Ein Rethinking-Impuls von Klaus-Dieter Thill
Worum es geht
Die Vorstellung, dass die Digitalisierung die Effektivität und Effizienz in der ambulanten Medizin automatisch steigert, ist verlockend und wird häufig als unumgänglicher Schritt in die Zukunft angepriesen. Während die Digitalisierung unbestreitbar Potenzial für Verbesserungen bietet, gibt es jedoch zwei wesentliche Faktoren, die in der Diskussion oft vernachlässigt werden. Die digitale Transformation kann nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn die bestehenden Prozesse und Strukturen in Arztpraxen auf soliden Grundlagen ruhen. Doch gerade hier zeigt sich, dass der Weg zur digitalen Zukunft durch gravierende Fehljustierungen blockiert ist – und die Bereitschaft, die Dinge neu zu denken, fehlt oft. Dieser Beitrag beleuchtet die Notwendigkeit eines strukturellen und mentalen „Rethinkings“ in der ambulanten Medizin, um das wahre Potenzial der Digitalisierung zu realisieren.
Der Status quo: Fehljustierte Prozesse und Strukturen als Hindernis
Ein weit verbreiteter Irrglaube in der ambulanten Medizin besteht darin, dass die Digitalisierung bestehende Abläufe und Strukturen automatisch optimiert. Doch wer ineffiziente und schlecht abgestimmte Prozesse digitalisiert, erhält keine besseren Prozesse, sondern riskiert im schlimmsten Fall, dass die Digitalisierung die bestehenden Defizite noch verschärft. Aktuell herrscht in vielen Arztpraxen ein suboptimales Prozessmanagement, geprägt von unklaren Zuständigkeiten, redundanten Abläufen und ineffizienter Ressourcennutzung. Häufig sind Praxisabläufe über Jahre hinweg gewachsen, ohne dass sie jemals systematisch überprüft oder angepasst wurden. Diese strukturellen Mängel führen zu hohen Belastungen für das gesamte Praxisteam, die Patientenversorgung leidet und eine wirksame Digitalisierung bleibt auf der Strecke.
Digitalisierung in diesem Kontext wird schnell zur „Digitalisierung des Status quo“ – ineffiziente Prozesse werden einfach digital abgebildet, anstatt sie zu verbessern. Das führt zu einem sogenannten „Bad Practice Transfer“, bei dem schlechte Abläufe lediglich in digitaler Form repliziert werden. Anstatt administrative Prozesse zu entlasten und Ressourcen freizusetzen, verfestigen sich die ineffizienten Strukturen oder werden sogar noch undurchsichtiger und fehleranfälliger. Das Problem hierbei ist, dass die Digitalisierung keine Lösungen für mangelhafte Prozessabläufe bietet; sie kann lediglich vorhandene Strukturen beschleunigen und automatisieren. Es braucht also mehr als technische Werkzeuge. Ein gezieltes Rethinking ist notwendig, das bestehende Prozesse und Strukturen auf den Prüfstand stellt und gezielt optimiert, bevor die digitale Transformation angegangen wird.
Der zweite Aspekt: Das Mindset der Akteure als unsichtbare Blockade
Die Herausforderungen der Digitalisierung in Arztpraxen beschränken sich nicht nur auf organisatorische und technische Fragen, sondern werden auch durch tief verwurzelte mentale Hürden geprägt. Ein grundlegendes Hindernis für die Transformation der ambulanten Medizin liegt in den vorherrschenden Denkmustern und Überzeugungen der Akteure – insbesondere bei den Ärztinnen und Ärzten selbst. Viele von ihnen sind stark an traditionelle Arbeitsweisen gebunden und zeigen eine deutliche Abwehrhaltung gegenüber Veränderungen. Die Mentalität „Das haben wir immer so gemacht“ oder „Bei anderen läuft es auch nicht besser“ ist in vielen Praxen noch weit verbreitet und stellt eine unsichtbare Barriere dar, die jegliches Rethinking blockiert.
Diese Mentalität führt dazu, dass potenzielle Innovationsimpulse bereits im Ansatz abgelehnt werden. Das Beharren auf altbewährten Abläufen und die Ablehnung von Veränderungen ist ein Phänomen, das in der Psychologie als „Mindset-Blockade“ bekannt ist. Die Akteure sind in einem psychologischen Korsett gefangen, das ihre Sichtweise und damit auch ihre Entscheidungsprozesse stark einschränkt. Solche Denkstrukturen wirken toxisch, weil sie die Bereitschaft zur Reflexion und Selbstkritik hemmen. Ein echtes Rethinking setzt jedoch genau hier an – es fordert, das eigene Handeln und die eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen, Gewohnheiten zu durchbrechen und neue Ansätze zuzulassen. Für Haus- und Fachärzte, die ihre Praxis in die Zukunft führen wollen, ist diese geistige Flexibilität ein entscheidender Schritt.
Ein Umdenken im Denken und Handeln der Akteure ist also unabdingbar, um die Digitalisierung nicht nur als technische, sondern auch als kulturelle Transformation zu verstehen. Die Digitalisierung bringt nicht nur neue Werkzeuge und Techniken mit sich, sondern fordert auch neue Kompetenzen, eine höhere Agilität und die Bereitschaft, Arbeitsweisen regelmäßig zu reflektieren und anzupassen. Wer als Praxisinhaber an veralteten Denkmustern festhält, beraubt sich selbst und sein Team der Chance, von der digitalen Transformation wirklich zu profitieren.
