Worum es geht
Im Zeitalter der digitalen Medizin werden digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zunehmend Teil der medizinischen Versorgung. Niedergelassene Ärzte spielen eine Schlüsselrolle bei der Integration dieser Technologien in die Patientenversorgung. Ein sensibles und informiertes Vorgehen ist dabei unerlässlich, um Vertrauen aufzubauen und die Akzeptanz dieser Anwendungen zu fördern. Es gibt aber spezifische Aussagen und Verhaltensweisen, die Ärzte vermeiden sollten, um Missverständnisse oder Bedenken bei der Einführung von DiGA zu verhindern.
1️⃣ Übertriebene Versprechungen zur Wirksamkeit oder Ergebnissen
Eines der wichtigsten Elemente im Arzt-Patienten-Gespräch ist die realistische Darstellung der Erwartungen. Ärzte sollten vermeiden, übertriebene oder ungesicherte Versprechungen bezüglich der Wirksamkeit der DiGA zu machen. Dies schließt Aussagen ein wie:
- “Diese App wird Ihre Probleme lösen.”
- “Sie werden sofortige Ergebnisse sehen.”
- “Diese Anwendung ist besser als jede herkömmliche Behandlung.”
Diese Aussagen können unrealistische Erwartungen wecken und im Falle eines suboptimalen Ergebnisses das Vertrauen des Patienten in die Behandlung und den behandelnden Arzt untergraben.
2️⃣ Unzureichende Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen oder Grenzen der DiGA
Eine weitere kritische Aussage, die Ärzte vermeiden sollten, betrifft die mangelnde Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen, Einschränkungen oder Unzulänglichkeiten der digitalen Gesundheitsanwendung. In diesem Zusammenhang sollten Ärzte auf Aussagen wie die folgenden verzichten:
- “Die Anwendung hat keinerlei Nebenwirkungen oder Risiken.”
- “Es gibt keine Situation, in der diese Anwendung nicht hilfreich wäre.”
- “Sie brauchen sich keine Gedanken über eventuelle Grenzen dieser Technologie zu machen.”
Derartige Aussagen können zu einer Fehleinschätzung der Anwendung durch den Patienten führen, was wiederum das Risiko erhöht, dass der Patient bei aufkommenden Problemen oder Einschränkungen enttäuscht wird. Eine umfassende und ehrliche Kommunikation über mögliche Limitationen und Nebenwirkungen ist essenziell, um das Vertrauen der Patienten zu wahren und eine informierte Entscheidungsfindung zu unterstützen.
3️⃣ Mangelnde Berücksichtigung individueller Patientenbedürfnisse
DiGA sind nicht für jeden Patienten geeignet, und ihre Wirksamkeit kann je nach individuellen Umständen variieren. Ärzte sollten deshalb vermeiden, DiGA als universelle Lösung darzustellen. Zu vermeidende Aussagen beinhalten:
- “Diese Anwendung funktioniert für jeden.”
- “Es spielt keine Rolle, welche spezifischen Bedenken Sie haben, die App wird funktionieren.”
- “Sie brauchen eigentlich keine anderen Behandlungen, wenn Sie diese Anwendung nutzen.”
Diese Haltung kann zu einer Missachtung der individuellen Bedürfnisse und Umstände des Patienten führen und möglicherweise dazu, dass effektivere oder geeignetere Behandlungen nicht in Betracht gezogen werden.
Fazit
Das erste Gespräch über DiGA ist entscheidend für deren erfolgreiche Integration in die Patientenversorgung. Durch das Vermeiden von übertriebenen Versprechungen, eine unzureichende Aufklärung über Nebenwirkungen und das Ignorieren individueller Patientenbedürfnisse können Ärzte das Vertrauen ihrer Patienten stärken und die Akzeptanz dieser innovativen Technologien fördern. Eine transparente, realistische und patientenzentrierte Herangehensweise ist der Schlüssel zum Erfolg in der digitalen Gesundheitsversorgung.
Literatur zum Thema
📕 „Das DiGA-Verordnungsgespräch – Best Practices für Haus- und Fachärzte“