Ein Blick in den Praxisalltag: Wenn das Gespräch zum Risiko wird
Du kennst diese Situation: Ein Patient sitzt Dir gegenüber, der Ton ist schneidend, der Blick fordernd, die Körpersprache verschlossen. Du denkst: Schon wieder so ein schwieriger Fall. Doch was passiert wirklich? Ist der Patient schwierig – oder ist es die Situation, die entgleitet, weil Dir in diesem Moment die passenden Kommunikationswerkzeuge fehlen?
In unzähligen hausärztlichen und fachärztlichen Praxen spielt sich dieses Szenario täglich ab. Die Beschwerden der Kollegen klingen ähnlich: „Der wollte gar nicht zuhören.“, „Sie war völlig irrational.“, „Mit solchen Leuten kann man nicht reden.“ Was dabei meist übersehen wird: Diese Urteile sagen mehr über die eigene kommunikative Notlage aus als über den Patienten.
Denn wer sich sprachlich nicht aus der Enge manövrieren kann, macht das Gegenüber zum Problem. Wer nicht gelernt hat, schwierige Situationen zu führen, verlagert die Verantwortung auf den Anderen. Kommunikation wird zur gefährlichen Grauzone – diffus, spannungsgeladen, leistungsfeindlich.
Wenn du den Patienten als Problem definierst, schließt du dich selbst vom Fortschritt aus.
Kommunikationsarmut ist kein Charakterfehler. Sie ist ein Denkfehler.
Der wahre Engpass liegt nicht im Patienten, sondern im System der Kommunikation, das Du – bewusst oder unbewusst – kultivierst. Die heutige Realität in vielen Praxen lautet: Kommunikation wird nicht geführt, sondern abgewickelt. Gespräche werden nicht geöffnet, sondern abgekürzt. Ärztliche Gesprächsführung degeneriert zur reaktiven Gesprächsabwehr.
Was dabei übersehen wird: Kommunikation ist kein Add-on ärztlicher Kompetenz. Sie ist der unsichtbare Architekt jeder funktionierenden Arzt-Patient-Beziehung, jedes Behandlungserfolgs, jedes funktionierenden Teams.
Psychologisch betrachtet wirkt hier ein besonders tückisches Prinzip: die Kontrollillusion. Die Annahme, als Arzt wisse man ohnehin, was der Patient will oder meint, ohne es offen zu erfragen. Der zweite Feind ist die Vermeidungshaltung – der unbewusste Rückzug aus Gesprächssituationen, die als unangenehm oder potenziell konflikthaft erlebt werden.
So entsteht eine paradoxe Dynamik: Obwohl Du täglich kommunizierst, fehlt die bewusste Reflexion darüber. Du sprichst – aber entwickelst Deine Kommunikation nicht weiter. Du reagierst – aber gestaltest nicht. Genau hier setzt Rethinking an.
Rethinking statt Rechtfertigung: Deine Denkhaltung entscheidet über den Erfolg
Rethinkismus ist kein Kommunikationstraining. Es ist ein Denkumbruch. Denn bevor Du neue Techniken lernst, musst Du das alte Denken über Kommunikation entlernen: Dass sie lästig sei. Dass sie nichts mit Strategie zu tun habe. Dass sie „einfach dazugehört“.
Fakt ist: Kommunikation ist ein strategisches Führungsinstrument. Wer sie meistert, führt seine Praxis in eine andere Liga. Wer sie ignoriert, verliert – Patienten, Mitarbeiter, Handlungsspielräume.
Rethinking hilft Dir, genau das zu erkennen – und umzusteuern. Nicht mit Verhaltens-Tipps, sondern mit einem Denkrahmen, der Dich befähigt, die blinden Flecken in Deiner Kommunikationslogik zu erkennen und zu überwinden.
Die R2A-Formel (Reflect – Analyze – Advance) zeigt Dir den Weg.
REFLECT – Sieh, was Du nicht sehen willst
Beginne damit, Deine Sprachmuster zu beobachten. Wann sprichst Du mit Patienten aus einer Haltung der Verteidigung heraus? Wann willst Du recht behalten statt verstehen? Wann beendest Du Gespräche innerlich, bevor sie überhaupt begonnen haben?
Der erste Schritt des Rethinkings ist brutal ehrlich. Er zwingt Dich, eigene Kommunikationsvermeidungen sichtbar zu machen. Denk nicht an den schwierigen Patienten – denk an die Momente, in denen Du selbst sprachlos warst.
ANALYZE – Zerlege die Situation, nicht den Menschen
Der nächste Schritt bedeutet: Analyse statt Schuldzuweisung. Welche Gesprächssituationen entgleiten Dir immer wieder? Welche Muster erkennst Du? Welcher Typ Patient triggert Dich – und warum?
Hier entfaltet sich die Rethinking Horizons Matrix: Du verlässt den Tunnelblick und erkennst, dass Kommunikation kein linearer Austausch ist, sondern ein bewegliches Denkgewebe – mit Spannungen, Projektionen, Ängsten. Mit dieser Denkbeweglichkeit (eine zentrale RethinkAbility) schaffst Du Raum für echte Transformation.
ADVANCE – Trainiere Dein neues Gesprächs-Mindset
In der Advance-Phase beginnst Du, gezielt neue Kommunikationsräume zu öffnen. Du entwickelst Dein individuelles Reaktionssystem für schwierige Situationen. Nicht durch Floskeln, sondern durch strategische Denkimpulse: Welche Frage bringe ich jetzt wirklich weiter? Welche Haltung verhindert Eskalation? Wie gestalte ich Führung ohne Dominanz?
Rethinking-Kommunikation ist kein Werkzeugkoffer. Es ist ein Denkstil. Du führst Gespräche nicht mehr nur medizinisch, sondern systemisch. Nicht aus Gewohnheit, sondern mit Weitblick.
The Rethinking Shortcut
„Jede als schwierig empfundene Gesprächssituation ist eine Einladung zur Führungsentwicklung.“
Key Learning:
Deine Kommunikationsfähigkeit ist kein Soft Skill. Sie ist ein Erfolgsparameter. Sie entscheidet, ob Du Dich als Arzt weiterentwickelst oder in alten Mustern versinkst. Patienten sind keine Gegner, sondern Spiegel. Wenn Du den Mut aufbringst, diesen Spiegel zu lesen, beginnt das echte Rethinking – und mit ihm eine neue Ära der Praxisführung.
Mindshiftion
Hör auf, in Patienten Probleme zu sehen. Fang an, in Gesprächen Chancen zu entdecken. Zukunftssicherheit entsteht nicht durch medizinisches Wissen – sondern durch kommunikative Intelligenz.