Rethinking: Warum niedergelassene Ärzte ohne unternehmerische Eigenverantwortung Chancen in der Patientenversorgung verpassen (THOR5021)

Ein Rethinking-Impuls von Klaus-Dieter Thill

Worum es geht

In der ambulanten Medizin ist die Überzeugung, ein Arzt solle lediglich medizinisch handeln und sich nicht mit betriebswirtschaftlichen Aspekten auseinandersetzen, nach wie vor weitverbreitet. Dieses Mindset führt jedoch zu einer gefährlichen Vernachlässigung der unternehmerischen Eigenverantwortung, die nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis gefährdet, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung langfristig beeinträchtigt. Die Fähigkeit, medizinische Exzellenz und unternehmerisches Denken zu vereinen, ist eine der zentralen Herausforderungen, denen sich Ärzte in der heutigen Gesundheitslandschaft stellen müssen. Ohne diese Verbindung bleiben Chancen zur kontinuierlichen Verbesserung der Patientenversorgung ungenutzt.

Unternehmerische Eigenverantwortung: Ein unverzichtbares Fundament

Unternehmerische Eigenverantwortung bedeutet, die Praxis nicht nur als Ort der medizinischen Versorgung zu betrachten, sondern auch als systemischen Organismus, der auf strategischen Entscheidungen basiert. Ein Arzt, der unternehmerisch handelt, versteht seine Praxis als Dienstleistungsunternehmen, das Effizienz, Innovation und Qualität in Einklang bringen muss. Das schließt die aktive Gestaltung von Prozessen, die kluge Ressourcen-Allokation und die kontinuierliche Anpassung an externe Entwicklungen ein.

Ärzte, die diese Perspektive ignorieren, riskieren, in einem starren System gefangen zu bleiben, das auf Routinen statt auf Optimierung basiert. Sie reagieren lediglich auf Probleme, anstatt proaktiv Lösungen zu gestalten. Das Ergebnis ist nicht nur eine ineffiziente Praxisorganisation, sondern auch eine verpasste Chance, die Patientenversorgung auf ein höheres Niveau zu heben.

Die Verbindung zwischen Praxismanagement und Patientenversorgung

Die Qualität der Patientenversorgung steht in direktem Zusammenhang mit der organisatorischen und wirtschaftlichen Effizienz einer Praxis. Ein Arzt, der unternehmerische Eigenverantwortung übernimmt, hat die Möglichkeit, innovative Ansätze und zunehmend auch moderne Technologien zu integrieren, die den gesamten Behandlungsprozess optimieren. Beispiele hierfür sind die Einführung effizienter Terminmanagement-Systeme oder die Implementierung von Telemedizin. Diese Maßnahmen reduzieren nicht nur administrative Hürden, sondern schaffen auch mehr Zeit und Raum für die individuelle Betreuung der Patienten.

Ohne unternehmerisches Denken bleibt jedoch vieles im Status quo stecken. Veraltete Strukturen und ineffiziente Abläufe führen zu längeren Wartezeiten, erhöhter Arbeitsbelastung für das Praxispersonal und einer weniger personalisierten Patientenbetreuung. Der Arzt, der sich weigert, Verantwortung für die Weiterentwicklung seiner Praxis zu übernehmen, beraubt sich und seine Patienten der Möglichkeit, von modernen Lösungen zu profitieren, die sowohl die Zufriedenheit der Patienten als auch die Arbeitsbedingungen im Team verbessern könnten.

Verpasste Chancen durch fehlende Eigenverantwortung

Die wohl größte verpasste Chance durch das Fehlen unternehmerischer Eigenverantwortung ist die Möglichkeit, die Praxis als lernendes System zu gestalten. Kontinuierliche Verbesserung basiert auf der Fähigkeit, eigene Prozesse zu analysieren, Schwachstellen zu identifizieren und gezielte Anpassungen vorzunehmen. Ein Arzt, der sich dieser Verantwortung entzieht, läuft Gefahr, in einem Kreislauf von Wiederholung und Stagnation zu verharren. Fehler oder Ineffizienzen, die hätten behoben werden können, werden so perpetuiert.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Anpassung an sich verändernde Bedürfnisse der Patienten. Patienten erwarten zunehmend transparente Kommunikation, digitale Angebote und flexible Zugangsmöglichkeiten zur medizinischen Versorgung. Ohne unternehmerisches Handeln bleibt eine Praxis blind für diese Trends und verliert langfristig an Attraktivität.

