Digitalisierung der Arztpraxis: Warum es zu keiner generellen Arbeitsentlastung für Praxisteams kommen wird

Worum es geht

Niedergelassene Ärzte sind vielfach der Meinung, dass durch die Automatisierungs-Funktionen digitaler Lösungen mehr Zeit gewonnen und der Arbeitsdruck gesenkt werden können. Doch das ist ein Trugschluss.

Der Irrtum

Ein Vorteil, der in Zusammenhang mit der digitalen Transformation der Arbeit in Arztpraxen immer wieder herausgestellt wird, ist die Möglichkeit, Prozesse zu automatisieren. Überall dort, wo elektronisch abwickelbare Routinen anfallen, kann es damit zu einer Entlastung kommen. Dieses Argument haben – wie die Ergebnisse aus Gruppendiskussionen mit Ärzten zeigen – viele Praxisinhaber verinnerlicht. Das Problem ist jedoch, dass die meisten daraus die verkürzte Schlussfolgerung ziehen, dass es hierdurch zu einer generellen Arbeitsentlastung und zu einem einfacheren Arbeiten kommt. Doch das ist ein Trugschluss. Zwar können Standardabläufe automatisiert werden, gleichzeitig werden die Anforderungen an das Praxismanagement und die Fähigkeiten der Medizinischen Fachangestellten insgesamt deutlich höher, da die Komplexität des Arbeitsgeschehens insgesamt zunimmt.

Beispiel Dokumenten-Digitalisierung

Bereits heute besteht beispielsweise die Möglichkeit, Patientenakten elektronisch zu verwalten, eine Option, die bei entsprechender PC-Verfügbarkeit den Arbeitsfluss in einer Arztpraxis deutlich fördert und einfacher gestaltet. Um so arbeiten zu können, müssen aber alle Unterlagen, die neu hinzukommen und meist in Papierform vorliegen, gescannt oder – wenn die Bereitstellung elektronisch erfolgt – eingespielt werden. Das erfordert nicht nur Arbeitszeit, z. B. verursacht durch den Scan-Prozess selbst, die Vollständigkeitskontrolle des Imports, die Vergabe eines Dokumenten-Namen und die sachgerechte Abspeicherung, sondern auch die hierfür benötigten Fähigkeiten und Sorgfalt, denn ein elektronisch falsch archiviertes Dokument ist ebenso schwierig zu finden wie eines in Papierform. Vergleiche haben bereits gezeigt, dass die digitale Verarbeitung von Dokumenten länger dauert als das bisherige Vorgehen. Das spricht nicht gegen die Dokumenten-Digitalisierung, da hierdurch ja Folge-Vorteile entstehen, der Arbeitsaufwand muss aber dennoch bei der Gestaltung der Praxisorganisation berücksichtigt werden.

Beispiel Patienten-Monitoring

Ebenso werden ganz neue Tätigkeiten hinzukommen, z. B. in Form des Health Monitorings für Chroniker. Die hierfür benötigten Daten gelangen elektronisch und automatisiert in die Praxen, die Regelmäßigkeit der Übertragung und Bearbeitungs- und Interpretationsaktivitäten bedürfen aber einer Vielzahl von zusätzlichen Interventionen des Praxisteams.

Schwierige Ausgangs-Situation

Doch schon im heutigen „Normalbetrieb“ klagen viele Medizinische Fachangestellte darüber, kaum Zeit für die Administration zu haben, deren Umfang im Zuge der Digitalisierung zumindest nicht abnehmen, aber vor allem vielfältiger und mehr Konzentration erfordern wird. Patienten-Betreuung und -Verwaltung benötigen deshalb ein völlig neu ausgerichtetes funktionsfähiges Praxismanagement, das vom gegenwärtigen „Entlastung-Traum der Automatisierung“ vieler Ärzte weit entfernt ist. Erhältlich bei Neobooks.com und in allen Online-Bookstores.

Weiterführende Informationen und Hilfestellungen zum Thema

E-Book „Roadmap für die Digitalisierung der Arztpraxis„. Diese Publikation vermittelt auf der Basis der Erkenntnisse des Marktforschungs-Projektes „d-change©: Digitalisierung der Arztpraxis“ einen Einblick, was Transformation für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte tatsächlich bedeutet bzw. bedeuten kann, warum es sich lohnt, sich jetzt mit dem Thema zu beschäftigen und wie man als Praxisinhaber für seinen Praxisbetrieb ein passende Digital-Konzept vorbereiten kann.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

Diesen Beitrag zitieren

Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)


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