Rethinking als Voraussetzung für eine nachhaltige digitale Transformation
Die effektive Digitalisierung der ambulanten Medizin erfordert nicht nur den Einsatz digitaler Technologien, sondern auch einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie Ärztinnen und Ärzte ihre Praxis organisieren und steuern. Rethinking bedeutet, starre Denkmuster zu durchbrechen und die Prozesse und Strukturen von Grund auf zu hinterfragen, bevor man in digitale Lösungen investiert. Dieser Ansatz ermöglicht es, ineffiziente Abläufe zu identifizieren und gezielt zu verbessern, bevor sie in ein digitales Format überführt werden. Die Bereitschaft zur Selbstkritik und zur Neuausrichtung des eigenen Handelns ist dabei essenziell.
Auch auf der strategischen Ebene müssen Praxisinhaber und Fachärzte lernen, ein kontinuierliches Verbesserungsdenken zu entwickeln, das sich an den Anforderungen der modernen Arbeitswelt orientiert. Dies bedeutet, die eigene Rolle als Führungskraft und die individuellen Prozesse und Strukturen im Praxismanagement regelmäßig zu evaluieren und anzupassen. Ein echtes Rethinking fordert dazu auf, die bestehenden Annahmen zu hinterfragen und nicht länger darauf zu vertrauen, dass „alles irgendwie funktioniert“, sondern gezielt und planvoll nach Lösungen zu suchen, die sowohl für das Team als auch für die Patienten von Vorteil sind.
Die Rolle der Digitalisierung in der Zukunft der ambulanten Medizin
Der Einfluss der Digitalisierung wird die ambulante Medizin in den kommenden Jahren weiter prägen und nachhaltig verändern. Digitale Anwendungen und vernetzte Systeme bieten die Möglichkeit, Arbeitsprozesse zu beschleunigen, Fehlerquellen zu minimieren und den Informationsfluss zu verbessern. Für die erfolgreiche Implementierung dieser Technologien bedarf es jedoch eines Mindsets, das Offenheit, Flexibilität und die Bereitschaft zur Veränderung als Kernkompetenzen betrachtet. Die Digitalisierung allein wird die ambulante Medizin nicht transformieren können, wenn die Akteure nicht bereit sind, ihre eigenen Überzeugungen und Denkmuster zu hinterfragen und sich auf neue Wege einzulassen.
Gerade im Hinblick auf die Digitalisierung wird ein kontinuierliches Rethinking unerlässlich sein. Die fortschreitende technologische Entwicklung bringt immer wieder neue Möglichkeiten und Herausforderungen mit sich, die eine kontinuierliche Anpassung und Reflexion der eigenen Praxisabläufe erfordern. Praxisinhaber und Fachärzte, die sich auf diese Veränderungsprozesse einlassen und die digitale Transformation aktiv gestalten, schaffen die Basis für eine zukunftsorientierte, effiziente und patientenzentrierte Praxis.
Drei konkrete Handlungsempfehlungen für die Digitalisierung im Praxisalltag
Prozessanalyse vor der Digitalisierung:
Bevor eine Arztpraxis in digitale Lösungen investiert, sollte eine gründliche Prozessanalyse erfolgen. Diese Analyse deckt ineffiziente Abläufe auf und schafft die Grundlage für gezielte Verbesserungen. Dies kann durch eine interne Evaluation oder mithilfe eines externen Praxismanagement-Experten geschehen, der das Team unterstützt, die Praxisabläufe objektiv zu betrachten und zu optimieren.
Fortbildung und Schulungen für das Praxisteam
Der Erfolg der Digitalisierung hängt entscheidend davon ab, dass das gesamte Praxisteam die neuen Prozesse versteht und aktiv daran mitarbeitet. Regelmäßige Fortbildungen und Schulungen im Umgang mit digitalen Technologien fördern nicht nur die Kompetenzen der Mitarbeitenden, sondern stärken auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Rethinking und kontinuierlicher Verbesserung.
Mindset-Workshops für Ärztinnen und Ärzte
Um alte Denkmuster zu durchbrechen und die Bereitschaft zur Veränderung zu fördern, können spezielle Mindset-Workshops hilfreich sein. Diese Seminare bieten den Rahmen, um sich intensiv mit den eigenen Überzeugungen auseinanderzusetzen und neue Perspektiven zu entwickeln. Für viele Ärzte ist dies der erste Schritt auf dem Weg zu einer offenen und innovationsfreudigen Praxisführung.
Fazit: Rethinking als Schlüssel zur digitalen Zukunft der ambulanten Medizin
Die Digitalisierung birgt zweifellos enormes Potenzial für die ambulante Medizin, doch sie ist kein Allheilmittel. Effiziente und effektive Arbeitsabläufe setzen solide Prozesse und eine innovationsfreudige Haltung voraus. Ein grundlegendes Rethinking der Praxisorganisation und der individuellen Denkweise ist unverzichtbar, um die Transformation in der ambulanten Medizin erfolgreich zu gestalten. Die Bereitschaft, starre Denkmuster zu hinterfragen und die bestehenden Prozesse kritisch zu reflektieren, schafft die Basis für eine zukunftsorientierte und patientenzentrierte Praxis. Führungspersönlichkeiten im medizinischen Bereich, die diesen Weg des Rethinkings beschreiten, werden nicht nur von den technischen Vorteilen der Digitalisierung profitieren, sondern auch eine Arbeitskultur etablieren, die von Offenheit, Flexibilität und Innovation geprägt ist – und das Wohl der Patienten in den Mittelpunkt stellt.
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‼️ Benchmarking des Praxismanagements für Haus- und Fachärzte: Methode, Anwendung und Nutzen