Best Practices in Haus- und Facharztpraxen: Warum 80 Prozent nicht automatisch besser sind als 70 Prozent

Organisatorische Referenzwerte sind keine Rangliste

80 Prozent Best-Practice-Umsetzung sind mehr als 70 Prozent. Rechnerisch ist die Sache eindeutig. Für die Einordnung einer Praxisorganisation ist sie es nicht ganz. Wer einen organisatorischen Referenzwert erhält, könnte ihn intuitiv wie viele andere Kennzahlen lesen: je höher, desto besser. Eine Praxis mit 80 Prozent wäre danach organisatorisch besser aufgestellt als eine Praxis mit 70 Prozent. Und 90 Prozent wären wiederum besser als 80.

Der Organisations-Referenzvergleich (ORV) ist jedoch nicht als Rangliste angelegt. Sein Best-Practice-Umsetzungsgrad zeigt, wie vollständig eine Praxis die im Referenzstandard erfassten organisatorischen Merkmale umsetzt. Er liefert damit eine Positionsangabe gegenüber einer definierten Referenz. Aus dieser Positionsangabe allein entsteht noch kein umfassendes Urteil über die Organisation. Das ist ein wichtiger Unterschied.

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Diagnostik der Praxisorganisation: Referenzposition, strukturelle Tragfähigkeit und Verlauf in Haus- und Facharztpraxen

Eine Arztpraxis kann zuverlässig funktionieren – und dennoch organisatorische Fragen offenlassen. Denn sichtbares Funktionieren allein zeigt noch nicht, wie die Praxis im Vergleich einzuordnen ist, wie tragfähig ihre Strukturen sind oder wie sich ihre Organisation im Zeitverlauf entwickelt.

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Haus- und Facharztpraxen: Ein funktionierender Praxisalltag ist noch kein vollständiger organisatorischer Befund

Eine Sprechstunde läuft im Wesentlichen planmäßig, Befunde werden bearbeitet, Rückfragen geklärt und Patienten zuverlässig versorgt. Aus Sicht des Praxisalltags ist das zunächst eine wichtige Feststellung: Die Praxis funktioniert.

Aus ärztlicher Sicht wäre damit jedoch noch nicht jede diagnostische Frage beantwortet. Ein unauffälliger Befund beschreibt zunächst einen beobachtbaren Zustand. Je nach Fragestellung können zusätzliche Informationen erforderlich sein: die Einordnung gegenüber einer Referenz, ergänzende Funktionsinformationen oder die Entwicklung im Verlauf.

Für die Praxisorganisation lässt sich dieses Prinzip übertragen.

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Haus- und Facharztpraxen: 72 Prozent Best Practice und trotzdem lohnt der Blick ins Detail

Warum derselbe Gesamtwert zwei sehr unterschiedliche Praxisorganisationen beschreiben kann

72 Prozent des Best-Practice-Referenzstandards.

Auf den ersten Blick ist das eine recht eindeutige Information. Die Praxis setzt knapp drei Viertel der organisatorischen Merkmale um, die im Referenzstandard erfasst sind. Dieser umfasst Verfahren, Instrumente und Verhaltensweisen, die sich auf empirischer Grundlage als wesentlich dafür erwiesen haben, dass ein Praxisbetrieb auch unter wechselnden Anforderungen und Belastungen verlässlich und möglichst reibungslos funktioniert.

72 Prozent beschreiben damit eine organisatorische Position gegenüber dieser Referenz. Aber wie sieht eine Praxis mit 72 Prozent eigentlich aus? Genau an dieser Stelle stößt ein Gesamtwert an seine Grenze. Denn zwei Praxen können denselben Best-Practice-Umsetzungsgrad erreichen und organisatorisch dennoch unterschiedlich aufgestellt sein.

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Bei einer Praxisübernahme werden viele Werte geprüft. Der Organisationsstand meist nicht.

Warum die organisatorische Ausgangslage eine eigene Referenzinformation verdient

Wer eine Arztpraxis übernimmt, möchte wissen, was er übernimmt. Umsätze und Kosten werden betrachtet, Fallzahlen analysiert, Personalstrukturen erfasst, Verträge geprüft und Investitionen bewertet. Hinzu kommen je nach Praxis weitere wirtschaftliche und rechtliche Informationen. Das ist selbstverständlich. Schließlich soll die Ausgangslage möglichst genau bekannt sein, bevor eine weitreichende Entscheidung getroffen wird.

Bei einem Bereich ist diese Informationslage häufig weniger eindeutig: bei der Praxisorganisation. Natürlich sieht der Nachfolger, wie die Praxis arbeitet. Er lernt Mitarbeiter kennen, erlebt Abläufe und erhält einen Eindruck davon, wie Termine organisiert, Informationen weitergegeben oder Aufgaben erledigt werden. Was daraus jedoch nicht hervorgeht, ist eine objektive Einordnung des organisatorischen Entwicklungsstands gegenüber externen Referenzen.

Damit kann eine bemerkenswerte Situation entstehen: Eine Praxis ist wirtschaftlich sehr genau beschrieben, während ihr organisatorischer Ausgangszustand weitgehend aus Eindrücken und Erfahrungen beurteilt wird.

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Haus- und Facharztpraxen: Warum „es läuft doch“ keine organisatorische Kennzahl ist

„Eigentlich läuft es bei uns.“ Für einen Praxisinhaber ist das eine durchaus fundierte Aussage. Er erlebt seine Praxis jeden Tag. Er sieht, ob die Sprechstunde funktioniert, ob Termine bewältigt werden, ob Befunde bearbeitet werden, ob das Team mit dem Patientenaufkommen zurechtkommt und ob die vielen kleinen organisatorischen Anforderungen eines normalen Praxistages erledigt werden.

Diese Erfahrung sollte man nicht gering schätzen. Im Gegenteil. Wer eine Praxis über Jahre oder Jahrzehnte führt, entwickelt ein sehr genaues Gespür dafür, ob der Betrieb trägt. Nur ist dieses Gespür keine Kennzahl. Und es beantwortet eine andere Frage als eine organisatorische Referenzinformation.

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Haus- und Fachärzte: Die unsichtbare Kostenstelle der Arztpraxis heißt Organisation

Arztpraxen verfügen über zahlreiche Kennzahlen, mit denen sich ihre wirtschaftliche Situation beurteilen lässt. Einnahmen, Personalkosten, Sachkosten, Fallzahlen oder Leistungsstrukturen können vergleichsweise präzise erfasst und im Zeitverlauf beobachtet werden.

Ein Teil des Ressourcenverbrauchs bleibt dabei jedoch weitgehend unsichtbar: der Aufwand, der durch die Organisation selbst entsteht.

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