Der psychologische Widerstand: Warum unternehmerisches Denken oft gemieden wird

Hinter der Abneigung vieler niedergelassener Ärzte gegenüber unternehmerischer Eigenverantwortung stehen häufig tief verwurzelte psychologische und kulturelle Gründe. Viele betrachten sich primär als Mediziner und empfinden wirtschaftliche oder organisatorische Überlegungen als fremd oder sogar unethisch. Diese Haltung wird oft durch ein Berufsbild verstärkt, das den Arzt als selbstlosen Helfer idealisiert und betriebswirtschaftliches Denken mit Profitstreben gleichsetzt.

Ein weiterer Faktor ist die Angst vor Veränderung. Die Übernahme von unternehmerischer Eigenverantwortung erfordert Mut, sich mit neuen Konzepten und Techniken auseinanderzusetzen und gewohnte Wege zu verlassen. Die Unsicherheit, ob diese Veränderungen erfolgreich sein werden, kann lähmend wirken und dazu führen, dass Ärzte lieber an bestehenden Strukturen festhalten, auch wenn diese suboptimal sind.

Die Notwendigkeit eines Rethinkings

Ein grundlegendes Umdenken ist notwendig, um niedergelassene Ärzte für die Bedeutung unternehmerischer Eigenverantwortung zu sensibilisieren. Dieses Rethinking erfordert, die Praxis nicht als isolierte medizinische Einheit zu betrachten, sondern als integrierten Bestandteil des Gesundheitswesens, der aktiv gestaltet werden muss, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Ein zentraler Schritt ist die Erkenntnis, dass unternehmerisches Handeln keinen Gegensatz zur medizinischen Ethik darstellt. Im Gegenteil: Durch effizientes Praxismanagement und innovative Ansätze wird die Grundlage geschaffen, Patientenversorgung auf höchstem Niveau anzubieten. Dieses Verständnis kann nur durch Selbstreflexion und die Bereitschaft zur Analyse bestehender Denkmuster und Prozesse entstehen.

Die R2A-Formel: Reflect. Analyze. Advance.

Die R2A-Formel des Rethinkings bietet eine strukturierte Methode, um unternehmerische Eigenverantwortung in der Praxis zu etablieren:

Reflect

Alles beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Der Praxisinhaber reflektiert, welche Rolle unternehmerisches Handeln bisher in seiner Praxis gespielt hat. Dabei stellt er sich, am besten gestützt durch ein Best Practice-Benchmarkings des Praxismanagements, Fragen wie:

  • „Welche Prozesse in meiner Praxis funktionieren nicht optimal?“
  • „Welche Verbesserungen haben meine Patienten in den vergangenen Jahren konkret erlebt?“
  • „Wie trage ich selbst zur Weiterentwicklung meiner Praxis bei?“

Analyze

In der Analyse-Phase untersucht der Arzt die Auswirkungen seines bisherigen Handelns. Welche Folgen haben ineffiziente Abläufe oder veraltete Strukturen für die Patienten und das Team? Wo bestehen Schwachstellen, die den Fortschritt behindern? Gleichzeitig identifiziert er aus der Best Practice-Analyse Bereiche, in denen unternehmerisches Handeln gezielt Veränderungen bewirken kann.

Advance

In der Umsetzungsphase entwickelt der Arzt konkrete Maßnahmen, um seine Praxis systematisch zu verbessern. Dies könnte die Einführung regelmäßiger Feedback-Schleifen mit dem Team sein, die Investition in digitale Tools oder die Teilnahme an Fortbildungen im Bereich Praxismanagement. Durch kleine, aber kontinuierliche Schritte kann die Praxis zu einem Ort werden, der sowohl medizinisch als auch organisatorisch höchsten Ansprüchen genügt.

Fazit: Medizinische Exzellenz benötigt unternehmerisches Denken

Die Verknüpfung von medizinischer Expertise und unternehmerischer Eigenverantwortung ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um die Chancen für eine kontinuierliche Verbesserung der Patientenversorgung zu nutzen. Niedergelassene Ärzte, die unternehmerisches Handeln ablehnen, bleiben in ihrer Entwicklung und in der ihrer Praxis stehen, während sie gleichzeitig die Potenziale ihrer Patientenversorgung ungenutzt lassen. Ein Rethinking dieser Haltung eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten für die Praxis, sondern stellt sicher, dass die Medizin von morgen nicht nur kompetent, sondern auch nachhaltig und patientenorientiert gestaltet wird.

Reflect. Analyze. Advance.
Reflect. Analyze. Advance.

Weiterführende Literatur

Thill, K.-D.: Das Benchmarking des Praxismanagements für Haus- und Fachärzte: Methode, Anwendung und Nutzen, Neobooks, 2024 oder als PDF-Download

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