Der Pranger lebt – und er steht mitten in deiner Praxis.
Es braucht keine Scheiterhaufen mehr. Kein Schwert. Kein Galgen. Und auch keinen mittelalterlichen Marktplatz. Alles, was es braucht, um heute Menschen zu erniedrigen, ist ein Arzt in weißem Kittel. Und eine Patientin, die gerade miterlebt, wie deine MFA von dir verbal zerlegt wird, weil sie angeblich den falschen Zettel ausgedruckt oder den „wichtigsten Patienten“ fünf Minuten zu lange warten ließ. Willkommen in der Neuzeit. Willkommen in der subtilsten Form der öffentlichen Demütigung – der medizinischen.
Du glaubst, das sei Einzelfall? Denk noch einmal nach. Mitarbeiter-Befragungen zeigen: Es passiert täglich. In Facharztpraxen. In Hausarztpraxen. In deiner Praxis? Vielleicht.
Was hier geschieht, ist nicht nur unprofessionell. Es ist ein strategisches Eigentor. Und es zeigt: Du hast die Kontrolle verloren – nicht über deine Mitarbeitenden, sondern über dein eigenes Selbstbild als Führungskraft. Denn wer öffentlich maßregelt, dem fehlt es nicht an Macht. Sondern an Reife.
Rethinking startet nicht mit Strategie. Sondern mit Selbstachtung.
Wenn du im Rethinking-Modus denkst, weißt du: Jede Handlung ist ein Spiegel deines inneren Denkrahmens. Und dieser Spiegel ist manchmal gnadenlos ehrlich. Die Art, wie du mit Fehlern umgehst, zeigt nicht nur, was du über dein Team denkst. Sie zeigt, was du über dich selbst denkst. Wer andere öffentlich bloßstellt, will sich selbst erhöhen – und verrät dabei seine Unsicherheit, seine Kontrollillusion, seinen Mangel an Selbstführung.
UNLEARN. Du musst verlernen, dass Fehler öffentlich sanktioniert werden müssen, um Wirkung zu zeigen. Das Gegenteil ist wahr: Je öffentlicher dein Tadel, desto größer der Schaden – für dich, für dein Team, für deine Praxis.
DISRUPT. Durchbrich das Denkmodell „Strenge ist Stärke“. Es ist nicht. Es ist Schwäche in Uniform.
REINVENT. Entwickle eine neue Praxisführung – auf Augenhöhe. Mit Integrität. Mit Empathie. Mit Rethinking als Denkstandard.
Der Patient sieht alles. Und er bewertet mehr, als du denkst.
Du meinst, der Patient versteht deine Aufregung? Falsch. Der Patient sieht, wie du sprichst. Wie du mit Menschen umgehst. Und er stellt sich vor, wie du mit ihm sprechen würdest, wenn er einen Fehler macht. Wenn er einen Termin vergisst. Wenn er eine Therapie nicht versteht.
Verlierst du dein Team vor den Augen deiner Patienten, verlierst du auch das Vertrauen deiner Patienten. Und das ist kein Nebeneffekt. Es ist der Anfang vom Ende. Denn: Patienten bleiben nicht, wenn sie sich für andere fremdschämen müssen.
Das Arzt-Patienten-Verhältnis basiert auf Vertrauen. Und Vertrauen hat einen Nebenwohnsitz – in der Beobachtung. Der Patient beobachtet dich, während du mit deiner Mitarbeiterin redest. Und in diesem Moment entscheidet er, ob du für ihn ein Arzt oder nur ein Funktionsträger bist.
Mitarbeiterführung auf dem Marktplatz? Willkommen im Mittelalter 2.0.
Deine Praxis ist kein Tribunal. Und dein Sprechzimmer kein Gerichtssaal. Trotzdem verhalten sich viele Ärzte, als hätten sie die Macht, Urteile zu sprechen – öffentlich, impulsiv, unwiderruflich.
Warum? Weil Macht bequem ist. Weil öffentliche Maßregelung sofortige Dominanz erzeugt. Kurzfristig. Aber der Preis ist hoch. Du verlierst Respekt. Du verlierst Loyalität. Du verlierst Mitdenken.
Und am Ende verlierst du genau das, was du damit sichern wolltest: Kontrolle.
Psychologischer Trigger: Unser Gehirn liebt Wiederholungen. Und du auch. Du wiederholst dieses Verhalten, weil du nie gelernt hast, es zu stoppen. Doch Rethinking beginnt genau hier: im Moment der Wiederholung. Im Moment der Wahl.
Denk kurz nach: Welches Muster wiederholst du unbewusst?
The Rethinking Shortcut: Dein Ruf entsteht nicht durch Kompetenz. Sondern durch Charakter.
Du kannst fachlich brillant sein. Doch wenn du menschlich versagst, wirst du nicht als Koryphäe wahrgenommen, sondern als Karikatur eines Arztes. Fachkompetenz überzeugt. Führungsreife bindet.
Und genau hier liegt das Versagen: Ärzte denken, ihr Ansehen hänge an ihrer fachlichen Exzellenz. Doch der Patient entscheidet emotional. Und deine Mitarbeiterin auch. Wer in deinem Team arbeiten soll, muss sich sicher fühlen. Nicht gedemütigt. Nicht exponiert. Nicht entwertet.
Dein Image? Entsteht in Sekunden. Zerstört sich in Sekunden. Und erholt sich oft nie.
The Rethinking Question: Wie willst du wirklich wirken – wenn keiner zuschaut?
Was bleibt von dir, wenn du den Raum verlässt? Wie spricht dein Team über dich? Wie erleben Patienten deine Praxis als System? Rethinking zwingt dich zu dieser unbequemen Frage. Denn es geht nicht darum, was du glaubst. Es geht darum, wie du gedacht wirst.
Und du wirst gedacht – als der Arzt, der seine Mitarbeiterin bloßstellt. Oder als der Arzt, der Verantwortung übernimmt. Als der Chef, der laut wird. Oder als der Leader, der wirkt.
Reflektiere. Analysiere. Handle.
REFLECT: Welche Situation fällt dir spontan ein, in der du vor dem Patienten ein Teammitglied kritisiert hast? Was war dein inneres Motiv?
ANALYZE: Welche tieferliegenden Denkmuster treiben dich an? Wo hast du Kontrolle mit Respekt verwechselt?
ADVANCE: Welche konkrete Alternative wählst du ab morgen? Wie kannst du dein Team stärken – ohne dich zu schwächen?
Fazit: Wer seine Macht missbraucht, verliert die Macht, die zählt.
Ein respektloser Satz kann Jahre guter Arbeit zerstören. Ein falscher Moment kann das gesamte Praxisimage kippen. Und ein Chef, der nicht denkt, bevor er spricht, ist ein Risiko für seine eigene Zukunft.
Wenn du nicht neu denkst, wird dein Team irgendwann nicht mehr mitdenken. Und dann stehst du alleine da. Vor dem Patienten. Und vor dir selbst.
Was du in deiner Praxis wirklich führst, zeigt sich in dem Moment, in dem du aus der Haut fährst.