Ärztliches Selbstmanagement: Der Umgang mit negativen Emotionen

Worum es geht

„Jeder Tag beginnt mit Unsicherheit: hat der Chef gute Laune? Wenn das der Fall ist, atmen wir alle auf. Doch leider kommt das eher selten vor und dann gilt gar nichts mehr: weder Regeln noch Absprachen. Manchmal ist so ein Arbeitstag ein echter Horror-Trip!“ In ca. 20% der Arztpraxen klagen die Medizinischen Fachangestellten über derartige Zustände.

Demotivierte Mitarbeiterinnen

Wenn Praxisinhaber fortgesetzt Probleme, Sorgen und Ärger mit in die Praxis bringen und dort ausleben, sinkt das Betriebsklima sofort auf den Nullpunkt. Derartige Praxen sind deshalb an einer sehr hohen Mitarbeiterfluktuation zu erkennen. Vor allem die Tadelungen im Beisein von Patienten kränken das Personal und führen zu einem „Dienst nach Vorschrift“. Hieraus resultiert, dass die Funktionalität und Produktivität dieser Betriebe deutlich niedriger ist als in Vergleichsbetrieben.

Zwei Patientenlager

Auf die Patienten wirkt diese Situation abhängig von der Länge ihrer Praxiszugehörigkeit:

  • Stammpatienten, die mit der ärztlichen Betreuung zufrieden sind, tolerieren das Verhalten der Mediziner („…er / sie hat eben seine / ihre eigene Art…“),
  • Neupatienten wechseln relativ rasch die Praxis. Deshalb sind Moody Doctors auch wirtschaftlich weniger erfolgreich.

Moody Doctors haben keine Selbstzweifel

Die Praxis-Chefs erachten ihr Verhalten nicht als problematisch. Auf die hohe Fluktuation angesprochen verweisen sie auf die Schwierigkeit, gutes Personal zu bezahlbarem Gehalt zu bekommen oder spielen die negativen Effekte ihres Verhaltens herunter („…das können die schon ab…“). In Praxisanalysen geben sie an, alle notwendigen Führungsinstrumente einzusetzen und schätzen die innerbetriebliche Zusammenarbeit durchschnittlich als gut ein, ihr Eigenbild weicht damit von der Bewertung des Personals deutlich ab. Ein Teil dieser Praxisinhaber(innen) sind gleichzeitig sog. „Irreplaceable Doctors“. Die Helferinnen wenden sich aus Selbstschutz zur Klärung jeder Kleinigkeit an den Arzt, was dieser / diese als Inkompetenz wertet.

Ein Blick genügt

Derartige Praxen sind von außen schnell erkennbar: Alle Arbeiten werden strengstens Arzt-zentriert durchgeführt, die Medizinischen Fachangestellten wirken häufig verschlossen-abweisend, das Betriebsklima ist bedrückt. Für Mitarbeiterinnen gibt es aus dieser Situation nur einen Ausweg: die Kündigung, denn ihre Chefs werden sich nicht ändern.