Worum es geht
Der Best Practice-Score (BPS) ist ein komplexes Bewertungsinstrument, das umfassende Einblicke in die Effizienz, Effektivität und Zukunftsfähigkeit einer Arztpraxis bietet. Durch seine detaillierte Analyse von Instrumenten, Verhaltensweisen und Prozessen, die für eine unter verschiedenen Bedingungen reibungslos funktionierende Praxisarbeit notwendig sind, liefert er nicht nur eine Momentaufnahme der aktuellen Praxisführung, sondern auch eine Wegweisung für potenzielle Verbesserungen.
Wie ist der BPS definiert?
Der Best Practice-Standard beschreibt als validierte Leitlinie alle Regelungen, Instrumente und Verhaltensweisen, die in Haus- und Facharztpraxen in den Aktionsbereichen der Praxisführung, von der Planung über Marktforschung, Organisation, Führung, Patientenbetreuung und Marketing bis zum Controlling, für eine auch unter wechselnden Anforderungen reibungslos funktionierende Arbeit unerlässlich sind.
Welche Informationen liefert der BPS?
Der durch ein Benchmarking des Praxismanagements einer Arztpraxis mit der Leitlinie resultierende Best Practice-Score (BPS) ist das Maß dafür, in welchem Umfang die untersuchte Praxis diese Leitlinie umsetzt. Die Kennziffer liefert damit vital relevante Informationen für den oder die Praxisinhaber:
- ob alle Vorkehrungen für eine nachhaltige und effiziente Praxisarbeit gelegt sind und welche Größenordnung die bislang ungenutzten Leistungs- und Verbesserungsreserven der Praxis haben,
- wie effizient die Arbeit ist,
- sie definiert die Zielsetzung, auf die ein Praxisbetrieb zu entwickeln ist, wenn Reserven vorhanden sind (eine Haus- oder Facharztpraxis ist dann optimal aufgestellt, wenn der BPS über 80 % liegt),
- sie gibt über die BPS-Subkennziffern der Aktions-Bereiche Auskunft darüber, welche Veränderungen notwendig sind, um vom ermittelten BPS-Status zum BPS-Ziel zu gelangen,
- wird der Score im Lauf eines Veränderungs-Prozesses mehrfach ermittelt, fungiert er als Steuerungs- und Controlling-Instrument auf dem Weg vom Status zum Ziel.
Welchen BPS haben deutsche Arztpraxen?
Im Durchschnitt liegt der BPS von Haus- und Facharztpraxen bei 53%, also deutlich von der 80%-Grenze entfernt. Diese geringe Best Practice-Orientierung erklärt auch eine Vielzahl der Probleme, mit denen sich Ärzte, MFA und Patienten täglich konfrontiert sehen.
Welche weiteren Einblicke liefert der BPS?
Erkennung und Minimierung von Risikofaktoren
Neben der Identifizierung von ungenutztem Leistungspotenzial und Optimierungsbereichen hilft der BPS dabei, verdeckte Risikofaktoren zu erkennen. Deren frühzeitige Erkennung und Minimierung trägt wesentlich zur nachhaltigen Sicherung der Praxis bei.
Verbesserung der Patientenbindung und -zufriedenheit
Die Analyse und Optimierung von Praxisprozessen auf Grundlage des BPS trägt signifikant zur Steigerung der Patientenzufriedenheit bei. Indem Praxen lernen, ihre Abläufe patientenorientierter zu gestalten, erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit von Weiterempfehlungen und stärken die Patientenbindung. Dies ist besonders wichtig in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Gesundheitsmarkt.
Förderung einer adaptiven Lernkultur
Der BPS zeigt nicht nur Bereiche für praktische Verbesserungen auf, sondern kann auch als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer adaptiven Lernkultur innerhalb der Praxis dienen. Diese Kultur fördert kontinuierliches Lernen und Anpassungsfähigkeit an neue Herausforderungen, was für die langfristige Entwicklung und das Wachstum der Praxis von entscheidender Bedeutung ist.
Steigerung der Teammotivation und -leistung
Durch die Identifizierung spezifischer Stärken und Schwächen innerhalb der Praxisführung kann der Best Practice Score zur gezielten Personalentwicklung genutzt werden. Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeiterkompetenzen und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen nicht nur zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit, sondern auch zu einer gesteigerten Gesamtleistung der Praxis.
Strategische Entscheidungsfindung und Zukunftsplanung
Die detaillierten Einblicke, die der BPS bietet, erleichtern die strategische Entscheidungsfindung und Zukunftsplanung. Praxisinhaber können auf Basis der Ergebnisse langfristige Ziele setzen und Maßnahmenpläne entwickeln, die nicht nur auf die Behebung aktueller Schwächen abzielen, sondern auch die Weichen für zukünftige Erfolge stellen.
Förderung einer integrativen Gesundheitsversorgung
Die Optimierung der Praxisführung gemäß dem Best Practice Score trägt auch zur Förderung einer integrativen Gesundheitsversorgung bei. Indem Praxis-Teams lernen, effizienter zu arbeiten und dabei Patientenbedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, verbessern sie die Qualität der Versorgung und tragen zu einem gesünderen und zufriedeneren Patientenstamm bei.
Fazit
Der BPS ist weit mehr als nur ein Instrument zur Leistungsbewertung. Er dient als Grundlage für eine tiefgreifende Transformation der Praxisführung, die über die bloße Effizienzsteigerung hinausgeht. Durch die umfassende Analyse und die daraus resultierenden Erkenntnisse können Ärzte und ihre Mitarbeiterinnen nicht nur ihre internen Abläufe optimieren, sondern auch einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Gesundheitswesens leisten. Die Implementierung der durch den Score aufgezeigten Verbesserungen führt zu einer resilienteren, patientenorientierteren und zukunftsfähigen Praxis.
Literatur zum Thema
„Benchmarking des Praxismanagements für Haus- und Fachärzte – Methode, Anwendung und Nutzen”.