Digitalisierung der Arztpraxis: Scheitert sie, weil niedergelassene Ärzte die schlechtesten Manager Deutschlands sind?

Worum es geht

Die Auswahl und Implementierung von Digital-Lösungen ist eine Management-Aufgabe, doch die meisten Ärzte werden damit überfordert sein. Dennoch besteht Hoffnung.

Ärzte sind auch Manager, wollen es aber nicht sein

Analyse, Planung, Umsetzung, Kontrolle: was sich in vier Wörtern einfach skizzieren lässt, ist in der Umsetzung deutlich diffiziler. Das gilt ganz besonders für niedergelassene Ärzte, die während ihrer Ausbildung nur peripher Berührung mit der Management-Thematik haben und die Rolle als Unternehmer eigentlich ablehnen. Natürlich gibt es Ausnahmen, die doch die betreffen nur etwa ein Drittel der Ärzteschaft. Insgesamt lässt sich auf der Basis von mehr als 10.000 Valetudo Check-up-Untersuchungen sagen, dass das Management in Arztpraxen weit von einer professionellen Handhabung entfernt ist. Dieses systemische Defizit ist u. a. auch deshalb so gravierend und gleichzeitig charakteristisch, da eine systematische Fehler-Erstanalyse nicht mehr als eine halbe Stunde ärztlicher Arbeitszeit beansprucht.

Arztpraxen, die Management-Provisorien

Im Mittel setzen Praxisinhaber und ihre Teams nur die Hälfte der für einen reibungslos funktionierenden Praxisbetrieb benötigten Instrumente, Ablaufstrukturen und Verhaltensweisen ein. Statt prospektiv-flexibel die eingangs skizzierten Management-Prozesse zu nutzen, basiert die Arbeit auf einmalig in der Vergangenheit etablierten Routinen, die je nach Anforderungen provisorisch verändert werden. Auf ähnliche Vorgehensweisen trifft man zwar auch in anderen Branchen, doch die Management-Unfähigkeit sowie die fehlenden Anstrengungen zu ihrer Beseitigung sind im ambulanten Bereich extrem ausgeprägt.

Was bedeutet das für die Digitalisierung?

Die digitale Transformation der Arbeit in Arztpraxen ist gleichermaßen eine medizinisch ausgerichtete und unternehmerische Aufgabe. Aber Praxisinhaber, die keine Praxis-Strategie besitzen, kaum Marktforschung betreiben und die Ressourcen suboptimal einsetzen, haben weder einen Überblick, welche Alternativen für ihren Betrieb in Frage kommen noch können sie Auswahlentscheidungen treffen oder die in Frage kommenden Lösungen so implementieren, dass sie der Patientenversorgung nutzen und die Arbeitsproduktivität fördern.

Ohne Unterstützung geht nichts

Damit ist eine ungestützte Digitalisierung im Sinne eines selbstablaufenden Projektes sowohl branchenbezogen als auch einzelbetrieblich nicht möglich, mit einem entsprechenden Backup aber durchaus realisierbar. Ärzte und ihre Mitarbeiterinnen benötigen dabei Hilfestellung zur Auswahl von Digital-Ansätzen und ihrer Umsetzung, eine Aufgabe, mit der sich u. a. Standesorganisationen und Anbieter gleichermaßen beschäftigen müssen. Hierbei stehen vor allem die Aktionsbereiche „Organisation“ und „Personalführung“ im Mittelpunkt, denn Praxisteams, die bereits heute Probleme haben, ihre Arbeitsprozesse aus interner und externer Sicht anforderungsgerecht zu gestalten, werden durch die Transformation noch mehr belastet. Parallel kommt es auch entscheidend auf das Engagement und die Fähigkeiten des Personals an, zwei Aspekte, die heute aus Arztsicht ebenfalls nur einen untergeordneten Stellenwert besitzen.

 

©Klaus-Dieter Thill / IFABS

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Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)


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