Transformation der ambulanten Medizin: Warum Wettbewerbe für Digital-Lösungen niedergelassenen Ärzten nicht helfen

Worum es geht

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine Initiative auf der Basis eines Wettbewerbs gestartet, um digitale Lösungen zu finden, die gleichermaßen Patienten und Praxisteams nutzen. Doch die Aktion unterstützt Praxisinhaber nicht dabei, für ihre Betriebe eine Digital-Strategie zu entwickeln.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

So sinnvoll die Initiative ist, so gering wird die praktische Hilfestellung für Praxisinhaber sein, denn zum Schluss werden nur maximal zehn Wettbewerbs-Teilnehmer die Chance erhalten, ihre Ansätze in ausgewählten Praxen zu testen. In Relation zu allen bislang existierenden Projekten ist das eine verschwindend geringe Anzahl.

Ein falsches Digitalisierung-Verständnis

Hinzu kommt, dass die Digitalisierung durch derartige Auswahlprozesse in ihrer Definition in eine falsche Richtung gelenkt wird, denn es geht hierbei nicht um eine Aufnahme einzelner Instrumente und Konzepte in das Praxismanagement, sondern um eine Gesamt-Transformation der Praxisführung, die in ihrer Ausgestaltung eine praxisindividuelle, strategisch-unternehmerische Entscheidung ist und für drei Bereiche getroffen werden muss:

(1) Systembezogene Digitalisierung

Sie ist das „digitale Pflichtprogramm“ der Ärzte und definiert einen verbindlichen Grundausstattungs- und Handlungsrahmen. Hierzu zählt vor allem das Telematik-Projekt.

(2) Patientenbezogene Digitalisierung

Hierunter werden alle Digital-Lösungen subsumiert, die von Ärzten über den Systemrahmen hinaus individuell bei der direkten Patientenbetreuung und -Versorgung eingesetzt werden. Ihre Auswahl ist das Ergebnis persönlich-unternehmerischen Entscheidungen. In diese Kategorie fallen heute in Ansätzen bereits genutzte Techniken wie die Online-Videosprechstunde oder die E-Mail-Kommunikation, aber zukünftig vor allem der integrierte (!) Einsatz von Apps, Sensoren und Trackern sowie die Nutzung von KI-Systemen zur Unterstützung der diagnostischen und therapeutischen Arbeit.

(3) Managementbezogene Digitalisierung

In dieser Klasse geht es um die Transformation der Administration und Organisation in Arztpraxen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Praxis-Software, aber auch die Nutzung von Online-Terminbuchungen, die Datenerfassung mit Hilfe mobiler Endgeräten oder Speech-To-Text-Programme.

Ärzte haben vor allem strategischen Unterstützungsbedarf

Bislang existiert unter Praxisinhabern kein Bewusstsein, dass sie ihre existierende Praxis-Strategie dahingehend überdenken müssen, ob für sie eine Digitalisierung überhaupt in Frage kommt und – bei positivem Entscheid – in welchen Bereichen bzw. in welchem Umfang eine Modifizierung oder Erweiterung durch digitale Lösungen grundsätzlich sinnvoll sein könnte. Überdies kennt kaum ein Praxisteam die Digital-Anforderungen und -Wünsche seiner Patienten. Eigene Einschätzungen gehen hierbei oft weit an der Realität vorbei, so dass als erster Schritt entsprechende Informationen erhoben werden müssen.
Erst danach sind einzelne passende Digital- Ansätze auswählbar (Teil-Digitalisierung), die bereits existieren und bewährt sind, um mit ihnen erste Erfahrungen für den spätere Voll-Digitalisierung zu sammeln. Aus diesen Erkenntnissen leitet sich u. a. auch ab, welche neuen Kompetenzen für Ärzte und Medizinische Fachangestellte aufzubauen sind.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

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©IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES


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