Haus- und Facharztpraxen: Wie die Digitalisierung die Mitarbeiter-Zusammenarbeit durch einen Führungsfehler sprengt

Worum es geht

Die Einführung digitaler Technologien in deutschen Haus- und Facharztpraxen bringt zweifellos viele Vorteile mit sich, darunter verbesserte Patientendaten-Verwaltung und effizientere Betriebsabläufe. Allerdings zeigen Folgeuntersuchungen im Rahmen von Längsschnitt-Analysen des Praxismanagements , dass diese technologischen Veränderungen auch unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen können, insbesondere im Bereich der Teamdynamik und der Mitarbeiterzufriedenheit.

Verschlechterung der Teamarbeit

Einer der bemerkenswerten Befunde dieser Untersuchungen ist die Verschlechterung des Teamwork Quality Score (TQS) von 43% auf 36%. Dieser Key Performance-Indikator (KPI) des Praxismanagements misst die Qualität der Zusammenarbeit, indem er die Grundanforderungen an eine funktionierende Teamarbeit in Relation zur Mitarbeiterzufriedenheit setzt. “Echte” Teamarbeit beginnt jedoch erst ab einem TQS von 80% und von 60% an aufwärts ist eine effiziente Zusammenarbeit möglich. Die aktuellen Zahlen indizieren, dass viele Praxen weit von diesen Idealwerten entfernt sind, eine Tatsache, deren Auswirkungen Ärzte, Mitarbeiterinnen und Patienten täglich erleben.

Ungleichbehandlung aufgrund digitaler Kompetenzen

Ein zentrales Problem, das zur Verschlechterung der Zusammenarbeit beiträgt, ist die ungleiche Behandlung von Mitarbeiterinnen aufgrund ihrer digitalen Kompetenzen. In vielen Fällen wenden sich Praxisinhaber bevorzugt an jene Kolleginnen, die über fortgeschrittene digitale Fähigkeiten verfügen und bringen diesen mehr Wertschätzung entgegen, beispielsweise durch häufigeres Bedanken. Diese Präferenz verursacht häufig eine Spaltung der Belegschaft, besonders wenn Ärzte selbst nur geringes digitales Wissen besitzen und sich daher intensiv auf einzelne oder eine kleine Gruppe von digital kompetenten Mitarbeitern stützen.

Verschiebung der Teamstrukturen

Die verstärkte Abhängigkeit von digital kompetenten Mitarbeitern führt auch dazu, dass sich die Teamstrukturen und -positionen verschieben. Mitarbeiterinnen, die früher als Experten in anderen Bereichen galten, finden sich plötzlich in der Rolle der Lernenden wieder, was zu Frustration und einem Verlust an Status innerhalb der Gruppe führt. Wenn Praxisinhaber nicht aktiv eingreifen, können daraus Animositäten und Konflikte entstehen, die sich negativ auf den gesamten Praxisbetrieb auswirken.

Patientenzufriedenheit und Praxiserfolg

Interessanterweise hat sich gezeigt, dass in Praxen, in denen solche Probleme auftreten, auch die Patientenzufriedenheit tendenziell abnimmt. Dies unterstreicht, wie wichtig eine harmonische und effiziente Teamarbeit für den Erfolg einer Praxis ist.

Maßnahmen zur Verbesserung

Für Praxisinhaber ist es daher entscheidend, sich dieser Probleme bewusst zu werden und geeignete Maßnahmen zu ergreifen:

Wertschätzungs-Gleichgewicht

Es sollte aktiv darauf geachtet werden, dass alle Mitarbeiter unabhängig von ihren spezifischen Kompetenzen Anerkennung und Wertschätzung erfahren.

Förderung des kontinuierlichen Wissenstransfers

Durch regelmäßige Schulungen und Workshops kann das digitale Know-how im gesamten Team verbessert werden, was nicht nur die Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern verringert, sondern auch das Selbstvertrauen und die Kompetenz aller Beteiligten stärkt.

Team-Building-Maßnahmen

Regelmäßige Team-Building-Aktivitäten können dazu beitragen, das Verständnis und den Respekt unter den Mitarbeitern zu fördern und so die Teamarbeit zu verbessern.

Fazit

Die Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung erfordert ein umsichtiges und proaktives Management. Durch die Berücksichtigung der menschlichen Aspekte der Digitalisierung können Praxisinhaber sicherstellen, dass technologische Fortschritte die Arbeitsatmosphäre verbessern, anstatt sie zu beeinträchtigen.