Rethinking Praxismanagement: Ohne KPIs bremst ein mittelmäßiges Praxismanagement eine exzellente Patientenversorgung und wirtschaftlichen Erfolg aus

„Gute Medizin benötigt gutes Management.“

Warum Key Performance Indikatoren (KPIs) der entscheidende Erfolgsfaktor für Arztpraxen sind

Das traditionelle Verständnis von Praxisführung fußt auf der Annahme, dass medizinische Exzellenz automatisch zu wirtschaftlichem Erfolg und hoher Patientenzufriedenheit führt. Doch in der realen Praxiswelt zeigt sich, dass dies ein Trugschluss ist. Eine Praxis ist nicht nur ein Ort medizinischer Versorgung, sondern auch ein komplexes System aus Prozessen, Ressourcen und Schnittstellen, das professionelles Management erfordert.

Die harte Wahrheit: Ohne den gezielten Einsatz von Key Performance Indikatoren (KPIs) ist es unmöglich, eine Praxis wirtschaftlich nachhaltig zu steuern und gleichzeitig eine exzellente Patientenversorgung zu gewährleisten. Die subjektive Wahrnehmung von Effizienz, Qualität und Wirtschaftlichkeit führt in den meisten Fällen zu Verzerrungen, die eine fundierte Steuerung verhindern. Erst durch die konsequente Nutzung von KPIs entsteht eine objektive Datengrundlage, die es ermöglicht, Fehlentwicklungen zu erkennen, Optimierungspotenziale auszuschöpfen und langfristig eine leistungsfähige, wirtschaftlich stabile Praxisstruktur zu etablieren.

Exzellente Patientenversorgung benötigt ein strukturiertes Praxismanagement

Viele Ärzte betrachten die Patientenversorgung als unabhängigen Bereich, der kaum von betriebswirtschaftlichen Faktoren beeinflusst wird. Doch in Wahrheit gibt es eine direkte Wechselwirkung zwischen Praxismanagement und medizinischer Qualität. Beispiele:

  • Ohne effiziente Terminplanung entstehen Wartezeiten, die nicht nur den Stresslevel des Personals erhöhen, sondern auch die Patientenzufriedenheit senken.
  • Unstrukturierte Abläufe im Sprechstundenmanagement führen zu Hektik, die sich negativ auf die Qualität der Diagnostik und Therapie auswirken kann.
  • Fehlende Mitarbeiterführung resultiert in Desorientierung des Teams, was wiederum die Fehlerquote erhöht und die Patientensicherheit gefährdet.

KPIs ermöglichen es, genau diese Problemstellen zu identifizieren. Kennzahlen wie der Best Practice-Score, der Teamwork Quality Score, der Net Promoter Score oder der Leadership Impact Score liefern wertvolle Einblicke, wo Optimierungen nötig sind, um eine reibungslose und qualitativ hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen.

Wie wichtig diese Kennzahlen sind, belegt die Tatsache, dass Haus- und Fachärzte die Hälfte der für einen auch unter wechselnden Anforderungen reibungslos funktionierenden Praxisbetrieb notwendigen Instrumente, Regelungen und Verhaltensweisen nicht einsetzen.

Monetärer Praxiserfolg ist ohne Steuerung durch KPIs nicht planbar

Viele niedergelassene Ärzte unterschätzen die Bedeutung eines professionellen Managements für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg ihrer Praxis.

Die größte Illusion: “Solange die Praxis gut besucht ist, sind auch die Finanzen in Ordnung.” Doch eine hohe Patientenzahl bedeutet nicht automatisch hohe Rentabilität. Ohne KPIs bleibt der betriebswirtschaftliche Erfolg reines Bauchgefühl und damit unkalkulierbar. Ohne diese Daten sind strategische Entscheidungen im Praxismanagement reine Spekulation. Eine wirtschaftlich gesunde Praxis ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer durchdachten, datenbasierten Steuerung.

Widerstand gegen KPIs: Psychologische Barrieren und Denkfehler

Trotz der offensichtlichen Vorteile von KPIs existiert in vielen Arztpraxen eine tief verwurzelte Abwehrhaltung gegen deren Nutzung. Die Gründe dafür sind oft psychologischer Natur:

  • Kognitive Dissonanz: Die Angst, durch KPIs Defizite in der eigenen Praxisführung offengelegt zu bekommen, führt zu einem Vermeidungsverhalten.
  • Status-quo-Bias: Viele Ärzte halten an bestehenden Strukturen fest, auch wenn diese ineffizient sind, da jede Veränderung als Risiko empfunden wird.
  • Kompetenz-Missverständnis: Medizinische Expertise wird oft mit betriebswirtschaftlicher Kompetenz gleichgesetzt. Doch gutes medizinisches Arbeiten bedeutet nicht automatisch effiziente Praxisführung.
  • Die Angst vor zu viel Bürokratie: KPIs werden oft als zusätzlicher Verwaltungsaufwand gesehen, anstatt als effektives Steuerungsinstrument.

Die Lösung liegt in einem Rethinking des Praxismanagements: Statt KPIs als Bedrohung zu sehen, sollten sie als Werkzeuge zur Selbstoptimierung begriffen werden. Nicht die Messung der eigenen Praxisleistung ist das Problem, sondern das Nichtwissen darüber, wo Verbesserungspotenzial besteht.

Rethinking KPIs: Die Balance zwischen Steuerung und Flexibilität

Ein professionelles Praxismanagement bedeutet nicht, dass der Arzt oder die Ärztin zum Controller wird. Es geht nicht darum, sich in einem Meer aus Zahlen zu verlieren, sondern die richtigen KPIs, die eine Praxismanagement-Benchmarking-Analyse liefert, gezielt einzusetzen.

Datenbasierte Steuerung und medizinische Freiheit sind also kein Widerspruch. Im Gegenteil: Wer KPIs intelligent nutzt, schafft mehr Freiraum, um sich auf die medizinische Kernarbeit zu konzentrieren.

Fazit: Ohne KPIs keine nachhaltige Exzellenz

Eine hochqualitative Patientenversorgung und wirtschaftlicher Erfolg sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Erst durch eine datenbasierte Steuerung werden Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität planbar und nachhaltig optimierbar.

Der Verzicht auf KPIs bedeutet, im Blindflug zu agieren und sich auf subjektive Einschätzungen zu verlassen. Wer jedoch bereit ist, sein Praxismanagement mit klaren Messkriterien zu optimieren, legt den Grundstein für eine stressfreie, wirtschaftlich stabile und patientenorientierte Zukunft.

Deshalb gilt: Nicht die Messung ist das Problem – sondern das Fehlen einer klaren Steuerung.

Weiterführende Literatur

Thill, K.-D.: Benchmarking des Praxismanagements für Haus- und Fachärzte – Methode, Anwendung und Nutzen, Neobooks, Berlin, 2024 oder als PDF-Skript: https://bit.ly/43qoK9C

Die Publikation beschreibt, wie die KPIs des Praxismanagements mithilfe eines Best Practice-Benchmarkings generiert und genutzt werden können.