Am Limit: Ärzte und MFA arbeiten hart, aber nicht klug 🫢

➡️ Worum es geht

In der heutigen schnelllebigen Arbeitswelt ist der Begriff “am Limit arbeiten” ein zunehmend häufiges Phänomen. Dieser Ausdruck beschreibt eine Arbeitsweise, bei der Individuen oder Teams kontinuierlich an der obersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Dabei wird oft versucht, die maximal mögliche Produktivität zu erreichen, häufig auf Kosten der eigenen Gesundheit und des Wohlbefindens. Im Gesundheitswesen wird dieser Zustand u. a. auch von niedergelassene Ärzten beklagt. Arbeit am Limit kann verschiedene Formen annehmen, von konstantem Überstundenmachen hin zum ständigen Erreichbarsein außerhalb der regulären Arbeitszeiten.

➡️ Die negativen Folgen

📌 Die negativen Konsequenzen des Arbeitens am Limit sind vielfältig und können sowohl kurz- als auch langfristig spürbar sein. Kurzfristig kann es zu Übermüdung, Stress und verminderter Qualität der Arbeit kommen. Langfristig kann konstant hoher Stress zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erschöpfungszuständen (Burn-out), psychischen Störungen und einem geschwächten Immunsystem.

📌 Ein weiteres Problem ist die Entstehung einer negativen Arbeitskultur, in der das Arbeiten am Limit als Norm betrachtet wird. Dies kann zu einer Spirale führen, in der die Erwartungen stetig steigen und es immer schwieriger wird, sich von dieser belastenden Arbeitsweise zu lösen. Eine solche erhöht auch die Mitarbeiterfluktuation, da Arbeitnehmer nach nachhaltigeren und gesünderen Arbeitsbedingungen suchen.

📌 Das Arbeiten am Limit beeinträchtigt die Kreativität und Innovation, da für das Nachdenken und Entwickeln neuer Ideen Ruhe und Distanz zur täglichen Arbeit nötig sind. Wenn Mitarbeiter ständig unter Druck stehen, verbleibt wenig Zeit für strategisches Denken und die langfristige Planung, was für die Unternehmensentwicklung entscheidend ist.

📌 Darüber führt die ständige Hochleistung zu einer Verschlechterung der Beziehungen am Arbeitsplatz. Die Zusammenarbeit leidet, wenn einzelne Teammitglieder überlastet sind und keine Kapazität haben, einander zu unterstützen. Das führt zu Konflikten und beschädigt das soziale Gefüge innerhalb eines Teams oder einer Organisation.

➡️ Der Ausweg

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer die Zeichen des Arbeitens am Limit erkennen und Maßnahmen ergreifen, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren. Dazu gehört eine realistische Zielsetzung, die Implementierung von Pausen und Erholungszeiten sowie die Förderung einer Arbeitskultur, die Gesundheit und Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellt. Unternehmen sollten auch die Einführung flexibler Arbeitsmodelle in Betracht ziehen und sicherstellen, dass es ausreichend Ressourcen gibt, um die Arbeitslast angemessen zu verteilen.

➡️ Arbeiten am Limit in Arztpraxen: Ein Problem der Best Practice-Anwendung

In Praxismanagement-Betriebsvergleichen zählt Arbeit am Limit zu den am häufigsten genannten Beeinträchtigungen. Als Ursachen sehen Praxisinhaber, angestellte Ärzte und Medizinische Fachangestellte vorwiegend äußere Einflüsse wie eine ausufernde Bürokratisierung, zunehmende Patientenansprüche und die Digitalisierung.

Untersucht man die der Arbeit zugrunde liegenden Strukturen und Prozesse jedoch, zeigt sich ein ganz anderer Grund: in deutschen Arztpraxen wird im Durchschnitt knapp die Hälfte des Best Practice-Standards des Praxismanagements nicht umgesetzt. Diese validierte Leitlinie beschreibt alle Regelungen, Instrumente und Verhaltensweisen, die in den Aktionsbereichen der Praxisführung, von der Planung über Marktforschung, Organisation, Führung, Patientenbetreuung und Marketing bis zum Controlling, für eine auch unter wechselnden Anforderungen reibungslos funktionierende Arbeit unerlässlich sind.

