Worum es geht
Bei der Durchsicht der Resultate aus Querschnittsanalysen unserer Untersuchungen im Rahmen des Praxismanagement-Benchmarking fallen mir immer wieder herausragende Einzelaspekte auf, die sich symptomatisch bereits in den Einzelanalysen zeigen, deren Tragweite für das Gesundheitswesen aber erst in ihrer aggregierten Gesamtheit wirklich deutlich wird. Ein Beispiel hierzu ist die Best Practice-Umsetzung, oder besser: Nicht-Umsetzung („LeadNeglection“) im Praxismanagement-Aktionsbereich „Mitarbeiterführung“.
Ein dramatisch niedriger Wert für den Leadership Materialization Score (LMS)
Die Mitarbeiterführung ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg in jeder Organisation, natürlich auch in Arztpraxen. Hier spielen nicht nur die medizinischen Fähigkeiten eine entscheidende Rolle, sondern auch die Art und Weise, wie Praxisinhaber ihr Personal führen. Leider zeigt die Realität ein besorgniserregendes Bild: Wenn es einen Führerschein für Mitarbeiterführung gäbe, würden die meisten Haus- und Fachärzte weder die theoretische noch die praktische Prüfung bestehen. Der Grund: Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Leadership Materialization Score (LMS) in Arztpraxen nur 35 % beträgt, d. h. nur dieser Anteil der Instrumente, Methoden und Verhaltensweisen des Best Practice-Standards der Personalführung findet überhaupt Anwendung.
Das Ergebnis korreliert mit den Angaben der Mitarbeiterinnen, die weitgehend durchgängig die fehlende Führung in allen möglichen Formen als Schwäche der Praxisarbeit anführen.
Die Problem-Kaskade unzureichender Führung
Diese Defizite führen zu einer Reihe von Problemen, die negative Konsequenzen für alle Bereiche der Praxisarbeit haben. Hier ist eine kleine Auswahl:
Auswirkungen auf die Ärzte selbst
Ein Mangel an effektiver Mitarbeiterführung führt bei den Ärzten selbst zu erhöhtem Stress und Unzufriedenheit. Unklare Anweisungen, mangelnde Delegation und schlechte Kommunikation erzeugen zusätzliche Belastungen. Der Arzt fühlt sich gezwungen, viele Aufgaben selbst zu erledigen, die eigentlich von anderen Teammitgliedern übernommen werden könnten. Dies führt zu einer Überlastung und zu einem erhöhten Risiko für Burnout.
Probleme für das Personal
Für die Mitarbeiter resultiert ineffektive Führung in Unsicherheit und mangelnder Motivation. Ohne klare Anweisungen und Erwartungen wissen die Angestellten nicht, was von ihnen verlangt wird und wie sie ihre Aufgaben erfüllen sollen. Mangelnde Anerkennung und fehlendes Feedback erzeugen Frustration und Demotivation. Die hohe Mitarbeiterfluktuation in vielen Arztpraxen ist zu einem Großteil das Ergebnis schlechter Führung.
Beeinträchtigung der Arbeitseffizienz
Ein weiterer Nachteil ist die sinkende Effizienz der Praxisarbeit. Ohne klare Prozesse und Rollenverteilung sind Kommunikationsprobleme, Doppelarbeit und ineffiziente Abläufe an der Tagesordnung. Daraus entstehen unnötige Verzögerungen, erhöhten Kosten und eine insgesamt geringere Produktivität der Praxis.
Negative Auswirkungen auf die Patienten
Die vielleicht schwerwiegendste Auswirkung hat ineffektive Mitarbeiterführung auf die Patientenversorgung. Verzögerte oder fehlende Kommunikation zwischen den Mitarbeitern müdet direkt in Fehler bei der Patientenbehandlung. Patienten erleben längere Wartezeiten, inkonsistente Betreuung und eine insgesamt geringere Servicequalität. Das verursacht Unzufriedenheit und schädigt langfristig das Vertrauen in die medizinische Praxis.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mitarbeiterführung in Arztpraxen dringend verbessert werden muss. Der gegenwärtige Zustand, in dem nur 35% der Best Practice-Standards Anwendung finden, führt zu erheblichen Nachteilen für Ärzte, Personal, die Effizienz der Arbeit und vor allem für die Patienten.
