.

Die Praxisführung im Test

Haus- und Fachärzte, die interessiert sind, den Status ihrer Praxisführung zu bestimmen und u. U. noch notwendige Veränderungs-Schritte zu identifizieren, steht hierfür der Valetudo Check-up© „Praxismanagement“ zur Verfügung, eine ohne die Notwendigkeit eines Vor-Ort-Beraters umsetzbare Benchmarking-Analyse.