➡️ Weg vom Limit durch Benchmarking

Praxismanagement-Benchmarking ist eine methodische Herangehensweise, die für Arztpraxen von erheblichem Nutzen sein kann, insbesondere wenn es darum geht, die negativen Effekte des Arbeitens am Limit zu minimieren und gleichzeitig die Effizienz und Effektivität der Praxisführung zu verbessern. Der positive Beitrag des Praxismanagement-Benchmarkings liegt in seiner Fähigkeit, systematisch Stärken und Schwachstellen in der Praxisführung zu identifizieren und aufzuzeigen, wo Verbesserungspotenzial besteht.

📌 Erhöhung der Effizienz und Produktivität

Benchmarking vergleicht aktuelle Arbeitsprozesse mit der Best-Practice-Leitlinie. Diese Gegenüberstellung führt automatisch zur Identifikation und Implementierung effizienterer Arbeitsmethoden. Dadurch können Ressourcen besser genutzt und die Produktivität erhöht werden, ohne die Mitarbeiter weiter an ihre Grenzen zu bringen.

📌 Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit

Ein zielgerichtetes Benchmarking hilft dabei, Überlastung zu erkennen und Prozesse so zu gestalten, dass sie die Mitarbeitergesundheit fördern. Eine ausgewogene Arbeitsbelastung und die Wertschätzung von Pausen und Freizeit erhöhen das Wohlbefinden der Mitarbeiter und verbessern damit die Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit.

📌 Qualitätssicherung und -steigerung

Benchmarking ermöglicht es, qualitative Standards im Praxismanagement festzulegen und aufrechtzuerhalten. Durch den Vergleich mit dem Best Practice-Standard lassen sich Qualitätslücken schließen und das Niveau der Patientenversorgung steigern.

📌 Förderung von Innovation

Durch die Leitlinien-Orientierung werden auch innovative Praktiken erkennbar und adaptierbar. Dies schließt neue Technologien und Managementpraktiken ein, die das Potenzial haben, die Arbeitslast zu erleichtern und neue Wege der Patientenbetreuung zu eröffnen.

📌 Risikomanagement

Das Benchmarking trägt dazu bei, verdeckte Risiken, wie z. B. Fehler in der Patientenversorgung oder ineffiziente Abläufe, die zu Mitarbeiterüberlastung führen können, zu identifizieren. Indem solche Risiken offenbart werden, können präventive Maßnahmen eingeleitet werden.

📌 Erleichterte Zielsetzung und Kontrolle

Ein Benchmarking stellt messbare Leistungskennziffern (Key Performance Indikatoren, KPI) zur Verfügung, die es Praxen ermöglichen, Fortschritte zu überwachen und zu steuern. Das erhöht die Führungseffizienz und unterstützt eine datenbasierte, objektivierte Entscheidungsfindung.

📌 Transparenz und Kommunikation

Ein Praxismanagement-Benchmarking erhöht die Transparenz innerhalb der Praxis, indem es Leistungsdaten übersichtlich und zugänglich macht. Dies fördert das Verständnis für gemeinsame Ziele und die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern.

📌 Wettbewerbsvorteil

Die durch Benchmarking erzielten Effizienzsteigerungen und Qualitätsverbesserungen führen zu einem signifikanten Wettbewerbsvorteil. Eine Praxis, die nach dem Best Practice-Standard geführt wird und dadurch eine hohe Patientenzufriedenheit aufweist, wird sich positiv von anderen abheben.

🔄 Fazit

Zusammenfassend ist Praxismanagement-Benchmarking ein Instrument, das eine strategische Analyse und Entwicklung des Praxismanagements ermöglicht. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Überlastung, zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit und zur Förderung eines gesunden, produktiven Arbeitsumfeldes. Mit seiner Hilfe können Praxen nicht nur am Limit arbeiten, sondern dieses Limit auf gesunde Weise verschieben und dabei Qualität und Patientenversorgung kontinuierlich verbessern.

ℹ️ Weiterführende Informationen

Alle Informationen zu diesem Ansatz sind in der Publikation “Benchmarking des Praxismanagements für Haus- und Fachärzte – Methode, Anwendung und Nutzen” zusammengefasst.

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Copyright Titelbild: Dall-E3