Die Best Practices unternehmerisch orientierter Haus- und Fachärzte: Analysen statt Annahmen

Worum es geht

Arbeitsüberlastung, unzureichende Honorierung, Bürokratisierung, überhöhte Patientenansprüche: wenn niedergelassene Ärzte über ihre Arbeit sprechen, dominieren Klagen und Problembeschreibungen. Dieses Verhalten findet sich bei unternehmerisch agierenden Praxisinhabern nur selten, denn sie vermeiden Probleme systematisch mit professionellen Analyse-Systemen.

Was kennzeichnet einen Unternehmer-Arzt

Etwa 15% der deutschen Haus- und Fachärzte fallen in diese Kategorie. Das wesentliche Kennzeichen ihrer Arbeit ist, dass sie mehr als 80% des Best Practice-Standards der Praxisführung einsetzen. Er umfasst diejenigen Instrumente, Regelungen und Verhaltensweisen, die einen reibungslos funktionierenden Praxisbetrieb gewährleisten. Ein unternehmerisch ausgerichteter Arzt ist also nicht dadurch charakterisiert, dass seine Praxis eine bestimmte Betriebs-Größe erreicht bzw. überschritten hat oder das Team besonders viel und lange arbeitet, sondern durch eine Praxisführung, die die Grundlagen für eine patientenzentrierte, effiziente und produktive Arbeit systematisch nutzt.

In Relation zu direkt vergleichbaren Betrieben ist bei diesen High-Performance-Praxen das qualitative und quantitative Leistungsergebnis deutlich besser und höher, gleichzeitig ist der hierfür eingesetzte Arbeitsaufwand aber geringer. Zwar wird in diesen Arztpraxen auch sehr viel gearbeitet, aber der Einsatz ist zu 100% produktiv, da keine Ressourcen unnötig verschwendet werden. Die Teams arbeiten systematischer und durchdachter, aber eben nicht „härter“.

Die Analyse-Lücke der ambulanten Medizin

Unternehmerisch ausgerichtete Praxisinhaber vermeiden einen entscheidenden Fehler, die vielen ihrer Kollegen tägliche Probleme bereiten: sie stützen ihre Arbeit nicht auf Annahmen, sondern auf Fakten. Über die verfügen jedoch die wenigsten Praxisinhaber, denn das Controlling ist im ambulanten Bereich nur unzureichend ausgeprägt.

Wenige Untersuchungen

Zum einen ist die Analyse-Tätigkeit selbst gering: beispielsweise haben bislang erst 15% der niedergelassenen Ärzte eine professionelle Organisations-Analyse durchgeführt, der Umsetzungsanteil von Untersuchungen der Laufwege oder des Zeitverbrauchs ist noch niedriger. Untersuchungen der Teamwork-Qualität, der Zuweiser-Zufriedenheit oder Eigen- / Fremdbild-Abgleiche finden so gut wie gar nicht statt.

Falsche Konzepte

Zum anderen ist die Umsetzung oft fehlerhaft, d. h.

  • unprofessionell: die verwendeten Kriterien, Daten und Methoden eignen sich nicht für die Bestimmung des Erkenntniszieles,
  • ungeplant: die Kontrolle erfolgt in zufälligen oder unregelmäßigen Zeitabständen,
  • mit falscher Sichtweise: die Analyse konzentriert sich auf Einzelaspekte, seltener auf den gesamten Praxisbetrieb.

Die Resultate sind Selbsttäuschung, Abhandlung der immer gleichen Randthemen und Konsequenzlosigkeit. Dies alles geschieht auch, weil Ärzte kaum auf einen kritischen Außenbezug zurückgreifen, z. B. in Form von Benchmarking-Analysen. Ist der gegeben, zeigt sich, dass das aktivierbare Potenzial ungenutzter Optimierungen des Praxismanagements in Haus- und Facharztpraxen im Mittel bei 40 substanziellen Verbesserungsmöglichkeiten pro Praxis liegt. Das ist anderseits nicht erstaunlich, denn in der Durchschnittspraxis wird nur etwas mehr als die Hälfte des Best Practice-Standards eingesetzt.

Was unternehmerisch ausgerichtete Ärzte anders machen

Unternehmer-Ärzte hingegen nehmen nichts als gegeben an und überprüfen auch funktionierende Gegebenheiten ihrer High Performance-Praxen regelmäßig. Bei ihnen sind Praxisanalysen ein fester Bestandteil der Arbeit, um

  • kontinuierlich das Angebot und die zu seiner Erbringung notwendigen Voraussetzungen mit den Anforderungen abzugleichen,
  • der „Verkrustung“ von Strukturen, Prozessen sowie Denk- und Verhaltensweisen entgegenzuwirken und
  • die Entstehung von „Betriebsblindheit“ und das „Ausruhen auf Lorbeeren“ zu verhindern.

Überdies führen sie mit ihrem Personal regelmäßige Ideenkonferenzen durch und haben professionelle Verbesserungs-Vorschlagssysteme etabliert, um auf diese Weise insgesamt die Agilität ihres Managements zu fördern.

Der Status der High-Performance-Entwicklung im Test

Die Entwicklung eines Praxisbetriebes zu einer High-Performance-Praxis ist einfacher als viele Haus- und Fachärzte denken. Der Valetudo Check-up© „Praxismanagement“ zeigt Praxisinhabern, wo sie stehen und was sie u. U. noch tun müssen. Hierbei handelt es sich um eine ohne die Notwendigkeit eines Vor-Ort-Beraters umsetzbare Benchmarking-Analyse zur Untersuchung und Optimierung der Funktionalität des Praxismanagements. Sie ermöglicht Praxisinhabern – unabhängig von der Praxis-Größe und der Fachrichtung – den Stand der Entwicklung ihrer Betriebe zu High-Performance-Arztpraxen zu bestimmen und identifiziert u. U. noch notwendigen Schritte.