Praxismanagement: Ärzte sind keine „Opfer“ äußerer Einflüsse auf ihre Arbeitsbedingungen, sondern primär ihrer internen Analyse-Passivität

Worum es geht

Stellen Sie sich vor, Sie braten ein Steak, und plötzlich beginnt es anzubrennen. Würden Sie dafür den Stromanbieter, den Pfannen-Hersteller oder den Metzger verantwortlich machen? Wahrscheinlich nicht. Stattdessen würden Sie sich selbst die Schuld geben, weil Sie während des Kochens vielleicht telefoniert haben und Ihre Aufmerksamkeit nicht ausreichend auf das Steak gerichtet war. Doch viele Haus- und Fachärzte reagieren in Bezug auf Probleme des Praxismanagements wie in der Metapher beschrieben.

Das Phänomen der Externalisierung

In einer großen Anzahl von Arztpraxen hat sich die externalisierte Sicht auf Probleme inzwischen als Mindset etabliert: Mediziner und Mitarbeiterinnen machen äußere Umstände für interne Probleme verantwortlich. Stress, Hektik, Zeitmangel für Patienten, Demotivation, Ineffizienz und Burn-out werden Außeneinflüssen wie der Digitalisierung, der Gesundheitsgesetzgebung, der Bürokratie, den PVS-Herstellern oder zu anspruchsvollen Patienten zugeschrieben.

Ursachen und Auswirkungen

Bei objektiver Betrachtung der Situation wird jedoch schnell deutlich: Praxisinhaber sind keine „Opfer“ ihrer äußeren Arbeitsbedingungen, sondern primär ihrer internen Analyse-Passivität. Praxismanagement-Betriebsvergleiche zeigen, dass die genannten Probleme hauptsächlich durch interne Fehljustierungen der Praxisführung bedingt sind. Der Grund: Es fehlt an systematischen Analysen und gezielten Maßnahmen zur Verbesserung des Praxismanagements. So dokumentieren die Betriebsvergleiche eindrucksvoll, dass im ambulanten Bereich nur etwas mehr als die Hälfte der Best-Practice-Standards der Praxisführung umgesetzt wird.

Diese validierte Leitlinie beschreibt alle Regelungen, Instrumente und Verhaltensweisen, die in den Aktionsbereichen der Praxisführung, von der Planung über Marktforschung, Organisation, Führung, Patientenbetreuung und Marketing bis zum Controlling, für eine auch unter wechselnden Anforderungen reibungslos funktionierende Arbeit unerlässlich sind.

Hinzu kommt: werden Analysen durchgeführt, basieren sie häufig auf falschen Methoden wie z. B. der Nutzung einer Schulnotenskalierung, die realitätsferne Resultate ermitteln.

Probleme richtig einordnen

In diesem Kontext soll der Einfluss externer Faktoren auf die Praxistätigkeit gar nicht ausgeschlossen oder negiert werden, im Gegenteil er existiert natürlich, man denke nur an die zahlreichen TI-Pannen. Aber je besser die Praxisführung funktioniert, desto einfacher ist es, mit derartigen Störgrößen umzugehen. Treffen sie hingegen auf ohnehin unzureichende Arbeitsbedingungen, potenzieren sich die Probleme schnell.

Die Externalisierung führt automatisch zu einer „Betonisierung der Passivität“ in Arztpraxen. Diese Passivität manifestiert sich in der Tendenz, die Eigenverantwortung für bestehende Probleme abzugeben. Das verhindert nicht nur die notwendige Selbstreflexion, sondern auch die Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen.

Mit Eigeninitiative zur Problem-Beseitigung

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und sich zu entschließen, die für den zukünftigen Praxiserfolg ohnehin benötigte Co-Rolle als Manager und Unternehmer zu erkennen und aktiv zu gestalten.

Ärzten, denen es gelingt, die tatsächliche Tragweite eines gut organisierten Praxismanagements zuerkennen und die notwendigen Veränderungen umzusetzen, können ihre Arbeitsbedingungen drastisch verbessern.

Reflect, Analyze, Advance.
Reflect, Analyze, Advance.

Weiterführende Literatur

Thill, Klaus-Dieter: Benchmarking des Praxismanagements für Haus- und Fachärzte – Methode, Anwendung und Nutzen, erhältlich als E-Book in allen Online-Buchläden oder als PDF im IFABS-Shop: https://bit.ly/43qoK9C

Anmerkung: Wir nutzen zur Erhöhung der strukturellen Lesefreundlichkeit unserer Texte, zur Nutzer-Optimierung der Inhalte, für das Qualitätsmanagement formaler Aspekte und zur Generierung attraktiver, kontextadäquater Bilder die Assistenz Künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus hilft uns die KI bei der Analyse von Leserfeedback, der Anpassung an Trends und der kontinuierlichen Verbesserung unserer Inhalte, um Ihnen stets das bestmögliche Leseerlebnis zu bieten.