Effizienz: Wie ein toxisches Mindset zu einem Kunstfehler in der ambulanten Medizin führt

Worum es geht

Effizienz spielt im ambulanten Bereich der Medizin eine entscheidende Rolle, doch herrscht oft ein Missverständnis über dessen wahre Bedeutung. Das Wort “Effizienz” ruft als toxisch wirkendes Mindset bei vielen Praxisinhabern die Vorstellung von Gewinnmaximierung, Fließbandarbeit und einer rücksichtslosen Ausbeutung von Mitarbeiter-Ressourcen hervor. Diese Interpretation könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein, denn in Wirklichkeit steht Effizienz für das genaue Gegenteil: Sie ist der Schlüssel zur Lösung vieler Herausforderungen in der ambulanten Medizin.

Die wahre Bedeutung von Effizienz

Effizienz im Praxismanagement bedeutet, unnötige Tätigkeiten und Fehljustierungen der Arbeit zu eliminieren, um dann mit geringerem Aufwand denselben, wenn nicht gar einen besseren, Output zu erzielen. Dies führt nicht zu einer Mehrbelastung, sondern vielmehr zu einer signifikanten Entlastung des Praxisteams. Effizienz steht für Wirtschaftlichkeit und ermöglicht zugleich eine intensivere Patientenbetreuung, da mehr Zeit für den Einzelnen aufgewendet werden kann.

Der dreistufige Weg zur Effizienz

Stufe 1: Analyse der Ist-Situation

Der erste Schritt zur Steigerung der Effizienz ist eine umfassende Analyse der aktuellen Praxisarbeit. Das Instrument hierfür ist das Praxismanagement-Benchmarking. Dieses Verfahren vergleicht die Praxisführung in einem 360-Grad-Verfahren mit der validierten Leitlinie des Best Practice-Standards, die alle Regelungen, Verhaltensweisen und Instrumente umfasst, die für eine effiziente und reibungslos funktionierende Praxis unerlässlich sind. Wie groß das ungenutzte Effizienz-Potenzial in deutschen Arztpraxen ist, zeigen zwei Zahlen:

  • im Durchschnitt setzen Haus- und Fachärzte nur knapp die Hälfte des erforderlichen Standards ein und
  • selbst in Praxen, deren Inhaber von der Effizienz ihrer Praxisbedingungen überzeugt sind, lassen sich durch das Benchmarking im Mittel vierzig Verbesserungs-Möglichkeiten aufdecken.

Stufe 2: Umsetzung der identifizierten Verbesserungen

Nach der Identifikation von Verbesserungspotenzialen folgt die Umsetzungsphase. In dieser Stufe werden die erkannten Mängel angegangen und die vorgeschlagenen Änderungen implementiert, um die Arbeitsprozesse zu optimieren und die Effizienz der Praxis zu steigern. Hierbei zeigt sich, dass die meisten Optimierungen sogar einfach und schnell in Eigenregie vorgenommen werden können.

Stufe 3: Entscheidungsfindung für die Zukunft

Nach der erfolgreichen Umsetzung der Verbesserungen steht der Praxisinhaber vor einer strategischen Entscheidung: Soll in der neuen, optimierten Konstellation weitergearbeitet werden, oder nutzt er die gewonnenen Ressourcen für zusätzliche Aktivitäten? Diese Entscheidung richtet sich ausschließlich nach den Zielen des Arztes und unterstreicht, dass die gesteigerte Effizienz und ihre Nutzung flexibel und individuell anpassbar sind und keinen Vergrößerungs-Automatismus in sich tragen.

Fazit

Effizienz im Praxismanagement ist weit entfernt von den negativen Assoziationen einer gewinnorientierten, mechanischen Arbeitsweise. Vielmehr ist sie die Antwort auf viele Herausforderungen in der ambulanten Medizin, bietet Entlastung, fördert die Wirtschaftlichkeit und ermöglicht eine bessere Patientenversorgung. Durch die Implementierung eines systematischen Ansatzes zur Steigerung der Effizienz können Praxisinhaber signifikante Verbesserungen in der Praxisführung erzielen, die zu einer höheren Patientenzufriedenheit und letztlich zu einem erfolgreicheren Praxisbetrieb führen.