Digitalisierung der Arztpraxis: Für die Transformation fehlen derzeit ärztliche Motivation und betriebliche Grundlagen

Worum es geht

Die Anzahl der Berichte und Pressemitteilungen zu digitalen Lösungen und Konzepten, die auch in Arztpraxen einsetzbar sind, steigt deutlich an. Doch an der geringen Umsetzung ändert sich nichts. Verantwortlich ist sind zwei Probleme: die meisten niedergelassenen Ärzte sind nicht nur desinteressiert, sondern verfügen gleichzeitig nicht über die betrieblichen Grundlagen für eine sachgerechte Transformation.

Digitalisierung ist Zwang

In den Valetudo Check-up©-Untersuchungen wird u. a. auch der Digital-Status der analysierten Praxen bestimmt. Eine der zugehörigen offenen Fragen eruiert, ob die Praxisinhaber – ergänzend zu einer strukturierten Abfrage verschiedener Digitalisierungs-Varianten – in naher Zukunft noch weitere, in der Auflistung nicht erwähnte Projekte planen und um welche es sich bei einer positiven Antwort handelt. Hierzu vermerkte ein Internist: „Nur, weil ich „muss“: Online-Abrechnung vom Praxis-Computer aus, demnächst eGK-Abgleich, die Terminal-Lösung, um schneller an Software-Updates zu kommen etc.“.

Eine Exploration zeigt den Meinungs-Mainstream

Die Einzelaussage deckt sich mit dem Resultat einer Exploration bei knapp vierhundert Hausärzten. Die Mediziner wurden dabei gebeten, ihre Meinung zur Transformation („Die Digitalisierung ist für mich…“) auf einer Skala von „0“ („…ein inakzeptabler Zwang ohne wirklichen Nutzen für meine Arbeit und die Patientenversorgung.“) bis „100“ („…eine hervorragende Möglichkeit, meine Arbeitsbedingungen und die Patientenversorgung deutlich zu verbessern.“) zu dokumentieren. Als Resultat ergab sich ein Durchschnittswert von 18,6%.

Schlechte Ausgangs-Voraussetzungen

Zu berücksichtigen sind aber auch die Anwendungs-Voraussetzungen für digitale Lösungen in den Praxisbetrieben, d. h. das gegenwärtig umgesetzte Praxismanagement. Funktioniert die Praxisführung nicht oder nur unzureichend, lassen sich Digital-Konzepte auch nur schwer etablieren. Referenz der digitalen Prädisposition von Arztpraxen ist der Best Practice-Standard der Praxisführung, der die für ein reibungslos funktionierendes Praxismanagement notwendigen Regelungen, Instrumente und Verhaltensweisen beschreibt. Für deutsche Arztpraxen ergibt sich hierzu folgendes Bild:

  • Liegt die Erfüllung des Best Practice-Standards über 80%, handelt es sich um Praxen mit einer umfassenden digitalen Prädisposition. Sie verfügen über alle Voraussetzungen für eine systematische und planvolle Implementierung digitaler Konzepte. Nur 12% der deutschen Praxisbetriebe zählen zu dieser Kategorie.
  • Im Best Practice-Bereich zwischen 60% und 80% liegen die Betriebe mit einer entwicklungsfähigen Prädisposition (18%). Sie setzen einen Großteil der notwendigen Grundlagen um, einzelne Voraussetzungen fehlen aber noch. Wird dieser Mangel beseitigt, sind sie umgehend in der Lage, digital unterstützt zu arbeiten.
  • Im Intervall von 40% bis 60% der Best Practice-Umsetzung sind die Arztpraxen mit einer Grenzbereich-Prädisposition angesiedelt. Ein Teil der notwendigen Praxismanagement-Bausteine ist vorhanden, ein ebenso großer nicht. Die betroffenen Praxisteams müssen zunächst einen systematischen Praxismanagement-Aufbau betreiben, um Digitaltechniken überhaupt nutzen zu können. Sie machen 39% des untersuchten Kollektivs aus.
  • Ein Wert unter 40% kennzeichnet Praxen mit geringer Prädisposition. Ihr Management ist in der gemessenen Konstellation grundsätzlich nicht für die Implementierung von Digital-Lösungen geeignet. Ein Einsatz ist damit nicht aussichtslos, aber ohne eine grundlegende Veränderung der Praxisführung extrem unwahrscheinlich. 31% der deutschen Arztpraxen fallen in diese Kategorie.

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)


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